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Rise Against (live in Hamburg, 2014) © Philipp Karadensky

Rise Against nehmen ihren Bandnamen wörtlich und liefern in der rappelvollen Festhalle Frankfurt ein energiegeladenes Punk-Hardcore-Brett ohne Kompromisse. Und doch hat die Show ein ganz großes Manko.

Große Vorwürfe kann man Tim McIlrath und seinen Jungs an dem Abend in der Festhalle Frankfurt nicht machen. Rise Against bieten genau das, was man von ihnen kennt und erwartet, nämlich harte Riffs und pure Energie. Ein Intro? Braucht hier keiner. Mit "Ready To Fall" und einem beherzten Sprung brettert der US-Vierer auf die Bühne.

Keine eingespielten Samples, kein außergewöhnliches Stagedesign (nur die Buchstaben "R I S E" und ein großes Banner), keine Videoleinwände, keine bunt auflechtenden LED-Gebilde. Nur zwei Gitarren, ein Bass, ein Schlagzeug, und die Crowd in der Halle. Mehr braucht es bei einem Rise Against-Konzert nicht, um die Stimmung ans Limit zu bringen.

Willkommen in der Familie

Schnell ist Band und Publikum zu einer Einheit zusammengeschmolzen. Schon bei dem zweiten Song "Give It All" – fast schon ein Klassiker – stürzt sich McIlrath in die Menge und hält ihr das Mikrofon hin. Wenn die gesamte Halle ganze Songpassagen wie bei der aktuellen Leadsingle "I Don't Want to Be Here Anymore" oder später beim akustischen "Hero Of War" lauthals mitsingt, ist diese Stimmung unbeschreiblich. Rise Against haben ihr Publikum voll und ganz im Griff, das sich ganz auf den Abend konzentriert, ohne ihre stimmungstötenden Smartphones in die Luft zu halten. Sogar auf den Rängen wird fleißig gepogt.

"You joined a crazy family", wendet sich McIlrath an diejenigen in der Halle, die Rise Against zum ersten Mal live sehen. Da hat er nicht ganz unrecht, wobei es schon etwas dauert, bis die ersten größeren Circle-Pits entstehen. Das passende Material liefern Rise Against mit Songs wie "Prayer Of The Refugee" allemal.

Keine Kompromisse

Klingt alles nach einem einwandfreien Auftritt oder? Fast, denn wie so oft macht der Mix dem Ganzen fast einen Strich durch die Rechnung. Gegen einen dröhnenden Bass und ein viel zu lautes Schlagzeug haben die Gitarren und vor allem McIlrath's Gesang keine Chance. Dem Mix fehlen die Höhen und so verkommt alles zu einem Soundbrei, bei dem man kaum eine Melodie raushört, geschweige denn einen Text versteht. Dabei sollte man sich bei dieser Band gerade diese genauer anschauen!

Umso mehr knallen die Songs. Wie eine Dampfwalze brettern sich Rise Against durch ihr Set, das vom aktuellen Nummer-eins-Album "The Black Market" bis hin zu einem "Like The Angel" von der zweiten Platte "Revolutions Per Minute" alle Hits und Klassiker zu bieten hat. Dabei erzählt McIlrath wie es "Help Is On The Way" fast ins deutsche Radio geschafft hätte. Die Verhandlungen verliefen ungefähr so: "When you put the screams out, we play your song. And I said: Fuck off!" Rise Against lassen sich eben nicht verbiegen.

Sie können auch anders

Die Band ist aber nicht nur für ihre Melodic-Punk/Hardcore-Nummern bekannt, denn Rise Against können auch hochemotionale Balladen schreiben, weit weg von jeglichem Kitsch und Plattitüden. Ihre Songs sind politisch, gegen das System. Sie decken Missstände in unserer Gesellschaft auf. Es sind schwierige Themen, um die andere Bands einen großen Bogen machen.

Gleich drei Balladen haben sie mitgebracht, bei denen McIlrath sich selbst auf der Akustik-Gitarre begleitet und dabei von Zach Blair an der Leadgitarre unterstützt wird. Es sind "Hero Of War", "People Live Here" und "Swing Life Away". So bekommt das Konzert doch noch seine ruhigen, atmosphärischen Momente.

"Keep Punkrock alive"

Aber Rise Against wären nicht Rise Against, wenn sie ihr Konzert nicht mit einem Knall beenden würden. Als Zugabe schnappen sie sich die Jungs der legendären Pennywise – einer der Supports auf der aktuellen Tour – und zelebrieren ein Ramones-Tribute. Pech für diejenigen, denen Ramones nichts sagt.

Mit "Make It Stop" und "Savior" endet ein schweißtreibendes Konzert. Bei letzterem Song gibt es sogar ein kleines Gitarrensolo, das bei diesem Sound wahrscheinlich nur wenige gehört haben, genauso wenig wie die vereinzelten Timingprobleme bei Schlagzeuger Brandon Barnes. Aber, fuck it, that's Punkrock. Ohne Kompromisse – nur nächstes Mal bitte besser abgemischt!

Setlist

Ready to Fall | Give It All | Re-Education (Through Labor) | Behind Closed Doors | Tragedy + Time | The Good Left Undone | Like the Angel | I Don't Want to Be Here Anymore | Help Is On The Way | Chamber the Cartridge | Last Chance Blueprint | Prayer Of The Refugee | Alive and Well | Audience of One | Satellite || Hero of War | People Live Here | Swing Life Away || Ramones-Tribute | Make It Stop (September's Children) | Savior

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