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Michael Wollny Trio (live in Ludwigshafen 2018) © Rudi Brand

Mit einem zwischen purer Leidenschaft und tiefer Romantik wechselnden Auftritt stellt Pianist Michael Wollny die Klasse seines Klavier-Trios unter Beweis und untermauert seine Stellung als Deutschlands Top-Jazzmusiker.

Trotz seiner Popularität bei Publikum und Musikern ist das Klavier-Trio nicht unumstritten. Die schier unüberschaubare Masse an Ensembles sorgt für einen gewissen Rechtfertigungsdruck: Warum noch ein Klavier-Trio, wenn Bill Evans und Keith Jarrett diese Ausdrucksform zu ihrer höchsten Perfektion geführt haben? 

Gefordert wird von modernen Klavier-Trios eine gewisse Eigenständigkeit und eine Musik, die sich nicht darin erschöpft, ausgetretene Wege erneut zu beschreiten. Pianist Michael Wollny, Eric Schaefer an den Drums und Christian Weber am Bass zeigen bei ihrem Konzert im gut gefüllten, aber nicht ausverkauften BASF-Feierabendhaus in Ludwigshafen bei Enjoy Jazz 2018, dass sie wahre Meister dieses Formats sind.

Ein Kessel Buntes

Das beginnt schon mit einem langen, von Wollny scherzhaft als "Potpourri" bezeichneten Medley, das eine große Zahl von Kompositionen auf kreative und schlüssige Weise verbindet. Den Versuch, alle einzelnen Elemente aufzuzählen, gibt der Pianist auf. Stattdessen lässt er einfach die Musik sprechen.

Das ist eine nachvollziehbare Entscheidung, denn die Musik überzeugt durchweg, egal ob er eigene Stücke oder solche seiner Bandmitglieder, klassische Kompositionen wie "Nuits Blanches" von Debussy oder Pop-Songs wie "Big Louise" von Scott Walkers Album "Scott 3" spielt. 

Perfekt abgestimmt

Nach so vielen Jahren gemeinsamer Arbeit sind Wollny, Schaefer und Weber mehr als ein eingespieltes Team. Sie sprechen als Trio mit einer Stimme, ihr Klang als Ensemble ist fein akzentuiert und doch als Ganzes überaus harmonisch.

Obwohl alle Musiker ihre Gelegenheit zum Solieren erhalten, ist es doch kein Auftritt, der von virtuosen Soli lebt. Stattdessen ist es der Gesamtklang, der immer wieder für Begeisterung sorgt.

Aber gerade dann, als man gar nicht mehr damit rechnet sorgt Wollny mit einem langen, leidenschaftlichen Solo für einen der Höhepunkt des Abends. Genau das macht den Abend so faszinierend: Trotz der etablierten Form sind Überraschungen stets möglich.

Schlüssige Entwicklung

Die Musik ist einerseits wunderbar subtil, zart und romantisch und dann wieder zupackend leidenschaftlich. Diese Vielschichtigkeit der Ausdrucksformen macht den Reiz des Abends aus, besonders da sich ganz unterschiedliche Elemente – und Emotionen – schlüssig auseinander entwickeln.

Komplexe Musik so leicht und lebensfreudig wirken zu lassen, ist beileibe keine leichte Aufgabe, aber es gelingt dem Trio ganz und gar. Dazu kommt Wollnys sympathisch unprätentiöses Auftreten, sein fast jugendlicher Enthusiasmus bei gleichzeitig höchstmöglicher Konzentration.

Die Zuschauer jedenfalls sind begeistert und erheben sich nach dem Ende des regulären Konzerts für Standing Ovations. Michael Wollny und seine Mitstreiter haben bewiesen, dass man dem Klaviertrio auch im Jahr 2018 noch neue Seiten abgewinnen kann.

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