Inzwischen ist es Tradition: Jedes Jahr kooperieren Enjoy Jazz und die Schloss-Schule Ilvesheim für ein ungewöhnliches Konzerterlebnis: Ein Konzert in völliger Dunkelheit. In diesem Jahr steht dabei das Trio FlamenKora auf der Bühne und zieht das Publikum ganz ohne visuelle Impulse in seinen Bann.

Die Schloss-Schule Ilvesheim ist eine Schule für Blinde und Sehbehinderte und zählt zu den ältesten Einrichtungen ihrer Art in Deutschland. Regelmäßig lädt sie zu verschiedenen Veranstaltungen in ihren Schwarzen Salon ein. Durch völlige Dunkelheit sollen hier Einblicke in und Begegnungen mit anderen Lebenswelten geboten werden.

Ein Erlebnis ohne visuelle Ablenkung

Neben der Veranstaltungsreihe "Kultur im Dunkeln" organisiert die Schloss-Schule Ilvesheim seit 12 Jahren auch ein jährliches "Konzert im Dunkeln" für das Enjoy Jazz Festival. Dann heißt es: "Kein Blickkontakt, keine Noten, keine ablenkenden Tricks: Hier geht es ausschließlich um die Wahrnehmung von Musik und Geräuschen". 

Bei Ankunft können sich die Besucher*innen entscheiden, ob sie sich bereits mit aufgesetzter Augenmaske von den Schülern und Schülerinnen der Schluss-Schule Ilvesheim zu ihren Plätzen führen lassen wollen. Durch ein Klopfen wird auf die richtige Sitzreihe aufmerksam gemacht, dann heißt es sich an den Stuhllehnen entlangtasten, bis der vorgesehene Platz erreicht ist. 

Dass heute Full-House ist, verrät bereits die Klangkulisse. Wenig später wird dies jedoch auch durch Gunther Bratzel bestätigt, der den Abend mit ins Leben gerufen hat und mit ein paar einleitenden Worten ausstattet. 

Eine musikalische Weltreise

Dann geht es los: FlamenKora betreten die Bühne, es wird dunkel. Das Trio setzt sich aus Roberto Monteiro, einem Flamenco-Gitarrist aus Madrid, Ali Boulo Santo Cissoko, einem in Paris lebenden Kora-Meister aus dem Senegal und Volker Goetze, einem in Deutschland geborenen Jazz-Trompeter aus New York, zusammen. 

Die drei Kontinente vereinende, multikulturelle Besetzung von FlamenKora findet ihren Ausdruck in einer Musik, die sich aus den unterschiedlichen Einflüssen der einzelnen Mitglieder zusammensetzt – hier verbinden sich Elemente aus Flamenco, Jazz und der Senegalesischen Griot-Musik miteinander. 

Herausforderungen in völliger Dunkelheit

Es ist nicht das erste Mal, dass Volker Goetze auf der Bühne im Dunklen Saal musiziert, dennoch stellt die Performance in völliger Dunkelheit auch für den erprobten Musiker eine ungewohnte Situation dar.

Das Trio trifft auf neue Herausforderungen: Das Stimmen der Instrumente etwa. Auf visuelle Hilfsmittel wird an diesem Abend verzichtet, leuchtende Displays bleiben hinter der Bühne verstaut. Dadurch ist ein bisschen mehr Geduld gefragt – insbesondere was die Kora angeht, schließlich verfügt das Instrument über ganze 21 Saiten. Das erfährt das Publikum von Volker Goetze. Da das Instrument nicht visuell begutachtet werden kann, beschreibt dieser den Gästen das in Deutschland eher unbekannte Instrument kurzerhand.

"Wir haben heute kein Programm", gibt er zu als es weiter geht, "ich weiß nicht, was als Nächstes kommt. Aber ihr habt ein Programm: Ihr hört uns zu."

Darüber, dass die Musiker nicht sehen können, wie eben dieses Programm an diesem Abend bei den Gästen ankommt, müssen sich FlamenKora keine Sorgen machen. Zwischen den Stücken entbrandet enthusiastischer Applaus, es wirkt als wollte das Publikum der Gruppe vergewissern: "Wir sind hier!". Auch als Goetze die Besucher und Besucherinnen auffordert in Cissokos Gesang miteinzustimmen, lassen es sich diese nicht zweimal sagen und scheinen gar nicht mehr aufhören zu wollen mit singen und summen. 

Verbundener Ausklang

Das Konzert endet mit frenetischem Applaus, vielleicht sogar mit einer Standing Ovation? - Man weiß es nicht, denn das Licht geht erst wieder an als das Publikum wieder zur Ruhe gefunden hat.

FlamenKora kehren noch einmal zurück auf die Bühne und spielen weitere drei Stücke bei Beleuchtung. Den Abschluss macht dabei eine Adaption von Stings "Fragile", bei der das Publikum ganz von selbst mit einsteigt. Ein gelungener gemeinsamer Ausklang eines einmaligen Konzerterlebnisses.