Element of Crime

Element of Crime © Universal

Element of Crime sind eine Liveband, soviel ist klar. Gut also, dass im Februar direkt wieder eine Menge Live-Termine anstehen. Sven Regener, Sänger und Texter der 1985 gegründeten Formation, erklärt im Gespräch mit unserem Redakteur Jan Wölfer unter anderem die Songauswahl der Band bei ihren Auftritten, warum man sich nicht dabei nicht auf das aktuelle Album "Fremde Federn" konzentriert und die Möglichkeit eines kommenden Live- oder Konzeptalbums.

{image}regioactive.de: Ist die aktuell anstehende Tour noch eine gefühlte "Immer da wo du bist bin ich nie"-Tournee oder rückt euer aktuelles Coveralbum Fremde Federn in den Fokus?
Sven Regener: Nein, mit dem Coveralbum würden wir jetzt nicht auf Tour gehen. Also, ich finde die Platte toll, ganz prima, aber das ist ja eine Sammlung von Liedern, die wir über die letzten zehn bis zwanzig Jahre immer mal so aufgenommen haben - als Motto für eine Tour funktioniert das nicht. Insofern ist das für uns noch die "Immer da wo du bist bin ich nie"-Tour, auch wenn das jetzt als Motto für eine Tour ein wenig umständlich klingt. (lacht)

Habt ihr denn vor, einige der Coversongs von Fremde Federn mit in das aktuelle Programm zu übernehmen?

Sven Regener: Das kann passieren, ja. Es ist durchaus denkbar, dass wir davon etwas auf der Tour spielen. Ein paar von den Songs haben wir ja auch immer schon mal live gebracht. Zum Beispiel die Beatles-Nummer Across The Universe, die haben wir ja auf der Tour vor vier Jahren auch schon immer gern gespielt.

{image}Bei den beiden Auftritten, die ich im Jahr 2010 von euch sah, im Januar in Offenbach (Bericht) und im November auf dem Rolling Stone Weekender (Bericht), war die Auswahl der gespielten Lieder nahezu identisch. Was sind die Gründe dafür bei einer Band, die über viele Songs verfügt, nur einen so kleinen Ausschnitt daraus zu präsentieren?

Sven Regener: Wir spielen ja so 24 Songs am Abend, das sind dann gut zwei Stunden. Bei uns kannst du für jedes Lied etwa fünf Minuten veranschlagen und weil wir ja das neue Album auch komplett spielen, sind da bei zehn neuen Liedern schon mal 50 Minuten verplant. Und bei dem Weekender hatten wir nur 90 Minuten, da war dann kein großer Platz für weitere Songs. Aber auch auf der Tour im letzten Winter haben wir jeden Abend ein paar Songs im Sets ausgetauscht.

Es gibt ja Bands, die auf jedem Konzert einer Tour nur vielleicht zehn gesetzte Eckpunkte des Sets haben und den Rest jeden Abend variieren.

Sven Regener: Das finde ich aber irgendwie auch komisch, wenn jemand, der den einen Abend in Ulm war, dann ein ganz anderes Konzert sieht als jemand am Abend danach in Freiburg. Wozu soll das gut sein?

Wird es denn was die Songauswahl betrifft auf der Tour jetzt noch mal andere Songs aus eurem reichhaltigen Oeuvre geben?

Sven Regener: Ja, natürlich kommen da jetzt noch ein paar andere mit ins Programm. Das muss auch sein, sonst wird das für uns ja auch irgendwann langweilig.

{image}Nach welchen Gesichtspunkten wählt ihr die Songs für ein Liveprogramm aus - sind das eure aktuellen Lieblingslieder oder versucht ihr dem Publikum zu geben, was es vermeintlich hören will?

Sven Regener: Natürlich wollen wir erst mal die neuen Lieder spielen, die sind für uns ja noch frisch und wollen auch auf die Bühne gebracht werden. Auf diese Weise haben wir jetzt, mit der "Immer da wo du bist bin ich nie", ein etwas rockigeres Set. Wenn du Kopf aus dem Fenster spielst, dann schreit das irgendwie auch nach Immer unter Strom. Aber es ist nicht etwa so, dass wir sagen: "Wir haben jetzt zwölf Alben gemacht und von jedem Album müssen wir dir Lieder spielen". Das wäre nicht nur schematisch, das wären dann ja auch schon drei Stunden Spielzeit. Und unsere Lieblingslieder – das kann man so nicht sagen, wir finden die ja alle irgendwie gut, sonst hätten wir die nicht so gemacht.

Mir ist aufgefallen, dass ihr euch bei den Liveversionen sehr stark an der Studioversion eines Stückes orientiert. Ist es ein Prinzip von euch, die ursprünglichen Arrangements als feste Vorlage zu nehmen oder wäre es auch denkbar, dass Element of Crime ein völlig neues Arrangement für ein Lied erarbeiten und aufführen?

{image}Sven Regener: Es ist bei uns mittlerweile eher anders herum: Wenn wir die Songs im Studio einspielen, dann machen wir das schon so, dass wir die auch so ähnlich live umsetzen können. Wir hatten zum Beispiel damals mit der An einem Sonntag im April-Platte mit der Liveumsetzung unsere Probleme. Da fehlten uns dann auf der Bühne die Streicher oder die zweite Trompete und deshalb spielen wir immer nur wenig von der Platte, obwohl wir die sonst immer noch sehr mögen. Man muss da immer sehen, was auch live gut kommt. Die meisten unserer Songs sind ja von der Anlage her so, dass man sie auf der Bühne auch nur mit Gitarre spielen könnte und es würde trotzdem funktionieren.

