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Lisa Gerrard von Dead Can Dance in Hamburg: würdevoll, unnahbar. © Falk Simon

Zum Abschluss ihrer Deutschlandtour boten Dead Can Dance in der Frankfurter Jahrhunderthalle am 25. Juni ein Konzert, dessen verblüffende Schönheit und Erhabenheit die Zuschauer in Ehrfurcht zu versetzen schien. Der faszinierende Charakter eines Auftritts von Dead Can Dance wirkt nicht zuletzt deshalb so einzigartig, weil sich dessen besondere Atmosphäre außerhalb eines Konzertsaals kaum rekonstruieren lässt.

Dead Can Dance suchen nicht die Nähe zum Publikum. Im Gegenteil, sie sind außerordentlich darauf bedacht, Distanz zu wahren und nicht durch unnötige Worte, Gesten oder Bewegungen die einnehmende Wirkung ihrer Musik zu beeinträchtigen. Damit schaffen sie eine Aura des Rätselhaften, Unnahbaren, die durch die spärlichen Ansagen noch verstärkt wird.

Unterstützt von zwei Schlagzeugern und bis zu drei Keyboards, spielen Dead Can Dance abwechselnd von Lisa Gerrard oder Brendan Perry gesungene Lieder. Die Gegensätzlichkeit ihrer Kompositionen und ihres Gesangs macht einen großen Teil der Faszination der Musik von Dead Can Dance aus. Während Perrys Bariton klar und erdig erhallt, schwebt Gerrards durchdringend intensive Stimme in ungreifbaren Sphären.

Einzigartige Stimme

Man kann die Wirkung von Lisa Gerrards Stimme nicht wirklich beurteilen, wenn man sie nie in einem Konzertsaal erlebt hat. Aufnahmen egal welcher Art vermitteln nur einen unzureichenden Eindruck, wie mühelos sie eine große Konzerthalle zu durchdringen und vollkommen einzuhüllen vermag. In Hinblick auf gesangliche Kraft und Eleganz ist sie schlichtweg unvergleichbar.

So verzaubert sie das Publikum beispielsweise mit dem vielumjubelten Sanvean, das Gerrard nur im Trio, unterstützt von zwei Keyboards, performt. Brendan Perry unterstreicht mit seinem Mandoline-ähnlichen Instrument die hypnotische Stimmung von Kiko, das den Zuschauer die ganze äußere Welt kurz vergessen macht. Fast euphorisch wirkt hingegen Cantara, ein weiterer Klassiker, der in etwas tieferen Registern gesungen wird als die Studioaufnahme, wodurch das Lied ein wenig an Intensität verliert, aber an Klasse gewinnt.

Würdevoll und distanziert

Wenn Lisa Gerrard nicht singt, steht sie würdevoll vor ihrem Yangquin, einem chinesischen Saiteninstrument, das dem deutschen Hackbrett ähnelt, dessen Saiten aber mit kurzen und dünnen Stöcken angeschlagen werden. Unter einer hellen Robe trägt sie ein schwarzes Samtkleid, was ihren distanzierten Habitus nur unterstreicht. Manchmal schließt sie die Augen oder lächelt wohlwollend ins Publikum.

Mit Brendan Perry tauscht sie nur wenige Blicke aus, applaudiert ihm aber für seine Performance von Ime Prezakias, einem griechischen Lied aus den 1930er Jahren. Perry berichtet, das Lied handle davon, mit Hilfe von Drogen der wirtschaftlichen Depression zu entfliehen. Angesichts der aktuellen Lage Griechenlands sind die Parallelen zur Gegenwart unverkennbar.

Ehrfürchtiges Publikum

Wie im letzten Jahr spielen Dead Can Dance das gesamte Anastasis-Album, mit Ausnahme von Anabasis, das für Cantara wiechen musste. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als würdige das Publikum die eingängigeren, gradlinigeren Lieder von Brendan Perry wie Children Of The Sun, Amnesia oder Opium nicht so sehr, wie sie es verdient hätten. Dabei besitzen sie unverkennbare Klasse und bilden einen willkommenen Kontrapunkt zur häufig entrückt wirkenden Musik von Lisa Gerrard.

Das Publikum lauscht der Musik ehrfürchtig, so als fürchte es, die Darbietung durch allzu viel Enthusiasmus zu stören. Erst gegen Ende des regulären Sets und vor allem nach dem letzten Lied, dem majestätischen The Return Of The She-King springen die Zuschauer auf und applaudieren enthusiastisch. Doch dann signalisiert das Hallenlicht, dass der Zauber schon ein Ende hat.

Setlist

Children Of The Sun | Agape | Rakim | Kiko | Amnesia | Sanvean | Black Sun | Nierika | Opium | The Host Of Seraphim | Ime Prezakias | Cantara | All In Good Time

Zugabe: The Ubiquitous Mr. Lovegrove | Dreams Made Flesh | Return of the She-King

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