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Metallica (live in Mannheim, 2019) © Peter H. Bauer

Das ausverkaufte Mega-Konzert von Metallica auf dem Mannheimer Maimarktgelände entpuppt sich als riesige Metal-Feier. Dafür sorgen die bestens aufgelegten Metal-Legenden, die mit viel Leidenschaft zur Sache gehen und dafür von den Fans ausgiebig gefeiert werden.

Ob Metallica Mannheim zur letzten Station ihrer Eurotournee auserkoren haben, weil das Städtekürzel so gut passt? Oder weil sie die Stadt nach dem letzten Auftritt in der SAP-Arena so vermisst haben? Man weiß es nicht.

Jedenfalls dominieren am Sonntag auf dem Maimarktgelände ganz klar das M und das A. Die wohl ikonischsten Buchstaben der Metal-Geschichte – mit den charakteristischen Fischhaken, versteht sich – prangen links und rechts der riesigen Bühne.

Keine Lust, aufzuhören

Auf den rund 100 Metern dazwischen werden rund 60.000 Zuschauer auf dem ausverkauften Maimarktgelände für die Dauer von rund zweieinhalb Stunden Zeuge davon, dass die Metal-Urgesteine im Jahr 38 ihrer Karriere durchaus noch keinen Bock aufs Aufhören haben.

Wir ergänzen mal kurz die fehlenden Buchstaben: E, wie energiegeladen, T wie top-motiviert, A wie ambitioniert, L wie laut, nochmal L wie locker, I wie immer noch ziemlich fit, und C wie charismatisch (was vor allem für Frontsau James Hetfield gilt).

Und auf den Mannheimer Sommer ist auch Verlass, denn wenn etwas der Show den Garaus gemacht hätte, wäre es wohl Regenwetter gewesen. Dafür ist nämlich im Konzept der sonnenverwöhnten Bay-Area-Jungs kein Platz vorgesehen, die Bühne ist nicht überdacht.

Bierlaune

Stattdessen strahlender Sonnenschein und ein Hitzebrett bis in den Abend hinein, was sowohl einige Hitzeopfer zur Folge hat, als auch den (Bier-)Durst der Gäste wohl noch anheizt. Außerdem sorgt das Wetter bei Opener Bokassa für gute Laune.

Das Trio aus Norwegen ballert sich mit jeder Menge Charme und Spielfreude durch ein rotzig-punkiges Stonerrock-Set und zaubert bei denjenigen, die schon so früh auf dem Gelände waren, ein Grinsen ins Gesicht. Das dürfte nicht nur Lars Ulrich begeistert haben, der die Band in seiner Radio-Show als "seine neue Lieblingsband" bezeichnet hatte.

Mummenschanz

Danach gehört die Bühne erst einmal Cardinal Copia, der inzwischen vierten Manifestation von Tobias Forge in seiner Paraderolle als Ghost-Frontmann, und seiner beeindruckenden Horde namenloser Ghoule und Ghouletten. Insgesamt sieben an der Zahl (plus ein untoter, saxofonspielender Papst) machen das Okkult-Rock-Spektakel zu einer kleinen, aber durchaus spektakulären Revuenummer mit hohem Unterhaltungswert.

Immer im Zentrum steht Seine Eminenz, die im scharlachroten Frack über die Bühne wirbelt, dezent mit dem Publikum flirtet und die schwarze Messe mit jeder Menge Augenzwinkern zelebriert.

Okkult-Rock-Revue

Auch musikalisch ist das, was die Schweden im Gepäck haben, durchaus stadionbühnentauglich. Songs wie der Opener "Rats", das doomige "Cirice", das okkult-verspulte "Year Zero" oder das beinahe unverschämt poppige "Miasma", bei dem eben oben erwähnter Zombie-Papst Forge kurz die Show stiehlt, gehen gleichermaßen in Ohr und Bein.

Nach rund einer Stunde ist der spaßige Mummenschanz vorbei, die Kirche wieder im Tourgepäck verstaut und die Menge bereit für die Herren Hetfield, Hammett, Ulrich und Trujillo.

Pedal to the Metal

Die geben gleich Vollgas: Nachdem Clint Eastwood im obligatorischen Morricone-Intro noch reichlich pixelig über die LED-Leinwand huscht, dominiert Full HD – sowohl was die Optik, als auch größtenteils den Sound betrifft.

Der ist, was das Schlagzeug angeht, zwar stellenweise etwas ausbaufähig, dafür drücken Gitarren und Bass umso mächtiger. "After 38 Years of Metallica we are still here to kick some ass", röhrt Hetfield irgendwann im Laufe des Abends ins Mikrofon – Recht hat der Mann.

