Eric Clapton (live in Mannheim 2019)

Eric Clapton (live in Mannheim 2019) © Rudi Brand

Eric Clapton erweckt manchmal den Eindruck, dass er keine wirkliche Lust mehr auf Konzerte hat. Beim Auftritt in der Mannheimer SAP Arena zeigt der Gitarrist aber, dass es auch ganz andere Abende gibt, an denen er seine Fans zu überraschen vermag.

Das deutsche Publikum kann sich über mangelnde Präsenz von Eric Clapton nicht beklagen. Nach seinen beiden Konzerten in Hamburg und Köln im vergangenen Jahr, tritt er 2019 insgesamt dreimal in Deutschland auf, darunter erstmals seit 2014 auch wieder in Mannheim.

Seine Ankündigung vor ein paar Jahren, aus gesundheitlichen Gründen etwas kürzer zu treten, hat sich hierzulande noch nicht allzu bemerkbar gemacht.

Erfolgsgeschichte

Es ist Veranstaltung Nr. 1.500 in der SAP Arena, was die Betreiber nicht ohne Stolz im Vorfeld des Konzerts kommunizieren. Und sie haben Grund dazu stolz zu sein, denn die Mannheimer Arena ist eine echte Erfolgsgeschichte und eine große Bereicherung für die Region, sowohl in sportlicher als auch kultureller Hinsicht.

Das Vorprogramm an diesem Abend ist ebenfalls eine glückliche Wahl: Marc Amacher aus der Schweiz, dem TV-Publikum bekannt aus der Sendung "The Voice Of Germany", spielt mit seiner vierköpfigen Band authentischen Bluesrock, den er leidenschaftlich darbietet und der gut auf den Hauptact einstimmt.

Hoffnung auf Abwechslung

Clapton tourt seit 4 Jahren mit der nahezu identischen Band und auch mit einem Programm, das sich nur in Nuancen unterscheidet – selbst die Rolling Stones sind mittlerweile unberechenbarer. Aber das sagt nichts über die Qualität der Konzerte aus. Letztes Jahr gab es in Köln ein typisches Tourauftakt- Konzert, bei dem noch nicht alles hundertprozentig rund lief – der folgende Abend war übereinstimmenden Berichten zufolge bereits viel souveräner.

Ende Mai gastierte er mal wieder in seinem Wohnzimmer, der Royal Albert Hall, und spielte dort seit gefühlten Jahrzehnten erstmals “Layla” wieder im ursprünglichen elektrischen Arrangement. Auch einige andere, länger nicht mehr gehörte Songs gab er in London zum Besten. Insofern gab es unter den Fans durchaus Anlass zur Hoffnung, dass es auf der 2019er Europatour etwas Abwechslung im Vergleich zu den Gigs der letzten Jahre geben könnte.

Großartige Band

Das Konzert beginnt mit "Pretending", dem ersten von insgesamt zwei Songs aus dem 1989er Album “Journeyman”. Insofern bietet der Opener schon mal ein wenig Abwechslung. Danach geht jedenfalls erstmal das Set seinen gewohnten Gang.

Auffällig ist jedoch, dass das Mannheimer Publikum beim zweiten Song, “Key To The Highway” bereits Szenenapplaus für die Soli spendet, die auch in der Tat von höchster Qualität sind. Das liegt natürlich an den großartigen Sidemen, die Clapton in seiner Band hat: Doyle Bramhall an der zweiten Gitarre, Chris Stainton am Piano, Paul Carrack an der Hammond und beim Intro zu "I Shot The Sheriff" auch Bassist Nathan East liefern musikalische Momente, die keine Wünsche offen lassen.

"Layla" Unplugged

Claptons Gesang ist ebenfalls noch kraftvoll und präsent. Und sein Gitarrenspiel, insbesondere das Solo bei "I Shot The Sheriff" sorgt für einen ersten Höhepunkt des Abends. Danach folgt der unvermeidliche Unplugged-Block mit den immergleichen Songs "Driftin’ Blues", "Nobody Knows You When Youre Down And Out" und der Reggaeversion von "Tears In Heaven".

