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Rock meets Classic (live in Frankfurt 2016) © Rudi Brand

Die jährliche Tour Rock Meets Classic bietet 2016 eine tolle Besetzung, schafft es letztlich aber nicht ganz fehlerfrei ins Ziel. Die Rockmusiker sind alle top, aber am Gesamtkonzept muss noch gefeilt werden.

Das aktuelle Konzept von Rock Meets Classic wird so seit 2010 durchgezogen. Das Orchester ist wie immer das Bohemian Symphony Orchestra aus Prag.

Dazu kommen die Rockmusiker der Mat Sinner Band, deren gleichnamiger Bandleader nicht nur Bass spielt, sondern auch die gelegentliche Moderation des Abends übernimmt.

Die ersten Rocklegenden

Gegen 20.15 Uhr öffnet sich der Vorhang für eine rasante, dreistündige Show. Den Anfang der Rocklegenden macht Steve Walsh von Kansas. Seinen Klassiker "Carry On Wayward Son" singt er immer noch kraftvoll und ausdrucksstark. Die Rockgitarren feuern den Sound zusätzlich an, während das Orchester hier bereits Schwierigkeiten hat, akustisch wahrgenommen zu werden. Dieses Problem mit der Balance zwischen Rocksound und Orchester sollte noch häufiger auftreten.

Die zweite Truppe auf der Bühne sind Andy Scott & Pete Lincoln von Sweet. Sie geben direkt "Action" und einige Zuschauer stehen auf, weil von der Bühne so viel Energie ins Publikum schwappt. Das steigert sich nochmals bei "Fox On The Run". Jetzt steht fast der gesamte Innenraum vor der Bühne. Das Publikum singt den Text mit, während sich die Gitarristen in zwei Gruppen aufteilen. Zwei stehen sich gegenüber, die anderen drei spielen nebeneinander in Formation. Sweet werden gefeiert wie kaum ein anderer Act an diesem Abend – und das bei jedem Song.

Deutsche Frauenpower

Kaum zu glauben, aber tatsächlich ist Doro der erste deutsche Act bei Rock Meets Classic in den letzten sieben Jahren. Sie steht vor vier Feuerschalen und singt "Für immer", bekommt aber anfangs deutlich weniger Aplaus als The Sweet vor ihr. Auch bei ihrem neuen Song "Love's Gone To Hell" reagiert das Publikum trotz Animation von Doro nur sehr zögerlich. Erst bei "All We Are" geht das Publikum so richtig mit.

Von Thin Lizzy kommen Scott Gorham & Ricky Warwick auf die Bühne. Ihr Rockstil ist deutlich härter als der eher melodische Rock von Kansas oder The Sweet. Dennoch ist das Orchester bei "Jailbreak" viel präsenter. Zu "Rosalie" lassen die Gitarristen auf die Bühne ihre Gitarren aufheulen und am Ende steht das ganze Orchester zum finalen Paukenschlag auf.  

Der große Abschied

Zwischen den Rocklegenden darf das Orchester auch mal allein sein Können zeigen. So spielen sie jetzt ein Medley der bekanntesten Melodien aus Star Wars, die von Animationen auf der Videoleinwand ergänzt werden. Zum Schluss setzt der Dirigent den letzten Taktschlag nicht mit dem Taktstock, sondern als Gag mit einem grün leuchtenden Laserschwert.

Der nächste Act ist besonders rührend. Ein großer Künstler nimmt seinen Abschied vom Publikum. Dan McCafferty von Nazareth gibt sein Last Goodbye. Schon aus Respekt stehen die Zuschauer auf und applaudieren, als der mitterweile 70jährige Rockstar die Bühne betritt. Sein "Dream On" singt er immer noch toll. Nur die Zuschauer brauchen drei Anläufe, bis sie reagieren, als er "Dream" ansingt und die Zuschauer es mit "On" ergänzen sollen. Nach dem zweiten Anlauf meint er: "Besser".

Krachendes Pausenfinale

Der letzte Künstler vor der Pause ist Midge Ure von Ultravox. Der kernige Schotte mit der Powerstimme beginnt mit "If I Was" und sofort steht das Publikum wieder und geht voll mit. Zu "Vienna" wird die Bühne in blaues Licht getaucht.

Es ist eine beeindruckende Atmosphäre, in der das Publikum erneut ausrastet. Zu "Hymn" dreht sich auf der Videowand die Erde im All um die eigene Achse. Es folgt ein krachendes Outro mit Vollgas auf der Bühne und im Publikum. Dann ist Pause.

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How Sweet it is

Das Orchester, die Gitarristen der Matt Sinner Band und die Backgroundsänger eröffnen Teil 2 mit "Here I Go Again" von Whitesnake. Allerdings öffnet sich der Vorhang relativ plötzlich und es dauert, bis die überrumpelten Zuschauer wieder ihre Plätze eingenommen haben.

