Weniger blutrünstig, als ihr Name vermuten lässt, aber doch ganz schön eindrücklich – mit Bohren & der Club of Gore kehrt die wohl bekannteste "Detective Jazz"-Band überhaupt zurück nach Mannheim.
Es ist nicht das erste Mal, dass das Trio rund um Christoph Clöser, Morten Gass und Robin Rodenberg, der Alten Feuerwache einen Besuch abstattet. Kein Wunder, liefert der Veranstaltungsort mit seinen Säulen und hohen Decken doch die perfekte Kulisse für die düstern wabernden Klänge der Gruppe.
Lassen sich ihre musikalischen Wurzeln im Metal und Hardcore verorten, bewegt sich der Sound der Gruppe heute zwischen Jazz, Doom Metal und Ambient; fühlt sich dabei beizeiten an, wie Waldbaden für die Ohren, dann wiederum sorgen ein dröhnender Bass, ein schneidendes Tenorsaxophon oder scheppernde Drums für angespanntere Klänge.
Bedrohliche Gemächlichkeit
Dass Bohren & der Club of Gore im Laufe ihrer nun fast 4 Jahrzehnte umfassenden Musikkarriere einige treue Fans für sich gewinnen konnten, steht trotz Genrewechsel außer Frage. Der Saal der Alten Feuerwache ist dicht bestuhlt, der Andrang bereits kurz nach Einlass groß. Kaum werden die Lichter gedämmt, herrscht jedoch andächtige Stille.
Ein bisschen gedulden, muss sich das Publikum jedoch noch. Bohren & der Club of Gore lassen sich Zeit damit, die Bühne zu betreten und setzen damit bereits den Ton des bevorstehenden Konzerts, bevor dieses überhaupt richtig angefangen hat.
Das Trio nämlich schätzt die Langsamkeit, zelebriert diese geradezu. Das zeigt sich nicht nur in den langsam getakteten Instrumentalstücken, die stets durch einen, an ein zögerliches Uhrwerk erinnerten Rhythmus perkussiert werden, sondern auch in der Moderation durch Christoph Clöser.
Zwischen den einzelnen Songs erweist sich dieser als überraschend gesprächig. Gemächlich tritt er ans Mikrofon, leitet das Publikum mit reichlich und bewusst gesetzten Umschweifen durch den Abend und entlockt diesem dabei einige Lacher.
So begrüßt er das Mannheimer Publikum scherzhaft überschwänglich als Ludwigshafen, unterbricht und wiederholt sich, vergisst scheinbar, was er sagen wollte, ergänzt einige "Öhhs", Seufzer und Räusperer und erzählt ein paar durcheinandergeratene Anekdoten.
Publikumsnah
Trotz der teils recht finster klingenden Stücke der Gruppe, gewinnen Bohren & der Club of Gore dadurch schnell an Sympathie. Was zunächst im Kontrast stehend zu ihrem in der Alten Feuerwache ausgerollten, meditativ anmutenden Klangteppich erscheint, sorgt stattdessen für einen angenehm wenig prätentiösen Auftritt und ein sichtlich zufriedenes Publikum.
Gleich mehrfach erfreut sich Clöser über den an den Abend gelegten Enthusiasmus, betont wirklich sehr häufig wie wohl sich die Gruppe fühle und versöhnt sich daraufhin mit seinen Gästen, die nun auch tatsächlich als Mannheimer Publikum anerkannt werden.
Das sei der Gruppe natürlich von Anfang an bewusst gewesen und lediglich eine kleine Stachelei, in Reaktion auf ihre Ankündigung als Band aus Münster, betont Clöser und begibt sich danach in ein doch recht ausführliches Publikumsgespräch über die Beziehung zwischen Mannheim und Ludwigshafen. "Alles Kurpfalz", ertönt es beschwichtigend aus dem Publikum.
Ganz besonderes Highlight
Musikalisch unternehmen Bohren & der Club of Gore eine Reise quer durch ihre Diskographie von einem "Erfolgsalbum" zum nächsten. Ein besonderes Highlight stellt dabei wohl der Song "Kleiner Finger" des 2005 erschienenen Albums "Geisterfaust" dar (das neben dem kleinen Finger auch Zeige-, Mittel-, Ringfinger und Daumen ein Stück gewidmet hat).
Wie die Gruppe berichtet, ist es erst das dritte Mal, dass Bohren & der Club of Gore diesen Song live performen. Nach Hamburg und Stockholm, darf nun sich nun auch das Mannheimer Publikum dieser Erfahrung erfreuen.
Als dritter und letzter Song, der zuvor wenig schnörkelhaft bereits angekündigten Zugabe, bildet "Kleiner Finger" einen gebührenden Abschluss, des Abends, bevor Clöser das Publikum schließlich mit den Worten "Bleibt uns gewogen und ansonsten bleibt fröhlich!" verabschiedet.


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