Die Menschenmassen bei Rock am Ring 2017 - so voll war es bei Rockavaria nie

Die Menschenmassen bei Rock am Ring 2017 - so voll war es bei Rockavaria nie © Tom Teubner

Nach Monaten vergeblichen Wartens auf Informationen haben die Veranstalter endgültig die Reißleine für Rockavaria 2017 gezogen. Das Festival findet nicht statt - und dass es jemals wieder stattfinden wird, ist sehr unwahrscheinlich.

In einem Statement auf Facebook erklären die lokalen Veranstalter Global Concerts (ein Teil der DEAG), sie wollten ihrer Absicht treu bleiben, "Rockavaria nur dann zu präsentieren, wenn es gut genug ist. Nachdem nun unsere letzten Eisen im Feuer erloschen sind, ist das nicht gegeben."

Absehbare Entwicklung

Indem die Veranstalter auf die hochkarätigen Rockkonzerte von Aerosmith, Dream Theater, Kiss und Deep Purple im Frühjahr und Sommer in München hinweisen, bestätigen sie im Nachhinein die Richtigkeit eines zentralen Arguments, mit dem die Fortexistenz von Rockavaria schon Ende 2016 angezweifelt wurde.

Dieses besagte, dass es nicht möglich sein werde, genug Bands für ein zugkräftiges Rockavaria-Line-up zu finden, wenn einige der größten potentiellen Namen für das Festival nicht zur Verfügung stehen, weil sie lieber Solokonzerte spielen.

Veralteter Rockbegriff

Es ist nachvollziehbar, dass die Münchner Presse das Aus für Rockavaria bedauert. Ebenso nachvollziehbar ist es, wenn Dirk Wagner in der Süddeutschen Zeitung (6. Februar 2017, S. 32) schreibt, München könne "ein neues Rockfestival vertragen". Nicht nachvollziehbar ist das Argument, Rockavaria habe "den Rockbegriff" viel konsequenter bedient "als andere Rockfestivals, die längst schon verkaufsfördernd Pop-Bands aus dem Mainstream ein weiteres Forum bieten."

Genau diese Fehlwahrnehmung hat zum Aus für Rock im Revier und jetzt Rockavaria geführt. Die Veranstalter haben sich bei der Planung an einem dreißig- oder vierzig Jahre alten "Rockbegriff" orientiert, aber nicht an den Hörgewohnheiten des vornehmlich jungen Publikums, das mühe- und konfliktlos zwischen Pop, Rock, Hip-Hop und Elektro wechselt.

Fehlender Mainstream-Appeal

Natürlich gibt es zahlreiche jüngere Rockfans, die sich ein Festival mit "echtem Rock" wünschen, ohne Pop, Hip-Hop und Elektro. Allerdings sind viele dieser Rockfans auch härteren Klängen nicht abgeneigt und strömen daher zu den großen Metal-Festivals des Landes wie Wacken, Summer Breeze und With Full Force. Ältere Rockfans hingegen haben nicht unbedingt Lust auf ein dreitägiges Festival im Freien. Sie besuchen lieber Einzelveranstaltungen wie die oben erwähnten Konzerte.

Selbstverständlich ist es möglich, ein gelungenes Rockfestival mit 10.000 Besuchern zu organisieren – aber Rock im Revier und Rockavaria waren als Festivals in der Größe von Rock am Ring (jährlich 80.000 Besucher) konzipiert. Wie will man so viele Karten verkaufen, ohne Mainstream-Musikfans anzusprechen?

Fehlende Nische

Angesichts der thematischen Einschränkung auf Rockmusik und der zeitlichen und inhaltlichen Konkurrenz mit anderen großen Festivals erschien es von Beginn an fraglich, ob die DEAG-Festivals genug Besucher finden würden. Die Antwort kann jetzt abschließend negativ ausfallen.

Mit anderen Worten: die Nische, die Rock im Revier und Rockavaria besetzten sollten, existierte nicht. Die Absage von Rockavaria 2017 ist nur die letzte Konsequenz eines von Anfang an fehlerhaften Konzepts. Auf eine Wiederauferstehung 2018 zu hoffen, wird vergeblich bleiben. Auch die Veranstalter deuten mit keinem Wort an, dass es weitergehen könnte.

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