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Dead Can Dance (live in Frankfurt 2019) © Torsten Reitz

Dead Can Dance machen auf der Tour zu ihrem neuen Album "Dionysus" auch in der Alten Oper Frankfurt halt. Im ausverkauften Konzert gibt die Band sich unnahbar und demonstriert in einer umfassenden Werkschau die Perfektion ihres Schaffens.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1981 sind Dead Can Dance von einer mystischen Aura umgeben. Nicht nur ihr von Weltmusik- und Neoklassik-Einflüssen durchzogener Sound evoziert und zelebriert das Geheimnis, auch die Öffentlichkeitsscheue des Duos (und einstigen Liebespaares) verstärkt diesen Anschein. 

Dancing in the Distance

Diese Atmosphäre ist auch im ausverkauften Großen Saal der Alten Oper in Frankfurt deutlich spürbar. Weder Lisa Gerrard und Brendan Perry, noch die zahlreichen Live-Musikerinnen und –Musiker, die mit ihnen die Bühne teilen, interagieren viel mit dem Publikum. Abseits einiger weniger Ansagen wahrt die Gruppe Distanz und befeuert ihr mystisches und unnahbares Image. 

Auch zwischen Gerrard und Perry selbst ist eine auffällige Distanz spürbar, die wohl mit ihrer gemeinsamen romantischen Vergangenheit zu tun hat: Ihre Trennung scheint noch immer zwischen ihnen zu stehen. 

Hohe Qualität

Freilich tut das ihren musikalischen Talenten keinen Abbruch. Dead Can Dance sind seither von dem hohen musikalischen Niveau ihrer Kompositionen geprägt – ihr so perfektionistisches wie eklektisches Songwriting, gepaart mit der Klasse der Musiker, trägt abseits persönlichen Spannungen mühelos durch den Abend. 

Dominiert wird der Sound vor allem von seiner rhythmischen Vielfalt: Ein Drumkit, gepaart mit zahlreichen orientalischen Perkussion-Elementen sorgen für das farbenfrohe und lebendige Grundgerüst der Stücke. 

Perfekte Ergänzung

Hinsichtlich der melodischen Gestaltung ist die Auswahl etwas eingeschränkter: Abseits einiger Saiteninstrumente und natürlich der Yangquin Lisa Gerrards (einem chinesisches Instrument, das dem Hackbrett ähnelt) dominieren vor allem synthetische Streicher.

Deren digitaler Sound stört hin und wieder leider etwas die erdige, rituelle Atmosphäre, die durch den Rhythmus geschaffen wird – insbesondere, wenn die Keyboards zu stark in den Vordergrund treten. 

Abseits der Instrumente sind es natürlich in erster Linie die gesanglichen Leistungen von Brendan Perry und Lisa Gerrard, die den Fokus des Konzertes ausmachen. Perrys markanter Bariton und Gerrards so ätherische wie kraftvolle Stimme sorgen je für ganz eigene Klangfarben, ergänzen sich jedoch auch hervorragend – auch wenn beide nur in einigen wenigen Fällen gemeinsam singen. 

Ein Blick zurück

Im Gegensatz zu ihren letzten Deutschlandkonzerten – diese wurden größtenteils von Songs des 2012 erschienen Albums "Anastasis" getragen – präsentiert die Gruppe in Frankfurt einen umfassenden Querschnitt durch ihre Diskographie. Hauptaugenmerk liegt vor allem auf den früheren Alben wie "Spleen and Ideal" oder "Within the Realm Of The Dying Sun".

"Dionysus", das neuste Album der Gruppe, ist hingegen verwunderlicherweise kaum vertreten: Lediglich "Dance of the Bacchantes" hat seinen Weg in die Setlist gefunden. Das Publikum scheint diese Entscheidung jedoch nicht weiter zu stören. Gerade ältere "Hits" wie "The Carnival Is Over" oder "The Promised Womb" werden frenetisch bejubelt. 

Zweistündige Weltreise

Dass die Musik von Dead Can Dance live eine noch wesentlich größere Wirkung entfaltet als ihre Studioaufnahmen, steht angesichts der Reaktionen des Publikums außer Frage. Die mystische Aura, die die Band ausmacht, wirkt auf der Bühne ungemein stark.

Die Gruppe schafft es auch, trotz der zahlreichen verschiedenen Einflüsse niemals fragmentiert zu klingen. Es fällt nicht schwer, sich auf die Bilder, die Dead Can Dance mit ihren Songs heraufbeschwören, auf die Reise durch die verschiedensten Kulturen und Folkloren, einzulassen. 

Die Distanz bleibt

Und dennoch gelingt es der so intensive wirkenden Musik nicht restlos, die Unnahbarkeit der Band und die Entfernung zwischen Gerrard und Perry zu überbrücken.

Die Werkschau, die Dead Can Dance liefern, ist in musikalischer wie kompositorischer Hinsicht perfekt. Stellenweise wäre aber ein bisschen weniger Perfektion und ein wenig mehr Menschlichkeit wünschenswert gewesen. Gerade bei Musik, die in ihrem rituellen Charakter so grundlegend menschlich und emotional ist, wie das bei Dead Can Dance der Fall ist. 

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