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Eric Clapton (live in Köln 2018) © Torsten Reitz

Beim Auftakt einer aus vier Konzerten bestehenden Welttournee in der Kölner Lanxess Arena scheint Eric Clapton noch nicht zu 100 % wieder auf der Bühne angekommen zu sein. Das Publikum feiert ihn dennoch ausgiebig.

Eric Clapton macht sich so langsam rar. Immerhin zwei Konzerte gibt er in Deutschland, dann noch eines in London und eines in New York – und das war dann auch schon die ganze Tournee 2018.

Neben der Exklusivität der Events ist es noch ein anderer Aspekt, der für ein besonderes Summen in der Fangemeinde sorgt: Auf den bislang einzigen Gigs in diesem Jahr spielte er "The Core", die epische Nummer von Slowhand, die er seit 1978 nicht mehr live aufgeführt hat. Die Aussicht auf dieses feine Stück, im Original ein Duett mit Marcy Levy, ist schon etwas anderes als die Frage, ob "Tears In Heaven" wohl heute als Reggae oder als Ballade gespielt wird.

Gefeierter Einstieg bei vollem Haus

Die Lanxess-Arena ist ausverkauft und es sind überraschend viele U40er im Publikum, sicher einige Töchter und Söhne, die von Papa oder Mama eingeladen wurden, aber ansonsten ein guter Mix. Um kurz vor Neun geht das Licht aus und Clapton betritt in blauem Hemd und Opa-Jeans betont casual die Bühne, schnallt sich die Stratocaster um und beginnt mit "Somebody's Knocking" aus der Feder seines verstorbenen Buddys J.J. Cale, das auch auf seinem letzten Studioalbum "I Still Do" enthalten ist.

Es folgt ein treibendes "Key To The Highway". Der Sound ist von Anfang an sehr gut und die Kölner sparen nicht mit Jubel. Seine Band ist die gleiche, die er schon seit Jahren immer wieder um sich versammelt, lediglich am Schlagzeug gibt es mit Sonny Emory einen Neuzugang. Ansonsten sitzen Paul Carrack und Chris Stainton an den Tasten, Nathan East zupft den Bass und Doyle Bramwell unterstützt den Meister an der Gitarre.

Noch nicht ganz auf der Höhe

Song Nummer 4 beginnt als wahllos anmutendes Geriffe über einen Reggae-Groove. Dann passiert etwas, das man selten auf einem Clapton-Konzert erlebt: Die Band ist sich beim Übergang in das Eröffnungsriff von "I Shot The Sheriff" nicht ganz einig und sorgt für einen sehr rumpeligen Einstieg. Der Song gerät im Weiteren dann aber doch sehr gelungen und orientiert sich zunächst stärker an dem Marley-Original als an Claptons Version.

Am Ende macht sich Clapton die Nummer mit einem ausladenden Solo doch wieder zu eigen und lässt sie dann direkt in "White Room" übergehen. Auch hier gibt es einen kleinen Patzer: Beim Einstieg ins Solo ist sein Sound noch nicht ganz da – aber das sind einfach typische First-night-moments, die man in Hamburg so sicher nicht mehr erleben wird.

Wo bleibt die Magie?

Es schließt sich eine unplugged-Phase an, die mit "Driftin' Blues", "Nobody Knows You When You‘re Down And Out" und dem unvermeidlichen "Layla" auch für Begeisterung sorgt, obwohl es wirklich mal wieder an der Zeit wäre, letztgenannten Song im Originalarrangement zu spielen. "Tears In Heaven" (Reggae!) beschließt diesen Block.

Claptons Stimme ist immer noch sehr gut, wie er in dieser Phase unter Beweis stellen kann. Sein Spiel auf der Gitarre ist auch noch exzellent, nur muss man auch anmerken, dass an diesem Abend keine magischen Momente entstehen. Irgendwie scheint er noch nicht ganz auf Betriebstemperatur zu sein oder er ist durch seine gesundheitlichen Probleme beeinträchtigt. Vielleicht ärgern ihn auch die kleinen Pannen – man weiß es nicht.

Die Stimmung steigt

Die Derek And The Dominos-Nummer "Got To Get Better In A Little While" bringt wieder Leben in die Bude und sorgt für erste Standing Ovations. Das folgende "Wonderful Tonight" lässt insbesondere die Damen jubeln, das anschließende "Crossroads" ist wiederum eher etwas für die ein wenig in die Jahre gekommenen Jungs.

Auffallend ist, mit wie wenigen Gitarren Clapton und Bramwell auskommen. Während bei den Stones nach jedem Song die Gitarren gewechselt werden, bleibt Bramwell den Abend über, auch während des Akustiksets, an seiner semiakustischen ES-353-Style-Gitarre. Clapton wechselt lediglich zwischen der dunkelblauen Strat und seiner Westerngitarre.

Bei "Little Queen Of Spades" dürfen dann alle mal solieren, nur Nathan East nicht. Er hat dafür danach ein Introsolo, aus dem dann der "Cocaine"-Riff herausbricht. Nun ist auch Schluss mit der Sitzordnung im Innenraum: die Fans verlassen ihre teuren Sitze und tauschen Sie gegen noch wertvollere Stehplätze in Bühnennähe ein. Danach ist das neunzigminütige Hauptset jedoch schon beendet.

Enttäuschend kurzes Finale

Der Zugabenteil beginnt mit "High Time We Went", von Paul Carrack gesungen und mit besonderem Augenmerk auf Pianist Chris Stainton, der schon auf der Originalaufnahme von Joe Cocker gespielt hatte. Leider enden die Zugaben an dieser Stelle auch schon wieder, und es wird deutlich, dass Clapton trotz großer Publikumsbegeisterung keine Lust auf mehr hat.

Kein The Core, keine weiteren Cream-, Dominos- oder Solo-Hits. So entsteht ein etwas lustloser Nachgeschmack eines ansonsten guten, aber nicht herausragenden Konzertes. Das wirklich begeisterte Kölner Publikum hätte mehr verdient.

Setlist

Somebody's Knocking / Key To The Highway / (I'm Your) Hootchie Cootchie Man / I Shot The Sheriff / White Room / Driftin' Blues / Nobody Knows You When Youre Down And Out / Layla / Tears In Heaven / Got To Get Better In A Little While / Wonderful Tonight / Crossroads / Little Queen Of Spades / Cocaine // High Time We Went

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