Innenansicht von Rock im Revier (2015)

Innenansicht von Rock im Revier (2015) © Tom Teubner

Es ist keine Überraschung: Rock im Revier findet 2017 keine Fortsetzung. Damit hat die Festivalstrategie der DEAG einen schweren Schlag erlitten, der auch andere Festivals wie Rockavaria in München in Frage stellt. Update: Inzwischen ist Rockavaria endgültig abgesagt.

Rock im Revier hat eine komplizierte Geschichte. Das Festival war einerseits der Versuch des Veranstalters DEAG, Konzertveranstalter Marek Lieberberg (früher MLK, jetzt Live Nation) und sein Erfolgsfestival Rock am Ring mit einem Gegenfestival herauszufordern.

Von der Grünen Hölle zu Rock im Revier

Dieses Gegenfestival trug den Namen Grüne Hölle und sollte im Jahr 2015 am Nürburgring stattfinden – und zwar laut der ursprünglichen Planung zeitgleich mit Rock am Ring! Aus diesem Grund musste Marek Lieberberg für Rock am Ring einen neuen Standort suchen – und wich nach Mendig aus, wo Rock am Ring zwei Jahre stattfand, bevor es 2017 wieder an den Nürburgring zurückkehrt.

Allerdings zerstritt sich die DEAG sehr schnell mit den Betreibern des Nürburgrings, so dass das Grüne Hölle-Festival kurzfristig umziehen musste. Letztendlich fand es 2015 unter dem Namen Rock im Revier in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen statt. Ein dauerhafter Spielort war damit aber nicht gefunden. 2016 wechselte das Festival erneut seinen Standort und fand in viel kleinerer Dimension in der Dortmunder Westfalenhalle statt.

Die Festivalstrategie der DEAG steht in Frage

Rock im Revier war aber nicht als isoliertes Festival geplant, sondern wurde durch zwei weitere Festivals ergänzt: Rockavaria im Münchner Olympiapark und Rock in Vienna. Mit dieser Dreierkombination wollte die börsenotierte DEAG sich als einer der größten Festivalveranstalter Europas etablieren – mit einem Konzept, das von Anbeginn Fragen aufwarf.

Diese Strategie ist de facto gescheitert. Mit dem Aus für Rock im Revier stehen automatisch auch die anderen beiden Festivals in Frage, da diese von Anfang an als Einheit geplant waren, insbesondere in Hinblick auf die Finanzierung.

Das Aus für Rockavaria?

Die Dopplung von Veranstaltungen in der deutschen Festivallandschaft ist kein Zufall, sondern macht Großevents erst finanzierbar: Mit der Dreifachkombination Grüne Hölle/Rock im Revier, Rockavaria und Rock in Vienna wollte die DEAG die Zwillingsfestivals Rock am Ring und Rock im Park  übertrumpfen und die kostspieligen Veranstaltungen auf eine sichere Basis stellen.

Mit dem Aus für Rock im Revier erscheint fraglich, ob Rockavaria und Rock in Vienna für sich genommen finanzierbar sind – und damit, ob sie 2017 stattfinden werden. Für Rockavaria sind aktuell keine Bands bestätigt, auch ein Termin ist nicht bekannt. Bei der DEAG will man sich nicht äußern und verweist darauf, dass sich Rockavaria in der Planungsphase befinde. Nähere Informationen werden für die nahe Zukunft angekündigt.

Konkurrierende Großveranstaltungen

Allerdings spielen am 26. Mai Aerosmith ein Konzert auf dem Königsplatz in München, das von Wizard Promotions, einer DEAG-Tochter, veranstaltet wird. Das Wochenende vom 26. bis 28. Mai ist gleichzeitig der wahrscheinlichste Termin für Rockavaria.

Auch Kiss, 2015 noch Headliner bei der Premiere, gehen separat auf Tour und spielen vier Hallenkonzerte, eines davon in München – veranstaltet von der DEAG. Guns 'N Roses, ein weiterer Name, der immer wieder als Headliner genannt wurde, treten im Münchner Olympiastadion auf, Veranstalter ist Live Nation.

Rock in Vienna 2017

Rock in Vienna hat als "Headliner" Die Toten Hosen angekündigt, die am 5. Juni 2017 in Wien auftreten werden. Von einem Dreitagesfestival ist allerdings nicht mehr die Rede, sondern letztlich von einem Headline-Konzert der Toten Hosen, das zudem am gleichen Wochenende stattfindet wie Rock am Ring und Rock im Park, wo Die Toten Hosen ebenfalls auftreten werden.

Update: Inzwischen wurden weitere Bands für Rock in Vienna bestätigt, das jetzt an vier Tagen vom 2. bis 5. Juni 2017 stattfinden wird. Mit dabei sind Kings Of Leon, Macklemore & Ryan Lewis, Silbermond, Beatsteaks, Marteria und Die Toten Hosen.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass das "Sonisphere Festival – Allmend rockt" in Luzern, das 2016 über 70.000 Besucher anlockte, 2017 nicht stattfinden wird. Die auf dem Schweizer Festivalmarkt traditionell starke DEAG verliert damit ein zugkräftiges Festival.

Wie geht es weiter?

Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich die Frage, wie es mit der Festivalstrategie der DEAG weitergeht. Im Juni 2016 äußerte sich der Vorstandsvorsitzende der DEAG Prof. Peter Schwenkow optimistisch: "Die Festivals haben gezeigt, dass sich unser Investment in die Open Airs gelohnt hat. Wir haben mit großartigen Bands auf tollen Veranstaltungen bereits im zweiten Jahr ein Stammpublikum gewonnen und begeistern können. Das motiviert uns sehr!"

Nur die wenigsten Beobachter teilten damals wie heute Schwenkows Optimismus. Insbesondere an der Börse ist die Festivalstrategie schon längst durchgefallen. Der Aktienkurs der DEAG hat seit seinem Höchsstand von knapp 8 Euro im Februar 2015 stark verloren und liegt aktuell bei etwas weniger als 3 Euro.

Update: Inzwischen ist Rockavaria endgültig abgesagt. 

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