Wenn Annie & The Caldwells auftreten, hängt der Haussegen bestens. Auch bei ihrem Auftritt im Rahmen von Enjoy Jazz 2025 in der Alten Feuerwache zeigt sich: Hier treffen Gospel, Soul und Funk auf vier Jahrzehnte musikalische Leidenschaft und ein Publikum, das mittendrin statt nur dabei ist.

1975 nimmt Annie Caldwell als Mitglied der US-amerikanischen Soul- und Gospelband The Staples Jr. Singers mit "When Do We Get Paid" ein Album auf, das zwar die erste, einzige und damit auch letzte Veröffentlichung dieser Gruppe sein soll, ihre eigene musikalische Karriere dafür aber erst so richtig ins Rollen bringt.

Auch wenn sich Caldwell nach Auflösung ihrer ersten Band erst einmal anderen Dingen widmet – etwa der Eröffnung eines Bekleidungsgeschäfts und der Gründung einer Familie – wird es nie wirklich still um sie. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, ihren Kindern und einer Mischung aus Gospel und Soul tritt sie fortan regelmäßig unter Annie & The Caldwells in verschiedenen Kirchen auf. 

Unverhoffter Durchbruch

Etwa vierzig Jahre nach Erscheinen von "When Do We Get Paid", zahlt sich die Veröffentlichung des Albums schließlich tatsächlich auf unerwartete Art und Weise aus. David Byrne von den Talking Heads stolpert über das Erstlingswerk und lässt es über sein Label Luaka Bob wiederveröffentlichen.

Weitere zehn Jahre später folgt 2025 mit "Can't Lose My (Soul)" schließlich auch das Debüt-Album der Familienformation um Annie Caldwell, das der Gruppe nicht nur einen Platz auf der durch den Guardian geführten Liste der "Best Albums of 2025", sondern auch ein volles Haus in der Alten Feuerwache in Mannheim beschert.

Gefragtes Publikum

Auf eine Bestuhlung wird an diesem Abend, anders als bei einem Großteil der anderen Konzerte im Rahmen des Enjoy Jazz Festivals, verzichtet. Es zeigt sich schnell warum.

Die dieses Mal siebenköpfig ausfallende Gruppe präsentiert sich nicht nur äußerst sympathisch, sondern aufgrund der langjährigen Erfahrung auch als auffällig eingespieltes Team, dem es schnell gelingt, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Das wiederum hört nicht nur aufmerksam zu, sondern wird auch immer wieder zum Mitmachen animiert. 

Die Interaktion zwischen den Caldwells und den Besucher*innen der Alten Feuerwache geht dabei weit über die gelegentliche Aufforderung zum Klatschen und Hände schwenken hinaus. Während das Publikum immer wieder selbst mit einstimmen soll, wird später ein Mikrofon vor der Bühne herumgereicht, wodurch ein paar freiwillige Auserwählte sogar die Möglichkeit zu einem ganz persönlichen Soloauftritt erhalten. 

Während das Publikum anfangs noch etwas zögerlich reagiert, etwa wenn Mitglied Deborah Moore ganz nach Gospel-Manier ins Publikum fragt, wer in der Menge an Jesus glaube, lässt sich dort später sogar die ein oder andere Freestyle-Einlage finden. 

An dieser Stelle zückt Moore dann auch selbst mal kurz ihr Handy, um den Moment festzuhalten. Auch sonst zeigen sich die Caldwells zufrieden mit ihrem Publikum, schicken Herzchen in die Menge und freuen sich laut: "I love this crowd".

Großer Zuspruch

Aber auch das Publikum zeigt sich sichtlich begeistert von den Caldwells und ihrer Mischung aus Gospel, Soul und Funk. Als die Band vorgestellt wird, erntet jedes Mitglied seinen wohlverdienten Applaus. Die in der Mitte sitzende Annie wird dann aber doch besonders umjubelt und somit unmissverständlich zum Star des Abends gekürt.  

Nachdem Annie & The Caldwells – bis auf Vater Willie Joe Caldwell Sr., der sich wohlwissend seine Zeit lässt – die Bühne verlassen, stimmt das Publikum in einen auffordernden Beifall ein, der auch die restlichen Bandmitglieder für eine Zugabe wieder zurück auf die Bühne lockt. 

Nach Zugabe Nr. 1, folgt schließlich sogar noch eine Zugabe Nr. 2 – dann verabschieden sich die Caldwells endgültig von ihrem Publikum. Zuhause wartet schließlich mit dem Bekleidungsgeschäft der Caldwells ein weiteres Familienprojekt, das nicht aus den Augen verloren werden soll.