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Portishead © 2008 Universal Music

Kaum eine Band hat sich auf deutschen Bühnen in den letzten Jahren so rar gemacht wie die Briten von Portishead – und das lag ganz bestimmt nicht an fehlender Nachfrage. Am 18. Juni gaben sich die Soundpioniere in Berlin für ein einzelnes Konzert die Ehre.

Es ist, als hätte das Wetter ebenso sehnsüchtig auf ein Konzert von Portishead gewartet wie tausende Zuschauer, die an diesem Abend zur Zitadelle in Spandau strömen. Der Berliner Sommer zeigt sich jedenfalls von seiner schönsten Seite und bereitet am ohnehin schon tollen Spielort, dem weitläufigen Innenhof der alten, vom Wasser umringten Burg an Berlins Stadtrand, eine schöne und entspannte Atmosphäre.

Citadel Music Festival 2013

Als Teil des jährlichen Citadel Music Festivals werden hier Portishead ihr einziges Deutschlandkonzert spielen – mit Ausnahme des Hurricane/Southside Festivals. Dabei sind sie in bester Gesellschaft: im Laufe des Sommers werden hier an gleicher Stelle noch Größen wie Patti Smith, Iggy Pop oder Queens of the Stone Age erwartet.

Erwartungsvoll und bestens gelaunt strömen die Zuschauer, die aus allen Teilen Deutschlands und den Nachbarländern angereist sind, über die Zugbrücke und drängeln sich auf die schattigen Plätzchen, von denen aus man die große Bühne gut sehen kann.

Support: Savages

19 Uhr wurde als Startzeit angegeben, doch auch der Support der Briten, die Newcomer-Band Savages lässt auf sich warten. Nach einer guten Stunde beginnen die Mädels endlich mit ihrer Show und zeigen von Beginn an, warum sie es verdienen, als heiße und wichtige Newcomer gehandelt zu werden.

In diesem Jahr begeisterten die vier Londonerinnen bereits zahlreiche Fans auf dem Coachella Festival in Kalifornien und machen sich nun also auf, die Herzen der Portishead Fans zu erobern.

So richtig will dies aber leider nicht gelingen. Vielleicht liegt es daran, dass die vier Damen wild und laut unterwegs sind, während die Freunde Portisheads doch eher auf klangverliebte und ruhige Stücke stehen. Savages bekommen dennoch wohlwollenden Applaus, den sie auch verdient haben. Fans anderer Bands hätten sie bestimmt weitaus mehr begeistern können. Dennoch sollte man diese Band nicht aus den Augen und vor allem Ohren lassen.

Es folgt die Umbaupause, in der viele Zuschauer sich noch schnell mit Bier und anderen Kaltgetränken eindecken oder an einem der zahlreichen und vielseitigen Essensständen zu Abend essen. Um 21 Uhr ist es endlich soweit und die Legenden aus Bristol betreten die Bühne.

Großer Jubel für Portishead

Vor allem als Frontfrau Beth Gibbons die Bühne betritt ist der Jubel groß. Für viele Leute stehen dort die Helden ihrer Jugend und spielen die Songs, die untrennbar mit dieser Zeit verbunden sind. Vor allem das 94er Album Dummy zählt wohl zu den besten und einflussreichsten Elektroalben seiner Zeit.

Portishead enttäuschen ihre Fans nicht und spielen alle Titel des Kultalbums, die man sich wünschen kann. Obwohl weder Beth Gibbons noch der Rest der Band besonders viel Interaktion mit dem Publikum zeigen und die Frontfrau oft nur ihren Rücken zeigt, steigt mit jedem Song die Begeisterung der Zuschauer.

Als wären sie nie weg gewesen

Das liegt vermutlich daran, dass die Band spielt, als wären sie nie weg gewesen und als wären seit ihrem legendären ersten Album nicht fast 20 Jahre vergangen. Auch die Klangqualität ist so gut, dass man selbst in den hintersten Reihen noch genug von Gibbons' zarter und dennoch starker Stimme mitbekommt um eine Gänsehaut zu bekommen.

Die einzige Enttäuschung ist vielleicht, dass an diesem Abend kein neues Material zu hören ist, so dass man die Hoffnung auf ein neues Album des Trios wahrscheinlich gleich wieder begraben kann.

Als die Band nach mehr als einer Stunde erstmals die Bühne verlässt sind alle glücklich. Sogar Beth Gibbons wirkt gelöst, bedankt sich mehrfach und nimmt schließlich bei der zweiten Zugabe noch ein kleines Bad in der Menge.

Die hinteren Reihen können nur neidisch auf die Videowall der Bühne blicken und sehen, wie die erste Reihe ihre Heldin umarmen darf. Spätestens nach der ersten Zugabe Roads möchte man Beth Gibbons auch einfach nur umarmen und sich bedanken für diese Musik.

Am Ende bleibt die Erinnerung an ein großartiges Konzert, das sich auf keinem verwackelten Handyvideo festhalten lässt und die Hoffnung, dass diese lebenden Legenden uns bald wieder beehren. Vielleicht sogar mit einem neuen Album im Gepäck...

Setliste: Portishead, Berlin, 18. Juni 2013

 Silence  | Nylon Smile  | Mysterons  | The Rip  | Sour Times  | Magic Doors  | Wandering Star  | Machine Gun  | Over  | Glory Box  | Chase the Tear  | Cowboys  | Threads

Zugaben: Roads  | We Carry On

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