McCoy Tyner

McCoy Tyner

Der Auftritt des McCoy Tyner Trios mit Bill Frisell und Gary Bartz auf der eindrucksvollen Klosterruine Limburg in Bad Dürkheim begeisterte das zahlreich erschienene Publikum – hinterließ aber auch einige unbeantwortete Fragen.

{image}Von der Limburg, die hoch über Bad Dürkheim thront, entfaltet sich ein beeindruckender Blick über die Rheinebene bis an die Hänge des Odenwalds und in den Kraichgau. An einem sonnigen, wenngleich etwas kühlen Sommerabend bilden die hoch aufragenden romanischen Ruinen des ehemaligen Benediktinerklosters eine imposante Kulisse für den Auftritt des legendären Jazzpianisten McCoy Tyner. Mehr als 800 Zuschauer haben sich dafür in der Basilika versammelt. Vor dessen Auftritt hat das Publikum Gelegenheit der Felix Heydemann Groove Connection zu lauschen. Es ist immer undankbar zu einem Zeitpunkt aufzutreten, wenn viele Zuschauer mit Essen oder Gesprächen beschäftigt sind. Heydemann und Band gelingt es jedoch, mit ihrer Musik die Aufmerksamkeit zumindest einen ansehnlichen Teils der Anwesenden auf sich zu ziehen. Wenn man bedenkt, dass Clemens Orth kurzfristig für seinen regulären Hammond-Organisten Dirk Schaadt eingesprungen ist, dann beeindruckt umso mehr, wie gut die Musiker harmonieren. Heydemann steht mit seinem flüssigen, ideenreichen Gitarrenspiel im Zentrum der Musik. Abgesehen von einigen überlangen und wenig ereignisreichen Soli des Schlagzeugers Marcus Möller, überzeugt die Band, zu der außerdem noch Saxophonist Denis Gäbel zählt, durch ihr lebhaftes Zusammenspiel.

Guitars lautet der Untertitel des Hauptkonzerts in Anlehnung an McCoy Tyners aktuelles Album, das er gemeinsam mit fünf herausragenden Gitarristen, darunter Bill Frisell, aufgenommen hat. Das Programm kündigt dementsprechend "McCoy Tyner feat. Bill Frisell" an. Anders als man es erwarten durfte, stehen jedoch weder Tyner noch Frisell im Mittelpunkt. Stattdessen dominieren die übrigen Musiker das Konzert: Der Saxophonist Gary Bartz, der Bassist Gerald Cannon und der Schlagzeuger Eric Kamau Gravatt.

Bereits bei seinem Auftritt vor ungefähr zwei Jahren in der Heidelberger Stadthalle (Bericht) war McCoy Tyner gesundheitlich angeschlagen. Eine Besserung ist inzwischen nicht eingetreten. Leider hat sein Klavierspiel, das damals weitgehend unbeeinflusst schien, inzwischen an Dynamik und Ausdrucksstärke verloren. Der intensive Fluss seiner klassischen Aufnahmen hat einer manchmal fast geisterhaft wirkenden Präsenz Platz gemacht. McCoy Tyner muss sich damit begnügen, Stücke einzuleiten, Akzente zu setzen, die übrigen Musiker zu begleiten und kurze Impressionen zu liefern – expressive oder ausladende Soli überfordern offensichtlich seine Kräfte.

{image}Der zweite nominelle Headliner des Abends, Bill Frisell, wirkt stattdessen wie ein Fremdkörper. Frisell ist sowieso kein charismatischer Entertainer, aber auch stilistisch ist er trotz seiner musikalischen Brillanz mit den übrigen Musikern nur bedingt kompatibel. Wenn Tyner alte Klassiker wie Blues On The Corner spielt, dann ist in diesem Powerhouse-Jazz für Frisells eklektisches Gitarrenspiel wenig Raum. Der Gitarrist benötigt eine Menge Offenheit und Raum zur Entfaltung, da er ganz ohne die sonst von ihm häufig verwendeten Effekte arbeitet. In seinen Soli zeigt sich, auf welche Weise Frisell die Subtilität zu einer Kunstform erhoben hat. An diesem Abend ist dieses Verdienst jedoch sein Verhängnis, denn die viel zu leise Abmischung führt dazu, dass sein Gitarrenspiel im Gesamtklang häufig zu sehr in den Hintergrund tritt.

{image}Dennoch erlebten die Zuschauer ein mitreißendes Konzert, was im Wesentlichen den Verdienst der übrigen Musiker darstellt. Gerald Cannon und Eric Kamau Gravatt bilden eine ungeheuer kraftvolle Rhythmusgruppe, die hart und dynamisch swingt. Das Schlagzeug droht gelegentlich die anderen Instrumente zu übertönen, so gewaltig war der Sound, den Gravatt erzeugte. Wie schon bei verschiedenen Auftritten in der jüngeren Vergangenheit, ergänzt Gary Bartz sie aufgrund seines expressiven Saxophonspiels ausgezeichnet. Bartz spielt mit einem Höchstmaß an Emotionen: In seinem Stil ist nichts Statisches oder Verhaltenes, stets treibt er die Musik vorwärts und führt sie zum nächsten Höhepunkt.

Angesichts der Klasse der Musik ist die Kürze des Konzerts bedauerlich. Nach kaum mehr als 80 Minuten verabschieden sich die Musiker bereits nach der ersten Zugabe. Tyner hatte nach dem Ende des regulären Sets sein Missfallen gegenüber Bartz deutlich zum Ausdruck gebracht. Über die Gründe des Disputs kann man nur spekulieren, aber es fiel auf, dass die Musiker die Bühne nach Ende des Konzerts rasch verließen. Sie kehrten trotz des lauten Jubels der Zuschauer auch nicht zurück, um sich zu verbeugen und den Applaus des Publikums gemeinsam entgegenzunehmen. So fand ein gelungener Abend ein etwas betrübliches Ende.

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