Aber wäre es für euch da nicht interessant zu sagen: Wir probieren dann mal ein ganz anderes Arrangement aus, das live besser funktioniert?

Sven Regener: Ja nee, da darf man sich ja auch nicht verkrampfen. Das ist ja auch kein Selbstzweck, dass man auf Teufel komm raus irgendwas anders macht als vorher. Wir hatten allerdings zum Beispiel eine Zeit lang das Lied Damals hinterm Mond mit einer anderen Schlagzeug-Begleitung gespielt, so was kommt vor, aber im Grunde genommen finden wir die Songs ja auch so, wie wir sie aufgenommen haben, gut.

{image}Ist das Prinzip keine Livealben zu machen immer noch gültig - wäre die aktuelle Tour mit Christian Komorowski an der Geige nicht mal ein Grund dafür, diese Versionen mal festzuhalten?

Sven Regener: Wir haben ja von den letzten Touren immer mal Mitschnitte über das Internet veröffentlicht. Das waren dann diese Bluebird-Tapes, die wir nicht groß über ein Mischpult, sondern ganz einfach mit einem Stereomikrophon im Saal aufgenommen haben. Die klingen dann sehr roh und auch ehrlich, weil da genau das zu hören ist, was in diesem Augenblick im Raum abging. Bei vielen so genannten Liveplatten wird danach im Studio noch alles Mögliche nachbereitet, neu eingespielt und abgemischt und das ist etwas, was ich überhaupt nicht interessant finde. Früher, als es die ersten Walkmen mit Aufnahmemöglichkeit gab, gingen einige mit den Dingern auf Konzerte und machten heimlich einen Mitschnitt, der auf Kassetten unter dem Namen Bluebird-Tapes verhökert wurde. Ich fand das immer spannend, auch gerade den ungehobelten, wilden Sound dieser Aufnahmen. Ob wir das auf dieser Tour genauso handhaben, weiß ich noch nicht. Könnte aber gut sein, dass wir das auch noch machen.

Wäre denn ein gefilmtes Livekonzert in schöner Atmosphäre etwas, das ihr gern noch mal als DVD auf den Markt bringen würdet?

Sven Regener: Ach, ich weiß nicht. Ich bin aber auch selbst keiner, der so was kaufen würde. Ich würde, wenn ich mir das anschaue, eher traurig werden, nicht dabei gewesen zu sein. Und wenn ich dabei war, wäre das zwar nett als Andenken, aber ich finde die eigene Erinnerung an sich noch viel toller als ein gefilmtes Souvenir. Man kommt zwar irgendwann an den Punkt wo man sagt: "Das wäre schon toll sich jetzt noch mal ein Konzert von 1987 anzuschauen", und wir haben so was ja auch schon gemacht, mit den Rockpalast-Leuten zum Beispiel. Es gibt da auch noch alte Aufnahmen, damals noch mit Betamax-Kameras aufgenommen. Aber sowas extra anschieben? Das muss nicht sein.

{image}Nachdem ihr bereits für den Soundtrack von "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe" einige Songs geschrieben habt und du auch als Autor die "Herr Lehmann"-Trilogie geschaffen hast, könnte es doch nahe liegen, dass ihr euch mit Element of Crime auch mal an ein größeres Werk wagt. Habt ihr mal über ein solches Werk, ich will die Bezeichnungen Rockoper oder Konzeptalbum mal vermeiden, nachgedacht?

Sven Regener: Konzeptalben – das ist es dann ja letztendlich doch – kann man machen. Bei David Bowie damals mit Ziggy Stardust hat das ja auch klasse funktioniert, aber auf Dauer, wenn man das nicht immer ganz aufführt, sind es ja doch die Songs, die bleiben, und die sollen dann ja auch für sich stehen können. Wir haben damals für den Film "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe" sieben Songs aufgenommen: Vier richtig mit Text in Bezug zu dem Film und drei instrumentale – das hat wunderbar funktioniert. Das war aber auch so schon ein toller Film. Dass wir etwas machen, das darüber hinausgeht, kann ich mir aber eher nicht vorstellen.

Was sind eure Pläne für die Zukunft? Legt ihr als Band nach den Sommerauftritten erst einmal eine Pause ein?

Sven Regener: Das ist noch nicht sicher. Es kann auch gut sein, dass wir danach auch noch eine Tour machen. Element of Crime ist ja keine Single-orientierte Band, die Radiohits hat und so an die Leute kommt. Wir machen halt Alben, aber müssen unterwegs sein, um Publikum, auch gerade neues Publikum, zu erreichen. Wenn du so eine Band hast wie wir, dann musst du rausgehen. Da reicht es dann auch nicht zwölf Konzerte in den Ballungsräumen zu spielen, da muss man in die Fläche gehen. Wir spielen jetzt auf der Tour zum Beispiel in Würzburg, wo wir seit 18 Jahren oder so nicht mehr gewesen sind. Wenn du willst, dass man dich dort hört, dann musst du da hin. Und da freue ich mich auch darauf, das finde ich klasse!

Vielen Dank für das Interview!

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