Erst mit dem zweiten Auftritt von The Sweet konzentrieren sich alle wieder auf die Show und sofort steht das Publikum wieder auf, als die Energie von "Love Is Like Oxygen" von der Bühne ins Publikum getragen wird. Der Sound von The Sweet ist wie gemacht für ein Konzert mit Orchester. Zu "Ballroom Blitz" kommt Doro als Verstärkung hinzu und spätestens jetzt rasten alle aus bei der Power, die durch den Saal wabert.

Zwischen Hard- und Akustik-Rock

Als kurzen Verschnaufer gibt es eine Akustikballade von Steve Walsh. Auch "Dust In The Wind" passt perfekt in das Konzept Rock meets Classic. Steve Walsh tanzt in der Gesangspause sogar einen eleganten Paartanz mit einer der Backgroundsängerinnen. Doch schon gibt es wieder Hardrock von Thin Lizzy mit "Dancing In The Moonlight".

Hier geht allerdings der Versuch daneben, ein Solo der Querflötistin einzubauen. Man hört sie aber kaum. Hier fehlt es wieder an der Balance der Inszenierung zwischen Orchester und den Rockgitarristen. Den nächsten Song "The Boys Are Back In Town" spielen Thin Lizzy gemeinsam mit Midge Ure und der Powerrock kracht donnernd durch die Halle.

Der König von Schottland 

Thin Lizzy gehen, Midge Ure bleibt und singt noch seine emotionale Ballade "Dancing With Tears In My Eyes". Anschließend kündigt der Schotte Midge Ure den anderen Schotten Dan McCafferty als König von Schottland an. Er kommt nochmals auf die Bühne und sorgt für den rührendsten Moment des Abends. Mit Midge Ure an der Gitarre singt er "Love Hurts" und verabschiedet sich dann unter Standing Ovations von seinem Publikum. 

Das nächste Solo des Orchesters ist die Melodie von "Game of Thrones". Die wird allerdings etwas zu langsam gespielt und verliert so an Dramatik. Mit diesem aktuellen Titel wird die letzte Konzertphase eingeleitet. Denn jetzt wird es auch im Rocksound sehr viel moderner.

The Final Countdown

Einer der Rockstars fehlt noch. Den Youngster unter den Rockstars haben sie bis zum Schluss aufgehoben. Joey Tempest von Europe kommt über die Treppe im Orchester nach unten und tritt mit "Rock The Night" das Gaspedal gleich voll durch. Der Rocksound ist nun deutlich schneller, während Joey über die Bühne wirbelt und seinen Mikroständer vor sich kreisen lässt wie einen Kampfsportstock. Zu "Superstitious" springt er von der Bühne und läuft eine Runde quer durchs Publikum. Die Zuschauer geben so Gas, dass Joey als Kommentar nur ein: "Hammer" bleibt. Beim Gute-Laune-Rock von "Days Of Rock N Roll" springt Joey wild hin und her, nun auch selbst mit Gitarre. 

Aber Joey kann auch Balladen und keine ist so schön wie "Carrie". Ein Lied zum Träumen und Mitsingen, für viele Fans eine kurze Reise zurück in die Kindheit. Blöd allerdings, dass es wieder eine Panne gibt. Die Videoanimation fällt aus und man sieht stattdessen ewig lang Kommandobefehle für die Pultsteuerung wie "Ein" oder "Ausschalten". Joey und das Publikum stört es nicht. Mit "The Final Countdown", dem großen Welthit von Europe, leitet Joey das Finale des Hauptblocks ein. Alle singen mit und feiern einen Helden der 1980er Jahre. Am Ende gibt es Explosionen und Papierschlangen fliegen durch die Luft. 

Alle Stars auf einer Bühne

Die erste Zugabe ist "Ready Or Not", eine weiterer Song von Europe. Joey lässt sogar einige Fans seine Gitarre anfassen bzw. spielen, während auf der Bühne die Post abgeht. Schließlich kommen alle Rockstars des Abends auf die Bühne und beenden die Show mit "Rock'n'Roll" von Led Zeppelin. Ein grandioses Finale nach drei Stunden Show, bei der die Rockstars alles gegeben haben.

Das gilt leider nicht für die Organisation und das Gesamtprogramm mit Orchester. Im Verhältnis zwischen Rockstars und Orchester fehlt es gelegentlich an Balance. Auch an der Präsentation von Solisten kann gearbeitet werden – ganz abgesehen von der Pausensteuerung und den technischen Patzern an der Videowand. Das ändert aber nichts daran, dass Rock Meets Classic insgesamt mit einem sehr unterhaltsamen Konzertabend für richtig gute Stimmung im Publikum sorgte.

Setlist

Intro / Carry On Wayward Son / Action / Fox On The Run / Für Immer / Love's Gone To Hell / All We Are / Jailbreak / Rosalie / Star Wars Medley / Dream On / If I Was / Vienna / Hymn / Here I Go Again / Love Is Like Oxygen / The Ballroom Blitz / Dust In The Wind / Dancing In The Moonlight / The Boys Are Back In Town / Dancing With Tears In My Eyes / Love Hurts / Game of Thrones Melodie / Rock The Night / Superstitious / Days Of Rock N Roll / Carrie / The Final Countdown // Ready Or Not / Rock'n'Roll

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