Es grenzt schon beinahe an Frechheit, was so manche Musiker aus einzigartigen Liedern erstellen können. Sie nennen es dann Hommage an ihre Idole, wir nennen es gedankenlos durch den Fleischwolf gedreht und als Einheitsbrei wieder ausgespuckt. Schlimmstenfalls sind diese Coverversionen aber dennoch oftmals in den Charts gelandet – was bei einigen der hier aufgeführten Titel der Fall ist.

Und wo manche Musiker mehrere Cover fabrizieren (so wie Paul McCartney mit dem Album Kisses on the Bottom vom Februar 2012) gibt es auch solche, die gleich ein ganzes Schaffen einer Band ruinieren können: Gedenken wir kurz den A*Teens, die die größten ABBA-Hits zu einfallslosen 90er Jahre Teenager-Popnummern verarbeitet haben oder B3, die sich an der Musik der Bee Gees vergingen. Bestimmt ist Robin Gibb schon zu Lebzeiten an die Decke gegangen.

Aber jetzt geht es erstmal los, durch das Schreckenskabinett vergangener Pop- und Rocksünden. Es tut uns jetzt schon leid!

1. Miley Cyrus – Smells Like Teen Spirit (Original: Nirvana, 1991)

Es ist im Allgemeinen schon sehr mutig, Nirvana überhaupt zu covern. Wenn es dann noch ein 20-jähriges Mädchen macht, die als pubertierende, aufgedrehte Hannah Montana berühmt geworden ist, verliert die Version noch den allerletzten Funken Glaubwürdigkeit. Der ist aber schon dann nicht mehr vorhanden, wenn Miley Cyrus in ihren High Heels und dem billigen Leder-Outfit auf der Bühne headbangt.

Teil 2: Dick Brave & The Backbeats, Kelly Osbourne, Madonna

Weiterlesen im 2. Teil ›

Teil 1  Teil 2  Teil 3  Teil 4  

Teil 1  Teil 2  Teil 3  Teil 4  

2. Dick Brave & The Backbeats – Walk This Way (Original: Aerosmith, 1975)

1975 feierten Aerosmith mit Walk This Way riesigen Erfolg, 1986 schrieben sie gemeinsam mit Run-D.M.C. Musikgeschichte. Sasha a.k.a. Dick Brave hat es mit seinen Backbeats gleich auf zweifache Weise geschafft, diesen Klassiker zu ruinieren: Zum einen ist die Nummer von Aerosmith zum belanglosen Geträller verwaschen worden, zum anderen haben sie das legendäre Video zwischen Run-D.M.C. und Aerosmith nachgespielt – und das nicht gerade überzeugend.

Nicht zu verachten ist auch der Ich-habe-lange-Haare-und-sehe-aus-wie-ein-Metaller-und-kann-total-cool-das-Riff-nachspielen Möchtegern-Gitarrist, der sich in dem Video blamiert.

3. Kelly Osbourne – Papa Don't Preach (Original: Madonna, 1986)

Viele Kinder wollen in die Fußstapfen ihrer Eltern treten, besonders wenn diese noch unglaublich berühmt sind. Doch wie bei einigen genetischen Krankheiten, die eine Generation überspringen können, ist das musikalische Talent an Kelly Osbourne mit Schallgeschwindigkeit vorübergezogen. Und das mit dem Tanzen sollte sie auch nochmal überdenken.

4. Madonna – American Pie (Original: Don McLean, 1971)

Dass nicht nur Songs von Madonna verunstaltet werden können, sondern die Popqueen selbst auch Klassiker verschandeln kann, zeigt sie mit Don McLeans American Pie. Der Song, dessen Bedeutung jahrelang zu entschlüsseln versucht wurde und voller Anspielungen und Metaphern steckt, wurde schlichtweg in eine nichtssagende Popnummer umarrangiert.

Dazu wird im Hintergrund des Videos ganz dezent (= Ironie!) an den Nationalstolz der US-Amerikaner appelliert und eine Madonna gezeigt, die besser einen BH angezogen hätte.

Teil 3: Limp Bizkit, Jessica Simpson, Céline Dion und Anastacia

‹ Zum 1. Teil Weiterlesen im 3. Teil ›

Teil 1  Teil 2  Teil 3  Teil 4  

Teil 1  Teil 2  Teil 3  Teil 4  

5. Limp Bizkit – Behind Blue Eyes (Original: The Who, 1971)

Ob Limp Bizkit und besonders Frontmann Fred Durst ihren Tiefpunkt 2003 damit erreichten, dass der Sänger eine Affäre mit Britney Spears hatte (was sie dementierte), oder mit ihrer entsetzlichen Coverversion von Behind Blue Eyes – das bleibt jedem selbst zu entscheiden. Der Klassiker der englischen Band The Who (von ihrem Album Who's Next) geriet jedenfalls in die Fänge dieser musikalischen Grobmotoriker und entkommt nur grausam entstellt und sinnlos misshandelt.