90er-Party

Da die Zeiten der Jägermeister-befeuerten Temporekorde bei den Herren auf der Bühne inzwischen weit zurückliegen, nehmen an diesem Abend neben einigen Songs des aktuellen Albums vor allem die Midtempo-Stücke aus den 90ern die Setlist in Beschlag.

Bei "The Memory Remains" darf Marianne Faithfull zwar nicht singen (das macht das Publikum auch ganz gut) aber zumindest von der Leinwand grüßen, "Sad but True" stampft im Monster-Viervierteltakt über das Gelände, und "The Unforgiven" ist kleinen Unstimmigkeiten im Gitarrensound zum Trotz immer noch ein Highlight im Oeuvre.

Garage mit Aussicht

Nichtsdestotrotz donnern auch ein paar Perlen aus den guten alten Thrash-Tagen durch die Boxen – angeführt von den "Four Horsemen" vom 81er-Debüt "Kill em All". Und im letzten Drittel des regulären Sets brechen dann sowieso alle Dämme.

Lars Ulrich zieht kurzerhand mit seiner Zweitschießbude an die Front und die Band prügelt dem Publikum in den ersten Reihen mit "For Whom The Bell Tolls", "The Creeping Death" und "Seek And Destroy" gleich drei Klassiker in die Ohren. Garage Days Re-visited sozusagen – und man selbst ist hautnah dabei.

Viele Highs, wenig Lows

Höhepunkte gibt es einige – darunter das trotz anfänglicher Soundprobleme hypnotische (und eher selten live zu hörende) "The Outlaw Torn", die Antikriegs-Hymne "One", nach deren gespenstischem Maschinengewehr-Intro ein endloses Heer geisterhafter Soldaten über die Leinwand zieht und eben "The Creeping Death", bei dem auch das Publikum mitgröhlen darf.

Totalausfälle? Fehlanzeige, als einzigen kleinen Tiefpunkt im Set könnte man "St. Anger" nennen, dessen Rumpelkammer-Sound die Anlage nicht ganz gewachsen zu sein scheint und bei dem Ulrich dann doch an seine Grenzen kommt.

Glaubwürdig

Ansonsten dominieren die kleinen Gesten und Details: sei es James Hetfield, der sich sehr glaubwürdig bei der ganzen Metallica-Family – von Crew bis Fans – bedankt oder Rob Trujillo, der seinem Vorgänger Cliff Burton mit dem Bass-Solo aus "Orion" ein kleines Denkmal setzt. Oder das Plektrum, das Hetfield am Ende der Zugabe in die Kamera hält: Mannheim 25.08.2019.

Obwohl einige Riffs oder Beats inzwischen handgelenkschonender dargeboten werden, den Spaß sieht man allen an. Wenn mal ein Ton nicht ganz so sitzt wie er soll, wie ausgerechnet beim ikonischen Intro von "Nothing Else Matters" – egal! Gefeiert wird trotzdem.

Schwermetall-Könige

Ach, und wer sich fragt, welchen Song sich Rob und Kirk für ihre kleine Klamauk-Nummer zwischendurch vorgeknöpft hatten: Dieses Mal muss "König von Deutschland" daran glauben. Rio Reiser würde wohl im Grab rotieren, aber Herrn Trujillo zu sehen, wie er sich mit vollem Körpereinsatz an der deutschen Sprache abmüht, hätte seine Majestät vielleicht auch wieder milde gestimmt.

Wie Könige fühlen sich wohl alle vier am Ende der Show. Nachdem die Meute mit dem obligatorischen "Enter Sandman" ins Bett geschickt und der Rest von Mannheim mit einem standesgemäßen Feuerwerk wieder geweckt wurde, folgen zig Applausrunden und eine nicht enden wollende Guitar-Pick-Schlacht.

Das Mannheimer Publikum fühlt sich nicht nur deshalb fürstlich beschenkt. "We hope to see you very soon", brüllt ein sichtlich euphorisierter Ulrich am Ende ins Mikro. We hope so, too, Lars!

Setlist

Hardwired to Self Destruct / The Memory Remains / The Four Horsemen / The God That failed / The Unforgiven / Confusion / Moth Into Flame / Sad But True / The Outlaw Torn / König von Deutschland / St. Anger / One / Master of Puppets / For Whom The Bell Tolls / Creeping Death / Seek and Destroy // Spit Out The Bone / Nothing Else Matters / Enter Sandman

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