David Hasselhoff

David Hasselhoff

David Hasselhoff ist zurück, jedenfalls auf deutschen Bühnen. Beim Tourauftakt in der Frankfurter Ballsporthalle wechselten sich Cover alter Klassiker und Schlager mit Stampfbeat ab - das Publikum war trotzdem begeistert. Am Ende blieb nur eine Frage: Welcher Song war das nochmal, zu dem die Tänzerin an der Stange tanzte? Unser Redakteur Stefan Berndt versucht, Antworten zu finden.

Er moderiert das US-amerikanische Äquivalent zu "Das Supertalent". Er tanzt bei "Dancing with the Stars". Er tritt im Musikantenstadl auf. Jetzt mal ganz ernsthaft, wer erwartet bei einem Konzert von David Hasselhoff noch, seinen Serien-Helden aus den 80ern und 90ern zu sehen? Wenige, weswegen auch viele der Besucher vor der Ballsporthalle in Frankfurt schon vor Konzertbeginn leicht angeheitert sind.

Es ist der Auftakt zur Tournee durch Deutschland, dem Land, in dem Hasselhoff wohl immer irgendwie ein Star sein wird. Allein aufgrund dieser seltsamen Tatsache muss man sich wohl betrinken. Und um von der eigenen Scham abzulenken, schaut man doch lieber dem großen Mann auf der Bühne zu. Wie viele Menschen sind heute Abend da, die einen weiteren Alkoholabsturz erleben wollen? David Hasselhoff und Alkohol, das ewig leidige Thema. Seit Harald Juhnke tot ist und Mel Gibson sich zurückgezogen hat oder gerade wieder einen blutigen Film dreht, um seinen Glauben zu verbreiten, haben die Frühstücksradio-Moderatoren der Republik nur noch "The Hoff", um launische Säufer-Witze zu reißen. Und so steht jeder in freudiger Erwartung vor der Bühne.

Der offizielle Beginn verstreicht, die "David"-Rufe werden lauter, schließlich wird ein Einspieler auf den beiden Leinwänden gezeigt, die links und rechts neben der Bühne hängen: Hasselhoffs Erfolge werden aufgezählt, seine Millionen verkaufter Schallplatten, seine Schauspielkarriere, einfach alles. Der Mann ist sogar, laut Film und Guinness-Buch der Rekorde, der meistgesehene Fernsehstar der Welt. Baywatch wird scheinbar in jedem Land der Welt mindestens zehnmal pro Woche wiederholt. Dann ist er plötzlich da, wie von Geisterhand auf der anderen Seite der Halle erschienen, während alle gebannt auf die Bildschirme starren. Mit schwarzer Lederjacke und silbernem Adler auf dem Rücken, um den Hals hängt eine riesige Silberkette: "I've been looking for freedom", natürlich. Ein Blitzlichtgewitter geistert durch die, zugegebenermaßen, nicht einmal halb gefüllte Halle. Hasselhoffs Haare sind grau, seine Lederjacke etwas zu groß geraten. Beides soll für den ganzen Abend so bleiben.

Es folgt ein Wechsel zwischen eigenen Liedern und Coversongs, wobei ersteres leider immer in stampfende Schlagermusik ausartet. Am auffälligsten (oder am schlimmsten, wie man es nimmt), kann man das bei California Girls erleben. Zuerst covert Hasselhoff das Original der Beach Boys, freilich stimmlich etwas tiefer, dafür in Baywatch-Badehose. Wie gut oder wie schlecht das Cover ist, sei hier einmal ausgespart, nur: Selbst David Bowie hat sich schon an den Beach Boys beziehungsweise an God Only Knows versucht und dabei ordentlich ins Klo gegriffen. Die Messlatte liegt also sehr hoch.

Nach dem Cover folgt die eigene Version von California Girls, der bereits angedrohte Mitklatsch-Stampfer. Im besten Falle langweilig, im schlimmsten Falle einfach nur schrecklich. Bedanken darf man sich da beim Produzenten Christian Geller, der die Songs für den Hoff schrieb und der Welt bisher ansonsten Musikperlen der No Angels oder von Yvonne Catterfeld schenkte. In einer gerechten Welt hätte der Mann wohl nie ein Mischpult angefasst. In einer gerechten Welt würde es aber wohl auch immer noch neue Knight Rider-Folgen geben.

