Nach einigen vergeblichen Versuchen gastiert das britische Jazz-Quartett أحمد [ahmed] bei Enjoy Jazz in Ludwigshafen – und wird seinem Ruf als Avantgarde-Powerband vollauf gerecht.

[ahmed] bestehen aus Pianist Pat Thomas, Schlagzeuger Antonin Gerbal, Bassist Joel Grip und Altsaxophonist Seymour Wright. Die Band hat sich viele Jahre der Neuinterpretation der Musik des US-Bassisten und Oud-Spielers Ahmed Abdul-Malik gewidmet. Mit ihrem in diesem Jahr veröffentlichten Album "Play Monk" richtet sie ihren Blick aber nun auf das Werk von Thelonious Monk.

Monk wird zerlegt und neu zusammengesetzt

Monks Musik steht auch im Mittelpunkt ihres Auftritts bei Enjoy Jazz. Rund eine Stunde lang zerlegen [ahmed] dessen Musik in kurze rhythmische und melodische Motive. Die Faszination entsteht aus der beharrlichen Wiederholung und dem dichten Zusammenspiel: Eine hart swingende Rhythmussektion trifft auf hämmernde Klavierfiguren und die kurzen, repetitiven Saxophonmotive von Seymour Wright. Soli und hervorgehobene Einzelauftritte gibt es nicht – die Intensität entwickelt sich aus dem gemeinsamen Spiel.

Monk-typische Motive tauchen auf und verschwinden wieder. Die Gruppe spielt sich in eine solche Intensität hinein, dass als nächste Eskalationsstufe eigentlich nur noch das Zertrümmern der Instrumente à la Pete Townshend bleibt. Doch die Musiker lenken die Musik wieder in etwas ruhigere Bahnen.

Wer darauf hofft, vollständige Melodien oder Stücke wiederzuerkennen, wartet vergeblich. [ahmed] wiederholen die einzelnen Bestandteile mit enormer Ausdauer minutenlang. Oft genügt dann eine kleine Veränderung, um dem Konzert eine neue Richtung zu geben.

Große Entschlossenheit

Im Vergleich zum 5-CD-Set "Giant Beauty", auf dem sich die Band mit Ahmed Abdul-Maliks Musik beschäftigt, wirkt das Monk-Programm an diesem Abend deutlich sperriger. Die Schönheit tritt hinter die Entschlossenheit zurück.

Interaktionen mit dem Publikum gibt es während des Auftritts keine. Schlagzeuger Gerbal schaut konstant nach links, als stünde dort ein Notenständer. Pianist Thomas blickt nach vorne, aber auch dort sind keine Noten zu sehen. Ganz in Schwarz gekleidet und mit finsterem Ernst wirkt Wright wie ein radikalisierter Priester im fünften Jahr der Französischen Revolution. Bassist Grip hat den Kontrabass so sehr im Griff, als wolle er darin versinken.

Erfreuliche Resonanz

Für einen gemeinsamen Abschied am vorderen Bühnenrand fehlt der Platz für Pat Thomas’ Rollstuhl. So verabschieden sich die Musiker nach kurzen gegenseitigen Umarmungen von der Seite aus beim heftig applaudierenden Publikum.

Erfreulich ist auch der Publikumszuspruch: Weil sich offenbar viele Besucher kurzfristig für das Konzert entschieden haben, müssen die Organisatoren zusätzliche Stuhlreihen aufstellen. Am Ende verfolgen rund 200 Zuhörer diesen kompromisslosen Konzertabend. Ob es in London viel mehr gewesen wären?