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Finki Open Air 2015 © Finki Festival

Tief im Odenwald fand 2016 schon zum vierzigsten Mal das Finkenbach Festival statt. An zwei Abenden spielten Krautrock-Legenden wie Amon Düül II, Kraan oder Guru Guru neben "modernen" Bands wie My Sleeping Karma und Siena Root.

Ohne viel Pathos trat in einer Umbaupause des Finkenbach Festivals plötzlich Mani Neumeier ans Mikrofon, seines Zeichens Drummer, Sänger sowie Mitbegründer von Guru Guru und gleichzeitig auch Mitveranstalter des Festivals.

Er dankte dem Publikum für seine Anwesenheit - und erinnerte daran, dass das Festival, dass auch liebevoll "Finki" oder das "Woodstock im Odenwald" genannt wird, nun schon seit 40 Jahren existiert. 

Psychedelic Underground

Vierzig Jahre, das ist für jedes Festival eine respektable Laufzeit. Im Falle des "Finkis" wiegt der Respekt umso schwerer, als es sich hier eher um ein Nischenfestival, ein Festival für Althippies und Krautrockfans, Nonkomformisten und Psychedelic-Liebhaber handelt, denn um eines, das mit "großen" Bands aus dem Mainstream locken kann – oder will.

Ist man erst einmal auf diesem Festival zu Gast, offenbart sich recht schnell, wieso sich das "Finki" so gut halten kann. Einen großen Teil machte auch in diesem Jahr natürlich wieder das sehr reizvolle Line-up aus, das ein spannendes Miteinander von "altem" Krautrock und jungen Psychedelic- und Stoner-Bands bot. 

Paradieswärts Düül

So gab es gleich am ersten Abend des zweitägigen Festivals ein Highlight mit dem Auftritt der Krautrock-Legenden Amon Düül II. Eventuelle Zweifel, ob die Band es auch fast 50 Jahre nach ihrer Gründung noch zu überzeugen vermag, zerstreuten sie schon mit dem ersten Song.

Mit zwei Gitarristen, Bass, Synthesizern, Geige und drei Mitgliedern der Rhythmusfraktion, die sich die Aufgaben an zwei Schlagzeugen und diverser Percussion teilten, beschworen Amon Düül II bereits rein instrumental die entrückte Atmosphäre, die auch auf ihren Alben stets dominierte. Hinzu kamen die intensiven und abwechslungsreichen Gesangspassagen von Gründungsmitglied Renate Knaup, die den teils komplexen und sehr progressiven Songs noch zusätzlichen Drive verliehen.

Vor dem Hintergrund der nebligen, klammen Dunkelheit des Odenwaldes entfaltete die Band eine ungemeine Faszination, was einen der besten und interessantesten Auftritte des Festivals ergab.

We're floating in Space

Nichtsdestotrotz wies auch das weitere Programm an beiden Tagen kaum Schwächen auf. Zu den Highlights zählte sicherlich der Auftritt von Electric Orange, die den Festivalsamstag bereits um 3 Uhr Nachmittags bei strahlendem Sonnenschein eröffneten. Ihre ausladenden, ungemein atmosphärischen Klangexperimente wirkten um diese Uhrzeit nicht so gut, wie sie dies bei Nacht getan hätten, doch Publikum und Band schienen sich daran nicht wirklich zu stören.

Die Band lieferte einen motivierten und abwechslungsreichen Auftritt ab, der gleichermaßen von den langen, sich wiederholenden Sequenzen vor allem der Rhythmussektion, die an Loop oder Spaceman 3 erinnerten, wie auch von den spacigen Klangflächen von Synthesizer, Gitarre und sogar Trompete, getragen wurde.

Zuhause beim Elektrolurch

Auch Kraan bewiesen bei ihrem über weite Teile instrumentalen Auftritt musikalisches Talent wie auch immense Spielfreude. Mit ihrem jazzigen Rock lieferten sie einen entspannten, aber nie langweiligen Soundtrack, um im Sonnenschein auf der Wiese zu liegen oder sich im nahegelegenen Schwimmbad zu vergnügen.

Letztlich ließen Guru Guru es sich dann, wie in jedem Jahr, auch 2016 nicht nehmen, auf ihrem eigenen Festival aufzutreten. Gemessen an der Besucherzahl auf dem Festivalgelände während ihres Auftrittes war dieser auch sicherlich einer der am meisten herbeigesehnten. Überall tanzen ausgelassene Menschen zu Klassikern wie "Elektrolurch", der in einer mit Leuchtketten behangenen Kostümierung vorgetragenen wurde. Der Auftritt kommt bei den Besuchern sehr gut an, aber die Band wirkte stellenweise so routiniert, dass man sich hier und da ein wenig mehr Spontanität gewünscht hätte.

Eat, Sleep, Kraut, Repeat

Musikalisch blieben nach den zwei Festivaltagen im Großen und Ganzen jedoch keine Wünsche offen. Auch das ganze Drumherum, die Atmosphäre und die Organisation waren mehr als zufriedenstellend. Neben der Musik ist es wohl zu großen Teilen der Stimmung, die auf dem Finki herrscht, zu verdanken, dass die Besucher jedes Jahr aufs Neue wiederkommen.

Die dörfliche Harmonie, die sich beispielsweise darin offenbart, dass der lokale Fußballclub und die Dorfjugend bei der Organisation des "Finki" Hand anlegen, dass der Tante Emma-Laden des Dorfes neben Backwaren während des Festivals auch Campingartikel verkauft, und dass sämtliche Wiesen im Dorf zum kostenfreien Camping genutzt werden können – diese Harmonie ist tatsächlich schwer zu überbieten.

Man wünscht dem Festival, dass es weiterhin außerhalb der Verwertungskette existieren kann, die so viele Festivals zu lieblosen Kommerzveranstaltungen verkommen lässt. Es wäre eine Schande, wenn diese einmalige Mischung aus spannenden Line-ups und sorgloser, entspannter Atmosphäre verloren ginge.

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