Anja Plaschg aka Soap & Skin hat viele Jahre lang nur sehr wenige Konzerte gespielt. Das änderte sich 2025 mit ihrer größten Tour seit langem, die sie auch zu Enjoy Jazz in den ausverkauften Karlstorbahnhof nach Heidelberg führt.
Wild und erhaben
Nach dem Auftritt der Schweizerin Palinstar, deren Musik trotz teilweise gewaltiger Lautstärke etwas blass bleibt, folgt ein langes, ja überlanges musikalisches Intro, bei dem die Bühne leer vorerst bleibt. Als Soap & Skin dann mit dem Doors-Klassiker "The End" loslegt, zeigt sie sogleich die ganze Bandbreite, die dieser Konzertabend bieten wird.
Die Musik bewegt sich zwischen wilden Ausbrüchen, die auch durch eine teilweise aggressive Lichtshow unterlegt werden, und erhabenen Momenten voller Ruhe und Schönheit. Es ist wirklich nicht leicht "The End" eine eigene Note zu verleihen, aber Soap & Skin gelingt es durch volle Hingabe an Jim Morrisons beängstigende ödipale Phantasie.
Düster und symphonisch
Selbst dann, wenn Songs eher unauffällig sind: Soap & Skin ist es nicht. Mit Klavier und Stimme erzeugt sie eine solch symphonische Atmosphäre, dass die sie begleitende Band manchmal fast unterzugehen droht. Aber keine Sorge, das wird sich später ändern.
Der Höhepunkt des ersten Viertel des Konzerts ist ein einfühlsames Cover von Sufjan Stevens "Mystery of Love". Mit der Performance ihrer eigenen Songs erhält das Konzert dann aber eine neue Tiefe und Intensität. "Safe With Me" mit seinem hintergründigen Text leitet eine Reihe von Höhepunkten ein.
Herausragend ist "Vater", der einzige Song auf Deutsch, den Soap & Skin nach dem Tod ihres Vaters geschrieben hat. Er besitzt eine düstere und abgründige Komplexität, der musikalisch mit großer Leidenschaft und Intensität inzensiert wird – und in dessen Verlauf Plaschg einmal von Emotionen übermannt wird. Gemeinsam mit dem symphonischen "Heal" bilden diese Song sozusagen das Herzstück des Konzerts, bevor sie mit dem charmanten "Italy" eine ironische Brechung erfahren.
Überraschende Wendung
Das Konzert nimmt in der Folge eine überraschende Wendung, als sich Soap & Skin zum sparsam instrumentierten Cover von Tom Waits' "Johnsburg, Illinois" – einer Liebesbekundung an seine Frau Kathleen Brennan – vom Klavier erhebt und im Stehen singt.
Wenn Soap & Skin nicht dem Publikum den halben Rücken zuwendet, sondern direkt frontal auf der Bühne steht, steigert sie ihre Bühnenpräsenz enorm. Ihre expressiven Tanzbewegungen setzen einen weiteren Akzent, der die Musik noch intensiver wirken lässt.
Wie aus einem Guss
Mit dem sehnsuchtsvollen "God & Monsters" von Lana Del Rey zeigt sie erneut eine sanfte Seite, bevor sie David Bowies ebenso rätselhaftes wie wildes "Girl Loves Me" (von seinem todesumrankten Meisterwerk "Blackstar) kongenial interpretiert.
Es geht sogleich wild weiter mit Robert Johnsons "Me and the Devil Blues" in einer starken, elektronischen Version. Alles verbindet sich zu einem stimmigen Ganzen, die gesamte Performance wirkt wie aus einem Guss, so dass sich die Zuschauer zum Ende des regulären Sets begeistert erheben.
Dazu trägt auch ihre geniale Band, die in der ersten Hälfte buchstäblich etwas in Soap & Skins Schatten stand. Ohne das immer präsente Klavier kommen Bläser, Streicher und die behutsame Perkussion deutlicher zur Geltung und verdeutlichen, dass hier ausgezeichnete Musiker am Start sind.
Unvergesslicher Abend
Es folgen zwei Zugabenblöcke, die sich wieder der sehnsuchtsvollen Seiten zuwenden. Der Velvet Underground-Klassiker "Pale Blue Eyes" erklingt in einer behutsamen, intensiven Version. Das Highlight der Zugaben ist aber "Stars" der US-amerikanischen Songwriterin Janis Ian.
Zum Abschluss vereinen sich alle Musiker und Soap & Skin gemeinsam auf der Bühne, um die stehenden Ovationen der Zuschauer entgegenzunehmen. Es war ein ungeheuer eindrucksvolles Konzert, das vielen noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Setlist
The End (The Doors cover) / Meltdown (Clint Mansell cover) / Maybe Not (Cat Power cover) / This Day / Mystery of Love (Sufjan Stevens cover) / God Yu Tekem Laef Blong Mi (Hans Zimmer cover) / The Sun / Born to Lose (Ted Daffan’s Texans cover) / Safe With Me / Vater / Heal / Italy / Johnsburg, Illinois (Tom Waits cover) / Gods & Monsters (Lana Del Rey cover) / Girl Loves Me (David Bowie cover) / Me and the Devil Blues (Robert Johnson cover) / Mawal Jamar (Omar Souleyman cover) / Sugarbread // Pale Blue Eyes (The Velvet Underground cover) / Stars (Janis Ian cover) / Boat Turns Toward the Port










