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Element of Crime (live in Frankfurt, 2013) © Daniel Nagel

Mit ihrem mehr als zweistündigen Auftritt am 20. März in der ausverkauften Batschkapp in Frankfurt bewiesen Element of Crime dem begeisterten Publikum, warum sie nach wie vor zu den besten deutschen Livebands zählen. Die "Wir hängen tagsüber ab und spielen abends im Club"-Tour hätte keinen besseren Auftakt haben können.

Tagsüber abhängen und abends im Club spielen? Wieso nicht! Sogar Mick Jagger hatte die großen Hallen irgendwann satt und sehnte sich zurück nach intensiveren und persönlicheren Clubkonzerten.

Sven Regener und seine Band Element of Crime sind nicht ganz so berühmt wie die Rolling Stones, aber das hindert sie nicht daran, einen Versuch der bewussten Verkleinerung zu wagen. Der Auftakt ihrer Clubtour findet in der drei Tage hintereinander ausverkauften Frankfurter Batschkapp statt.

Es gab Zeiten, so erklärt Sven Regener, als ein ganzes Konzert nur aus dem "E-Moll-Block" bestanden habe. Und man könnte hinzufügen, dass es nicht die schlechtesten waren, wenn man an die grandiosen Auftritte im Rahmen der "Mittelpunkt der Welt"-Tour denkt.

Weiterentwicklung und Rückbesinnung

Aber Element of Crime haben sich weiterentwickelt – und wie bei jeder guten Weiterentwicklung steckt darin ein beträchtliches Maß an Rückbesinnung. Selbstverständlich ist die exquisite Melancholie nicht komplett aus ihrer Musik verschwunden, aber sie wird ergänzt von einer größeren Bandbreite musikalischer Ausdrucksformen.

"Delmenhorst" beispielsweise, einer ihrer "großen Single-Hits" (Regener), erklingt in einer ungewohnten, aber vollauf überzeugenden Rockversion. Auch andere Klassiker wie Draußen hinter Fenster profitieren von einer Steigerung des Tempos und der Intensität.

Nicht zu alt für Rock'n'Roll

Es wirkt, als wollten Regener und Band verkünden: Element of Crime mögen zu alt sein, um jung zu sterben, wie eines ihrer T-Shirts verkündet, aber sie sind nicht zu alt, um Rock’n’Roll zu spielen.

Diesem Zweck dienen auch die von der Compilation "Fremde Federn" bekannte Coverversionen wie das fast apokalyptische, laut-donnernde "Akkordeon", ein Lied von Serge Gainsbourg, das hierzulande durch eine gänzlich andere Interpretation der früh verstorbenen Schlagersängerin Alexandra bekannt wurde.

"Zwei Gitarren", eine weitere Alexandra-Interpretation, erklingt ebenso düster und bedrohlich. Vom neugewonnen Hang zur lauten Intensität profitiert auch eine Eigenkomposition aus der Frühzeit der Band, "Almost Dead", bei dem Regener die Vocals über einem hämmernden Rhythmus fast ins Mikrophon bellt.

Unbeschwerte Seiten

Das Konzert bietet aber auch lichtere und luftigere Seiten wie "Kaffee und Karin", das mit seinen Marriachi-Trompeten so lebhaft und beschwingt daherkommt, als wolle es zum Tanz auffordern. "Mehr als sie erlaubt" scheint ebenso etwas von seiner zwanghaften Härte verloren zu haben, während "Michaela" sagt die Band von ihrer unbeschwerten Seite zeigt.

Die Begeisterung des Publikums ist gerade im zweiten Teil des Konzerts gewaltig. Regener unterhält die Zuschauer mit launigen Sprüchen, antwortet auf Zurufe, mokiert sich über seine eigene Redseligkeit und bringt damit nicht nur Gitarrist Jakob Ilja zum Lachen.

Überhaupt Ilja: sein vielseitiges Gitarrenspiel ist stets ein Genuss. Obwohl Regener natürlich die größte Aufmerksamkeit beansprucht, gerät vermag der Gitarrist mit seinen originellen oder ausdrucksstarken Motiven die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

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Melancholie und Ironie

Regeners Stimme ist in den letzten Jahren rauer und rauchiger geworden, aber inzwischen haben sich Element of Crime gut darauf eingestellt. Gesangliche Unsicherheiten oder Misstöne wie bei manchen Konzerten in der jüngeren Vergangenheit gab es in Frankfurt so gut wie keine.

Die abwechslungsreiche Setlist trägt ebenso zum Gelingen des Abends bei: Nicht fehlen darf natürlich "Weißes Papier", das wie gewohnt die Zuschauer komplett in seinen Bann schlägt, erfreulich sind aber auch Lieder wie "Surabaya Johnny", auf die man nicht ernsthaft zu hoffen gewagt hatte, weil sie aus einer weit entfernten Vergangenheit zu stammen scheinen.

Ganz zum Schluss spielen Element of Crime zum Jubel des Publikums noch "Bring den Vorschlaghammer" mit – ein überaus passender Abschluss für ein Konzert in einem Club, der bald in eine neue Halle umziehen wird. Wie so häufig bei Element of Crime liegen Melancholie, Ironie und Hoffnung eng beieinander.

Setlist

Mittelpunkt der Welt | Deborah Müller | Delmenhorst | Akkordeon | Im Himmel ist kein Platz mehr für uns zwei | I Started A Joke | Almost Dead | Kaffee und Karin | Mehr als sie erlaubt | Vier Stunden vor Elbe 1 | Michaela sagt | Zwei Gitarren | Damals hinterm Mond | No Home | Jetzt musst du springen | Am Ende denk ich immer nur an dich | Seit der Himmel | Immer da wo du bist bin ich nie

Zugabe: Weißes Papier | Draußen hinterm Fenster || Surabaya Johnny | Blaulicht und Zwielicht || Weil es schön war || Bring den Vorschlaghammer mit

Element of Crime Clubtour 2013

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