6. Céline Dion und Anastacia – You Shook Me All Night Long (Original: AC/DC, 1980)

Wenn Pop-Sängerinnen Rockhymnen interpretieren, kommt selten etwas Gutes dabei heraus. Aber nicht alle Versuche enden so kläglich wie Céline Dions und Anastacias Coverversuch des AC/DC-Klassikers You Shook Me All Night Long. Die lustvolle Triebhaftigkeit des Originals verwandelt sich in den Händen der beiden Damen in leere Entertainment-Posen.

Wenn Anastacia "working double time on the seduction line" singt, dann wirkt das so unecht wie Celine Dions hüftschwingendes Herumtänzeln auf der Bühne. Überhaupt ist das Video aufgrund der billigen Kumpanei der beiden Sängerinnen unerträglich.

Die Musik ist aber nicht minder schlimm: Der Versuch der Gitarristin, das Solo des Originals nachzuspielen, offenbart ihre komplette Überforderung. Das perfekte Beispiel einer Coverversion, bei der keiner der Beteiligten auch nur im Ansatz verstand, was das Original ausmacht.

7. Jessica Simpson – These Boots Are Made For Walkin' (Original: Nancy Sinatra, 1966)

Das Original von Nancy Sinatra war sexy und cool. Jessica Simpsons Coverversion ist das Äquivalent von Betrunkenen, die sich in einer Bar prügeln.

Natürlich passiert genau das im Video, das sich in spektakulärer Geschmacklosigkeit an Proleten und Vollidioten jeder Herkunft anbiedert. Passend dazu trägt Simpson so spärliche Klamotten, dass sie einer Prostituierten die Schamesröte ins Gesicht treiben würde.

Das wirklich Allerschlimmste ist aber die Anwesenheit von Country-Legende Willie Nelson. Oh, Willie!

Teil 4: William Shatner, Sheryl Crow, Britney Spears

‹ Zum 2. Teil Weiterlesen im 4. Teil ›

Teil 1  Teil 2  Teil 3  Teil 4  

Teil 1  Teil 2  Teil 3  Teil 4  

8. William Shatner – Rocket Man (Original: Elton John, 1972)

James T. Kirk, T.J. Hooker, Denny Crane oder ein esperanto-sprechender Mann, der von einem Inkubus gejagt wird – William Shatner war schon vieles. Seit 1968 auch Musiker, wenn man seine Spoken Word-Auftritte als Musik bezeichnen mag. Vielleicht soll es auch keine Musik sein, sondern etwas ganz anderes. Wir wissen es nicht so genau. Wir wissen nicht einmal genau, ob sein Rocket Man wirklich ein schlechtes Cover ist. Oder irgendetwas ganz anderes.

9. Sheryl Crow – Sweet Child O' Mine (Original: Guns n' Roses, 1988)

Wie unfassbar schlecht beraten muss eine Künstlerin sein, um so einen Schrott zu veröffentlichen? Wer zur Hölle dachte, es sei eine gute Idee, Sweet Child Of Mine mit seinem immer noch unglaublichen Gitarrenriff in eine belanglose Country-Pop-Ballade zu verwandeln? Und dann diese von R.E.M. geklauten Streicher! Der grausame "Where do we go now?"-Part! Was soll das?

10. Britney Spears – I Love Rock'n'Roll (Original: Joan Jett, 1981) / (I Can't Get No) Satisfaction (Original: The Rolling Stones, 1965)

Wir konnten uns nicht entscheiden, welche der beiden Cover schlimmer sind, also wird Britney Spears am Ende die "Ehre" zuteil, mit einem Doppelschalg in die Magengrube unsere "10 schlimmsten Coverversionen" zu beenden.

Selbst als (jedenfalls zur damaligen Zeit) angesagtes Popsternchen darf man sich nicht alles erlauben. Britney Spears hat gleich zwei der kultträchtigsten Rockklassiker in ungewollte Persiflagen verwandelt. Und damit die Teenie-Mädchen und pubertierenden Jünglinge, die vielleicht noch eine Chance auf zukünftig guten Musikgeschmack gehabt hätten, für immer vom Weg abgebracht.

Britney Spears – Satisfaction

‹ Zum 3. Teil

Teil 1  Teil 2  Teil 3  Teil 4  

Das könnte Sie auch interessieren