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Black Sabbath © Live Nation Germany

Black Sabbath verabschieden sich in der Kölner Lanxess Arena mit einem Set aus ihren glorreichen Anfangstagen. Ein Konzert, ohne große Überraschungen, dafür mit historischer Bedeutung.

2016 ging in die Musikgeschichte als ein Jahr ein, in dem überdurchschnittlich viele Musikgrößen verstarben. Ein regelrechtes Legendensterben schien eingesetzt zu haben. Häufigste Todesursache: Krebs. Umso mehr werden viele, die Karten für den gestrigen Abend in der Kölner Lanxess Arena besitzen, gebangt haben, ob sich auch wirklich alle Protagonisten ins neue Jahr retten können. Jeder weiß, Black Sabbath sind längst nicht mehr die Jüngsten, Ozzy Osbourne wirkt seit Jahren gebrechlich und Tony Iommi kämpft schon seit einiger Zeit gegen Lymphdrüsenkrebs.

Das letzte bisschen Restsorge fällt deshalb erst mit dem Vorhang, über den zum Auftakt ein kurzer, diabolischer Animationsfilm in der Ästhetik eines modernen 3D-Shooters flimmert. Ein brennender Black-Sabbath-Schriftzug und sekundenlanges Flammenknistern später, dann stehen sie da – drei der vier Gründerväter des Heavy-Metal, die zum Glockenläuten ihres Debüt-Openers "Black Sabbath" posieren.

Kein Wermutstropfen

Ozzy Osbourne hat den Begriff des Metal stets abgelehnt, ihre Farewell-Tour heißt trotzdem so: "The End – The Final Tour By The Greatest Metal Band Of All Time". Dass es der Band nicht gelang, sich mit Schlagzeuger Bill Ward zu versöhnen – und damit das klassische Sabbath-Line-Up auf die Bühne zu bringen, ist ein Wehrmutstropfen. Dieser verflüchtigt sich aber, sobald Ersatzmann Tommy Clufetos, der sowohl für die Aufnahmen bei "13" dabei war, als auch im Dienste von Ozzy Osbournes Solokarriere stand, zum ersten Mal in die Felle drischt.

Clufetos pflügt mit einem fünfminütigen Solo gegen Ende des Sets die Arena noch einmal um, und ermöglicht seinen doppelt so alten Kollegen damit eine Verschnaufpause vor dem Endspurt. Wesentlich unscheinbarer agiert Adam Wakeman an den Keyboards. Er ist sowohl optisch als auch akustisch kaum wahrzunehmen.

The Stage Is Yours

Die erste Reihe gehört folglich ganz den drei "Alten": Geezer Butler am Bass, dessen flinke Finger häufig über die große Leinwand im Rücken der Band zum Blickfang werden. Tony Iommi, als Elder Statesman der Linkshänder-Gitarre, der für seine technisch versierten Riffs und Soli schon lange keine Fingerkuppen mehr braucht. Und Ozzy Osbourne, der mit seiner markant blechernen Stimme auch als Animateur fungiert.

Einer Fledermaus beisst er zwar nicht den Kopf ab, dafür reißt er ständig die Arme hoch, und erkundigt sich mit Unkenrufen nach dem Wohlbefinden des Publikums, das insgesamt eher aufmerksam lauscht, als ekstatisch zu feiern.

Das Set beschränkt sich bis auf eine Ausnahme ("Dirty Women") auf die Jahre 1970 bis 1972. Vom selbstbetitelten Debütalbum, über den Meilenstein "Paranoid" bis zu "Master Of Reality" und "Vol. 4" greift sich die Band ihre wichtigsten Songs heraus. Die großen Klassiker wie "War Pigs" und "Iron Man" werden logischerweise am lautesten quittiert. Zur besten Nummer des Abends mausert sich aber "N.I.B" vom Debütalbum (dem heimlichen Fanfavoriten), gefolgt vom finalen "Children Of The Grave".

Geschichtsstunde

Anschließend geht kurz das Licht aus, während Osbourne jedoch noch beim Verlassen der Bühne das Publikum daran erinnert, nach einer Zugabe zu rufen. Jedem ist klar , was noch fehlt, und so folgt der größter Hit "Paranoid", zu dem sich auch die Empore aus ihren Sitzen erhebt.

Black Sabbath haben an alles gedacht: Die richtigen Songs, die richtigen Gesten  und auch an die richtige Vorband. Rival Sons aus Long Beach stehen mit ihrem Retrorock in direkter Tradition der britischen Proto-Metaller.

Ein würdiger Abschied

Und so ist das allerletzte Deutschlandkonzert von Black Sabbath vor allem eine eindrückliche Geschichtsstunde der harten Rockmusik – wenngleich ohne allzu große Überraschungen. Leider kann die Lanxess Arena in Sachen Sound nicht mit der musikalischen Darbietung Schritt halten.

Bis am 4. Februar in Black Sabbaths Heimatstadt Birmingham endgültig der letzte heiße Teller aus der Ursuppe des Heavy-Metal serviert wird, spricht davon aber keiner mehr. Schön, wenn einer Kult-Band solch ein Abschied beschieden ist.

Setlist

Black Sabbath / Fairies Wear Boots / Under the Sun / After Forever / Into the Void / Snowblind / War Pigs / Behind the Wall of Sleep / N.I.B. / Rat Salad / Iron Man / Dirty Women / Children of the Grave // Paranoid

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