Während der Autor noch selig in Erinnerungen an die Beach Boys schwelgt, zieht es David Hasselhoff auf der Bühne von Kalifornien in den Wilden Westen: Rhinestone Cowboy, stilecht mit Cowboyhut präsentiert. Vor dem Song gibt es noch eine kleine Anekdote. Hasselhoff erzählt, wie er in Chemnitz, damals noch Karl-Marx-Stadt, den Song zum Besten gab und dort jeder mitsingen konnte, obwohl ja seiner Meinung nach kein Mensch Englisch sprach. Einfach bewundernswert, diese Ossis. Bei Country Roads steht die Halle Kopf beziehungsweise klatscht überkopf, Begeisterungsstürme machen sich breit. "I can't believe you liked this song!" – einfach bewundernswert, diese Wessis. Schnell geht es zurück auf die Hitschiene, denn jetzt folgt ein Lied, zu dem Hasselhoff selbst sagt: "This song killed my career". Gemeint ist Hooked on a Feeling, berühmt geworden vor allem durch das großartige Video. Der Song selbst ist aber auch ein Cover, beziehungsweise sogar ein Cover eines Covers. Der ursprüngliche Song von 1968 ist ein klassisches Popstück, garniert mit Klängen einer Sitar. Erst der englische Sänger Jonathan King baute 1971 das heute vom Hoff so wunderbar gesungene "ooka chaka" ein, für das man den Song kennt und vielleicht sogar liebt.

Kurz darauf kommt erstmal eine Verschnaufpause, eine Stunde ist bisher ins Land gegangen, in denen sich David Hasselhoff gefühlte zehnmal umgezogen hat. Die kurze Pause dehnt sich auf über 30 Minuten aus und so ist genug Zeit, den Stand mit den Fanartikeln zu begutachten. Die 5 Euro für ein Poster und den weitaus höheren Preis für ein T-Shirt sparen sich wohl einige und investieren das Geld lieber in Flüssiges. Das lange Warten, das das Publikum sogar schließlich mit lauten Rufen quittiert, hat um kurz nach zehn Uhr schließlich ein Ende.

Die zweite Konzerthälfte wird von der Titelmusik zu "Knight Rider" eingeleitet. Vor der Halle steht übrigens wirklich K.I.T.T., das springende und sprechende Auto aus den 80ern – jedenfalls wenn man ganz stark daran glaubt. Ansonsten sieht man nur einen alten Pontiac Firebird Trans Am in der 82er Version, auf dem Hasselhoffs Unterschrift entgegenlacht. Von einem Wachmann gesichert, ist das alte Auto wohl das am besten bewachte in ganz Frankfurt in dieser Nacht.

Zurück geht es zur Bühne: David Hasselhoff betritt mit einer Brille, die durch ihr Leuchten entweder an K.I.T.T. oder einen Cylonen aus Kampfstern Galactica erinnert, die Bühne. Dazu trägt er einen wieder etwas zu großen schwarzen Ledermantel, darunter einen schwarzen Lederanzug, Lederhandschuhe, Lederschuhe und sogar eine Lederfliege – man lernt nie aus, was man so alles aus Leder herstellen kann. Hasselhoff sing Secret Agent Man und tritt dabei unsichtbare Bösewichte von der Bühne. Das sieht zwar sehr anstrengend aus, aber er gibt alles für sein Publikum.

Das Lied speziell für uns Deutsche folgt: Wir zwei allein mit seiner Background-Sängerin Rain, wie damals beim ZDF, nur ohne kleines Mädchen und mit dem Schlusssatz: "Darling, you whip that tear from your eye, 'cause the Hoff is here!" Großartig! An das nächste Lied kann sich wohl kein Mensch mehr erinnern, weil alle gebannt auf die Tänzerin starren, die an einer Stange tanzt und dabei alle Körperteile von sich streckt, die man irgendwie von sich strecken kann. Everybody Sunshine und Crazy for you folgen, dann naht das Ende des Abends. Noch einmal spielt die Band Looking For Freedom und lässt die Halle toben. Es folgt Rock the World, die Halle klatscht. Moment mal, die Songs gab es in dieser Reihenfolge auch am Anfang des Konzerts? Egal, das Publikum will trotzdem noch eine Zugabe. David Hasselhoff lässt sich wiederwillig überreden: "I'm too old for this!", und so gibt es die Single Real good Feeling aus dem bald kommenden Album. Das Licht geht an. Es ist kurz nach 11, Freitagabend mitten in Frankfurt am Main. Der Trans Am steht immer noch vor der Tür.

Alles zum Thema:

david hasselhoff

Das könnte Sie auch interessieren