Die englische Band Savages inszeniert sich gekonnt als Post-Punk-Band.

Die englische Band Savages inszeniert sich gekonnt als Post-Punk-Band. © Richard Dumas

Die englische Band Savages ist der neueste heiße Scheiß, wenn man diversen Musikmagazinen vertraut. Beim Konzert in Frankfurt präsentierten sich die vier Frauen als amüsante Imitation berühmter Post-Punk-Vorbilder. Obwohl die Band weitaus mehr Stil als Substanz besitzt, war nicht alles schlecht.

Parolen und böse Blicke

Man kann Jehnny Beth nicht absprechen, dass sie ihre Rolle als androgyne Leadsängerin der Savages nicht mit vollem Einsatz spielen würde. Mit weit aufgerissenen Augen schreit sie Parolen ins Mikrofon, imitiert beharrlich den Einsatz des Schlagzeugs, tanzt in leicht mechanischen Posen und stiert böse auf den Typen in der ersten Reihe, der das gesamte Konzert mit seinem Handy mitfilmt.  

Vorbild für ihr Äußeres ist unverkennbar Ian Curtis, dessen Musik von undurchdringlicher Isolation und unüberwindlicher Depression berichtet. Anders als Curtis stammt Beth nicht aus dem verregneten Manchester, sondern aus dem mediterranen Frankreich, wo sie als Schauspielerin und weiblicher Teil des Indie-Pop-Duos John & Jehn in Erscheinung getreten ist.

Manifeste Inszenierung

Ian Curtis lebte und starb seine Musik, Jehnny Beth aka Camille Berthomier spielt das putzige Post-Punk-Bambi. Die Band ist komplett in schwarz gekleidet, das weiße Licht sorgt auf der Bühne für denselben Kontrast wie das schwarz-weiße Plattencover, auf dem natürlich ein Manifest prangt. Beth versteht es sich und ihre Kolleginnen so zu inszenieren, wie man es von einer Schauspielerin erwartet.

In die Musik wurde bereits viel reininterpretiert: Die Songs der Savages seien "Testamente der Angst, der Selbstqual und der Entfremdung, Faustschläge gegen die bunte Wand der medialen Ignoranz und gegen das allgemeine Absterben" schreibt Andreas Borcholte bei SPON und bediente sich damit jener Interpretation, die die Savages selbst mitliefern.

Keine Seelenqualen

Beschreibt die Musik der Savages aber wirklich eine "soziale und emotionale Wüste"? Sonderlich gequält sieht Beth eigentlich nicht aus. Sie erinnert in manchen Augenblicken eher an einen vierzehnjährigen Jungen, der gemeinsam mit seinen Freuden Spaß an richtig lauter Musik gefunden hat: Das Schlagzeug scheppert metallisch, der Bass wummert, die Gitarren flirren und Beth schreit unverständliche Parolen ins Mikrofon.  

Am besten funktioniert die Musik, wenn sie mächtig nach vorne treibt und das Publikum in den vorderen Reihen heftig mittanzt. Die wenigen langsamen Songs erweisen sich als Rohrkrepierer, was auch daran liegt, dass Beth keine sonderlich ausdrucksstarke Sängerin ist. Ihr Gesang folgt immer einem ähnlichen Muster, spielt sich stets in derselben Tonlage ab.

Konsequent und amüsant

Beeindruckend ist auf jeden Fall die Konsequenz, mit der die Savages ihre Inszenierung durchziehen. CDs und Platten gibt es erst nach dem Konzert zu kaufen (Fokus auf die Musik!), der Verkäufer ist ein bemerkenswert gut gekleideter, grauhaariger Mann mittleren Alters mit weißem Hemd und Krawatte, der vorher auch als stage hand tätig war. So etwas sieht man auch nicht alle Tage.

Als Beth das letzte Lied ankündigt, erweist das sich tatsächlich als das letzte Lied des Abends, denn eine Zugabe gibt es nicht. Don’t let the fuckers get you down ist symptomatisch für die ganze Musik der Savages: sie kombiniert durchdringende Lautstärke, montone Rhythmen und inhaltlichen Minimalismus mit jeder Menge Attitüde. Man kann das für eine total aufrichtige Botschaft halten. Man kann darüber aber auch schmunzeln.

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