Kakkmaddafakka (2015)

Kakkmaddafakka (2015) © Loft Concerts

Wo die Norweger KAKKMADDAFAKKA auftreten, bleibt kein Fuß still. Erwartungsgemäß verwandeln die Partylöwen aus Bergen die halle02 in einen einzigen Tanzmob. Eine eigene Hymne für Heidelberg haben sie natürlich auch im Gepäck.

Eine Band, die sich KAKKMADDAFAKKA nennt, weckt nicht nur bei den Fans, sondern auch bei sich selbst große Erwartungen. Schließlich muss man als Formation mit einem derart wohlklingenden Namen auch abliefern. Doch der Abend entpuppt sich als aboluter Selbstäufer: Die gesamte halle02 tanzt vom Anfang bis zum Ende des Konzerts.

Kontrastprogramm

Von dieser tänzerischen Euphorie ist bei der Vorband Wyoming vergleichsweise wenig zu spüren. Das liegt aber daran, dass das Trio aus Lorch in Hessen ernsten, mit elektronischen Elementen angehauchten Dreampop spielt, der an einigen Stellen rhythmisch sehr komplex gestaltet ist.

Die Band überzeugt dennoch auf ganzer Linie. Der Tanzstil des Sängers erinnert auf subtile Weise an das sensationelle Tänzeln von Samuel T. Herring, Frontmann der Future Islands. Sicherlich wird man noch öfter von Wyoming hören.

Sie sind die Größten

Um ihrem hohen Selbstanspruch gerecht zu werden, ertönt vor dem Erscheinen von KAKKMADDAFAKKA die Hymne der Champions-League. Das letzte pathetische "The Champions" ist kaum verklungen, da spurten die Musiker von KMF einer nach dem anderen auf die Bühne, um sich wie wahre Rockstars feiern zu lassen.

Die Stimmung im Publikum ist während des gesamten Konzerts famos, alle tanzen sich zu den LoFi-Indie-Popsongs die Seele aus dem Leib. Es fällt allerdings auf, dass die Songs des vor Kurzem erschienenen Albums "KMF" nicht genauso zünden wie die älteren Stücke. Dessen ist sich scheinbar auch Sänger Axel Vindenes bewusst: Mit einer guten Portion Selbstironie verkündet er dem Publikum, nach einigen neuen Songs immer wieder alte Klassiker wie "Restless", "Is She" oder "Gangsta" als "Belohnung" einzustreuen.

Ein bisschen Ernst muss sein

Ein Konzert von KMF lebt von der Interaktion der Band mit dem Publikum und von den Späßen, die die Musiker mit den Zuschauern treiben. Nach Absprache brüllt die volle Halle mehrmals "Ooh!", wenn der Sänger auf seinen nicht vorhandenen Bizeps zeigt, und "yeah!", wenn er seinen Zeigefinger in die Luft streckt.

In einer Ansprache wird Sänger Axel Vindenes allerdings kurz ernst: "Wenn ich mir die globalen Ereignisse ansehe, dann muss ich sagen: Die Welt braucht mehr KAKKMADDAFAKKA. Danke, dass wir nach zehn Jahren immer noch hier spielen dürfen. Danke, dass ihr unsere Musik hört und weiterempfehlt, obwohl uns die Experten und die Medien nicht mögen." Aber gerne doch.

Heidelberg in Heidelberg

Das Stück, auf das viele gewartet haben, ist das der Stadt gewidmete "Heidelberg". Alle bewegen sich zum instrumentalen Indie-Disco-Track. Dazu schwenkt ein Crew-Mitglied eine überdimensionale Flagge mit dem Schriftzug der Band. "Vermutlich seid ihr das beste Publikum auf der gesamten Tour", meint Vindenes später.

Gegen Ende des Konzerts reiht sich Höhepunkt an Höhepunkt. Nach einer gelungenen Cover-Version von Haddaways "What Is Love" und einer längeren Zugabe genießen die Norweger nochmals den nicht endenwollenden Applaus.

Selbstironische Rockstars

Jüngst gestand Sänger Axel in einem Interview, dass die Band 2015 nach einem Auftritt in Stuttgart ihr Hotelzimmer übel zugerichtet hätte. Man hieße schließlich nicht umsonst KAKKMADDAFAKKA.

Dennoch sind die sechs Musiker aus Bergen vielmehr eine friedliebende Indie-Reminiszenz alter Rock-Idole, die es verstehen, sensationelle Tanz-Partys zu veranstalten. Und das mit ganz viel Witz und Selbstironie.

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