Das Mannheimer Publikum ist dennoch begeistert, beklatscht auch hier wieder die Soli und schwelgt ansonsten andächtig. Dann kommt leider doch der Moment der (vorläufigen) Erkenntnis, dass "Layla" anders als in London nicht elektrisch dargeboten wird.

Die spontane Begeisterung beim Intro zeigt aber, dass Clapton mit der Vermutung,  dass das deutsche Publikum das einfach so akustisch "will", vielleicht richtig liegt. Old Slowhand und seine Mitstreiter agieren jedenfalls absolut inspiriert – keinesfalls beschränken sie sich auf ein routiniertes Abspielen von hundertfach aufgeführten Nummern.

Klassiker und Raritäten

Mit "Running On Faith" endet diese Block auf ganz wunderbare Weise. Schön, dass Clapton dieser feinen Ballade den Vorzug gegenüber dem in den letzten Jahren wenig inspiriert vorgetragen "Wonderful Tonight" gibt. Doyle Bramhall spielt dazu ein fantastisches Slidesolo.

Danach geht es wieder elektrisch weiter und mit "Tearing Us Apart" gibt es einen weiteren Song, der auf den letzten Touren nicht zu hören war. Anschließend wird es gar noch obskurer: "Holy Mother" vom 1986er Album "August" erfährt eine überaus überzeugende Darbietung. Toll, wie an diesem Abend das so oft geschmähte Oeuvre aus den achtziger Jahren wunderbar glänzt.

Danach findet das Set sein gewohntes Ende: "Crossroads" bleibt die einzige Referenz an sein Wirken mit Cream. "Little Queen Of Spades" ist dann noch einmal ein grandioser Slowblues mit gefeierten Soli, insbesondere von Chris Stainton und Doyle Bramhall, die hier ihr ganzes Können ausspielen und angemessen gefeiert werden.

"Layla" elektrisch!

Und dann passiert es: Alle erwarten "Cocaine", das an dieser Stelle immer das reguläre Set beschließt, aber das Riff, dass Clapton spielt, ist das nicht minder bekannte Intro der elektrischen Version von "Layla".

Seine Mitmusiker blicken ebenfalls überrascht, aber sind sofort dabei. Jetzt hält es das Publikum im Innenraum nicht mehr auf den Sitzen! Die Fans springen auf, laufen vor zur Bühne und die Ordner lassen sie entspannt gewähren und verderben diesen wunderbaren Moment nicht.

Hat es das schon mal gegeben, dass Clapton den Song in beiden Versionen spielt?* Egal, die Besucher feiern den Moment, den sie so schnell nicht vergessen werden. Nach einem den eigentlichen Song fast noch übertreffenden Jam im Outro, gehen die Musiker von der Bühne und lassen ein begeistertes Publikum zurück.

Ein Ausrufezeichen!

Als Clapton und seine Mitstreiter zurück auf die Bühne kommen, fragen sich viele, ob jetzt "Cocaine" oder das sonst auf der Tour als Zugabe gespielte "Before You Accuse Me" kommen würde.

Es wird natürlich "Cocaine" – und das ist auch gut so. Die Fans feiern Eric Clapton und der freut sich gemeinsam mit seiner Band über den gelungenen Abend. Sollte er tatsächlich nochmal wieder kommen, kann man sich freuen. Und falls nicht, hat er heute Abend einen perfekten Schlusspunkt, nein, viel mehr ein Ausrufezeichen, gesetzt!

Setlist

Pretending / Key To The Highway / I'm Your Hoochie Coochie Man / I Shot The Sheriff / Driftin' Blues / Nobody Knows You When You're Down And Out / Tears In Heaven / Layla (akustisch) / Running On Faith / Tearing Us Apart / Holy Mother / Cross Road Blues / Little Queen Of Spades / Layla (elektrisch) // Cocaine

*Update, 9. Juni: Ja, letztmals auf der Japan-Tour des Jahres 2001!

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