© Mathieu Cesar

Bereits ins dritte Jahr geht die außergewöhnliche Tour von Woodkid, aber weder Yoanne Lemoine noch sein Ensemble zeigen Ermüdungserscheinungen. Im Gegenteil, die Inszenierung seiner Musik ist nach wie vor überwältigend.

Fritz Lang hätte es nicht besser inszenieren können! Videoprojektionen imposanter Bauten in Schwarz-Weiß und Choreographien aus farblosem Licht unterstreichen die Songs von Woodkid, dem Mann, dessen Musik im vergangenen Jahr von niemandem ungehört blieb.

Nach dem Erfolgsjahr

Denn 2013 war sein Jahr. 24 Wochen hielt er sich mit seinem Debüt "The Golden Age" in den deutschen Charts, ein Mobilfunkunternehmen nutzt seit geraumer Zeit den Hit "Run Boy Run" für seinen Werbesport.

Seine Musik ziert nicht nur Videospiele und Modeschauen, sondern untermalte sogar das Theaterstück "Das Duell" an der Volksbühne Berlin. Und nun auch noch die goldene Schallplatte. Eine Glücksträhne, die auch in Mainz nicht abriss.

Mit Pauken und Trompeten

Mainz, Phönix-Halle. Mit Pauken und Trompeten kündigt sich Woodkid an. Und dies ist bei ihm in der Tat wörtlich zu nehmen, setzt sich seine "Band" doch lediglich aus Instrumenten zusammen, die üblicherweise im Rahmen klassischer Musik zu finden sind.

Tuba, Posaune und Trompete ertönen zu Beginn zusammen mit den zwei Schlagwerken und werden von einem sechsköpfigen Streicherensemble und einem Pianisten komplettiert. Eine Mischung, die im Pop eher selten anzutreffen ist.

Die Grenzen verschwimmen

Schnell stellt man sich die Frage was das eine mit dem anderen zu tun hat und wo genau die Grenzen zwischen Pop und Klassik verschwimmen... Man kommt jedoch sehr schnell zu dem Schluss, dass dies eigentlich auch gar keine Rolle spielt, denn was die 14 Akteure hier auf die Bühne bringen ist schlichtweg atemberaubend!

Der volle Klang, die Wucht der Musik ergreift einen bis ins Mark – auch in den ruhigen Songs. Die Perfektion des seit drei Jahre tourenden Ensembles ist unfassbar und über allem schwebt diese unverkennbare Stimme von Woodkid, einem Meister der Selbstinszenierung.

Cinematische Inszenierung

Yoanne Lemoine führt nicht nur in zahlreichen Musikvideos Regie, auch in seinen Live-Shows setzt er auf dramaturgische Effekte. Animierte Videos, die futuristische Wolkenkratzer und Kirchen zeigen, einsame Seelandschaften und organische Muster, versetzten das Publikum in eine andere Welt.

Licht unterstreicht den starken Rhythmus der Musik und tanzt auch mal leicht über die Bühne. Ganz großes Kino! Und das Publikum weiß dies zu schätzten, beinahe frenetisch feiern sie den Musiker und sein Ensemble.

Neben vielen Songs seines Albums "The Golden Age" wie beispielsweise "I Love You" und "The Great Escape", erklingt auch "Brooklyn" von der ersten EP Iron aus 2011. Auch zwei neue Songs, darunter "Volcano", ein Instrumentalstück, sind zu hören.

Der Augenblick der Erlösung

Und dann "Run Boy Run", als erste Zugabe, fast eine Art Erlösungsmoment, hatte das ganze Publikum doch auf diesen Moment gewartet. Das gesamte Auditorium singt die letzte Melodie des omnipräsenten Songs, nachdem dieser eigentlich schon verklungen ist.

Yoanne Lemoine scheint davon selbst überrascht. Freude macht sich in seinen Zügen breit. Einen Moment lang bricht die Inszenierung ab. Er dirigiert die Band zurück in den Song, um dann mit "The Other Side" zu schließen. Der Vorhang fällt.

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