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Zaz (live in Mannheim, 2016) © Saron Duchardt

Einmal Paris und zurück in 2h50 - das schafft nicht einmal der TGV. Die Nouvelle-Chanson-Sensation Zaz feiert im Rosengarten Mannheim das Leben, die musikalische Vielfalt und vor allem ihre Wahlheimat, die Stadt an der Seine.

Die Franzosen und ihre Musik, das ist ja so eine Sache. Die Grande Nation hält eisern an ihren strahlenden Chanson-Ikonen fest, allerdings haben die mitunter etwas Staub angesetzt. Moderne Popmusik gefällt zwar – aber nicht alle französischen Künstler erreichen ein ansprechendes Niveau. Um trotzdem die 40 Prozent hohe staatliche Französischquote einzuhalten, spielte mancher Radiosender zeitweise lieber gruselige Versionen von Hits wie Robbie Williams' "Angels" mit umgedichtetem Refrain. 

Zaz hat es ist in den vergangenen 6 Jahren geschafft, diese Lücke zwischen Tradition und Moderne zu füllen, und ist zu Frankreichs beliebtester Künstlerin und Musik-Export Nummer 1 avanciert. Im Mannheimer Rosengarten beweist sie eindrucksvoll, dass französischer Pop nicht kitschig sein muss, dass man Altes in der Musik wunderbar mit Neuem kombinieren kann, und dass man kein Wort Französisch verstehen muss, um sich von ihrer Begeisterung anstecken zu lassen. 

Zwischen den Dächern von Paris 

Das Konzert beginnt wie ein Stummfilm aus den 20er-Jahren: Auf einen durchsichtigen Vorhang wird der Vorspann projiziert, während von der Bühne im Hintergrund bereits Maurice Chevailers "Paris sera toujours Paris" anklingt. Ihrer Wahlheimat hat Zaz im Jahr 2014 ein komplettes Cover-Album gewidmet, und auch an diesem Abend ist sie allgegenwärtig in Titeln wie "Sous le ciel de Paris" (Gabriele Kentrup), "Dans mon Paris"  oder "Il est cinq heures, Paris s'éveille." (Jacques Dutronc).  

"Paris ist multikulturell, Paris ist Leben. Das ist es, was ich euch heute zeigen möchte", liest die Sängerin in gebrochenem Deutsch vom Spickzettel ab. Viel mehr gibt ihr Wortschatz nicht her, deshalb plappert sie ansonsten fröhlich auf Französisch drauflos und erzählt von ihrer ersten Gitarre, der Zeit, als sie nach Paris gekommen ist und noch vielem mehr – 90 Prozent der Besucher verstehen kein Wort, aber das stört niemanden wirklich.  

Vielfältiges Energiebündel

Es ist unglaublich, mit welcher Ausgelassenheit die 35-Jährige über die Bühne wirbelt. Innerhalb weniger Augenblicke hat sie den Mozartsaal fest im Griff, flirtet kokett mit ihren Musikern und wickelt das Publikum mit nur einem verschmitzten Grinsen um den Finger. Dabei werden noch fix zwei Outfitwechsel vollzogen: vom strengen Hosenanzug à la Marlene Dietrich ins opulente Corsagenkleid und schließlich zum lässigen Einteiler.   

Zaz tänzelt leichtfüßig zwischen den Genres, kombiniert Chanson mit Gypsy, Pop mit Jazzgesang. Dabei scheut sie weder die Tradition, noch die Moderne: Ihre 7-köpfige Band beherrscht den brassigen Bigband-Sound genauso perfekt wie kantigere Gitarrenparts, und zwischen die Trompeten mischt sich zuweilen ein psychedelisches Theremin-Solo oder – Moment, ist das etwa – ja, ein Dubsteb-Part. 

Einmal Champs-Elysées und zurück 

Neben vielen Auszügen aus ihrer Paris-Hommage gibt es noch einen beeindruckenden Querschnitt durch die immerhin sechsjährige Karriere der ehemaligen Straßenmusikerin. Dazu zählt neben eingängigen Chansons wie "Les Passants" oder "Le Long de la Route", eher poppigeren Titeln wie "La fée" und einer großartigen Version von Edith Piafs "Dans ma rue" natürlich auch "Je Veux" – der Song, der sie 2010 in ihrer Heimat zum Star machte und die französische Musik aus dem internationalen Winterschlaf weckte.  

Zaz überrascht nicht nur mit musikalischer Experimentierfreudigkeit, sondern auch mit einem aufwändigen, zauberhaften Bühnenbild. Große Leinwände formen die Häuserschluchten von Paris und zeigen passend zu den Musiktiteln Illustrationen, Filmsequenzen und Schattenspiele. Dazu kommt noch der transparente Vorhang, der mehrmals vor die Bühne gezogen und als Projektionsfläche genutzt wird. Es ist also viel los auf der Bühne, aber dennoch wirkt das Gesamtbild nicht kitschig. Okay, bis auf den Sternenhimmel und das Riesen-Feuerzeug am Ende vielleicht.  

Au revoir et á bientôt

Nach imposanten 2 Stunden und 50 Minuten endet das Gute-Laune-Feuerwerk, und fast ist die sympathische Powerfrau doch noch sprachlos: das Mannheimer Publikum will sie gar nicht von der Bühne lassen und feiert Frankreichs neue Chanson-Königin samt Band mit frenetischem Applaus und trampelnden Füßen. Merci Zaz, et á bientôt!

So lange dauert es gar nicht mehr bis zum Wiedersehen in Deutschland: Nach dem Ende der Hallentour kommt Zaz schon im Sommer für einige Open Air Konzerte wieder! 

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