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Element Of Crime (live in Frankfurt 2019) © Torsten Reitz

In der ausverkauften Jahrhunderthalle in Frankfurt stellen Element of Crime zwei Stunden lang unter Beweis, dass sie nicht nur ein herausragendes neues Album veröffentlicht haben, sondern auch insgesamt zu den besten deutschen Bands zählen.

Es ist keine geringe Leistung, wenn eine langjährig erfolgreiche Band wie Element of Crime im Herbst ihrer Karriere ein Album veröffentlicht, das so gut ist wie "Schafe, Monster und Mäuse." 

Das neue Werk bildet das Rückgrat ihres Konzerts in der randvollen Jahrhunderthalle in Frankfurt, die sich wieder einmal als ausgezeichneter Veranstaltungsort erweist, der mit exzellentem Klang und guter Sicht aus vielen Positionen punktet.

Gut aufgelegte Band

Bereits der Auftakt mit "Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang" ist ein Volltreffer. Sven Regener agiert ungewöhnlich animiert und wirkt für seine Verhältnisse fast euphorisch. Das Titellied "Schafe, Monster und Mäuse" profitiert von einem etwas druckvolleren Arrangement als auf Platte.

Nach dem Soziopathen-Psychogramm "Ein Brot und eine Tüte" erklärt er: "Neue Songs, alles gut und schön, aber wo bleiben die alten?" Die folgen dann natürlich sogleich, wobei "Nur so" und "Wer ich wirklich bin" von "Die schönen Rosen" nicht nur aufgrund ihrer Seltenheit herausragen.

Dylan im Geiste

Von selten gespielten Liedern gibt es im regulären Set noch "Robert Zimmermann", das einst für den Leander Haußmann-Film "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe" geschrieben wurde. Der Titel ist natürlich eine Anspielung auf Bob Dylan, der im wirklichen Leben eben so heißt und so reckt Sven Regener nach dem Lied die Arme in die Höhe und ruft laut: "Nobelpreis!" 

Dylan-Anspielungen gibt es ja in ihrem Weg genug, beispielsweise: "Wie viele Erdbeereise muss der Mensch noch essen" aus "Am Ende denke ich immer nur an dich".

Vor dem Sturm

Grundsätzlich gelingt es der Band in Frankfurt fast immer den richtigen Ton zu treffen. Bei "Immer noch Liebe in mir" sorgen sie sogar für einen Schunkelmoment. Was an anderer Stelle abstoßen würde, wirkt bei Element of Crime ungezwungen, ja natürlich.

Ein starker Kontrast folgt mit dem vorahnungsschweren "Gewitter", einer weiteren Großleistung vom aktuellen Album. Düsternis ist ein elementarer Bestandteil des Werks von Element of Crime, meistens in Verbindung mit Liebesleid. "Gewitter" hingegen bietet ein fast apokalyptisches Szenario, einen Abgesang auf die "gute, alte Zeit", die unwiderruflich zu Ende geht.

Bei allem Schwermut zeichnet die Lieder der Band auch immer jede Menge Trotz im Angesicht des Verlusts aus, davon handeln etwa "Weißes Papier" und "Delmenhorst", zwei ihrer erfolgreichsten und bekanntesten Lieder.

Sprachgenie

Das Potential zu einem solchen Klassiker zu entwickeln besitzt auf jeden Fall "Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin". Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass Sven Regener zu den ganz großen Textdichtern der deutschsprachigen Populärmusik zählt, würde dieses Lied ihn liefern.

Wer außer Regener kann so mit der Sprache spielen und die größten Absurditäten logisch und nachvollziehbar wirken lassen: Trübe ist die Aussicht / Trügerisch das Wort / Gib mir eine Nachricht ich / geb dir einen Korb / Da sind viele Erinnerungen drin / die kannst du in der Pfeife rauchen / Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin. Kein Wunder, dass dieses Lied "Szenenapplaus" erhält.

Nicht vergessen: die Band

Aber auch ein meisterhafter Textdichter braucht kongeniale Kollegen – und unter diesen sticht an diesem Abend Gitarrist Jakob Ilja heraus. Der unscheinbare Mann verfügt über ein enorm wandlungsfähiges Spiel und einen großen Vorrat kreativer Ideen, so dass seine kurzen Soli immer wieder für musikalische Höhepunkte sorgen. 

Die übrige Band agiert gewohnt unauffällig, aber enorm effektiv und erfreulich druckvoll. Element of Crime können auch mit reduzierten Arrangements begeistern, aber das neue Material lockt wohl zu einer etwas rockigeren Umsetzung. Sie gelingt einwandfrei.

Der Abschluss

Für die insgesamt drei Zugaben haben Element of Crime sich neben Klassikern auch zwei selten gespielte Songs ausgesucht. Während das bellende "Geh doch hin" gut gelingt, ist "Warte auf mich" musikalisch zwar schön, aber kompositorisch keines ihrer besten Lieder.

Mit einer exzellenten Version von "Draußen hinterm Fenster" und dem schelmischen "Lieblingsfarben und Tiere" beenden Element of Crime schließlich ihren zweistündigen Auftritt. Machen wir es kurz: Es ist ein Glück, dass es diese Band gibt.

Setlist

Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang / Schafe, Monster und Mäuse / Ein Brot und eine Tüte / Deborah Müller / Liebe ist kälter als der Tod / Nur so / Wer ich wirklich bin / Immer noch Liebe in mir / Gewitter / Stein, Schere, Papier / Bevor ich dich traf / Im Prinzenbad allein / Immer da wo du bist bin ich nie / Robert Zimmermann / Die Party am Schlesischen Tor / Karin, Karin / Am Ende denk ich immer nur an dich / Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin // Weißes Papier / Delmenhorst // Schwere See / Geh doch hin // Warte auf mich / Draußen hinterm Fenster / Lieblingsfarben und Tiere

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