"Ich liege da oft so auf dem Tisch. Ich liege überhaupt viel herum" (Meret Becker über eine Anfangsszene der Nibelungen, in der sie minutenlang auf einem Tisch ausgestreckt auf dem Rücken liegt)

"Ich liege da oft so auf dem Tisch. Ich liege überhaupt viel herum" (Meret Becker über eine Anfangsszene der Nibelungen, in der sie minutenlang auf einem Tisch ausgestreckt auf dem Rücken liegt) © Christian Hoffmann

Eigentlich hätte Bibiana Beglau dieses Jahr die Rolle der Brünhild bei den Wormser Nibelungenfestspielen ausfüllen sollen. Wenige Monate vor der Premiere erlitt sie jedoch einen Zusammenbruch, weshalb Meret Becker kurzfristig für sie einsprang. In einem öffentlichen Interview mit der Wormser Zeitung plauderte die Schauspielerin und Sängerin vor Publikum im Wormser Kunsthaus Heylshof über ihren bewegten Alltag.

{image}Anfangs habe sie gar nicht gewusst, dass die Nibelungen als Stoff in der Schule durchgenommen werden. "Da muss ich wohl gerade von der einen auf die andere Schule gewechselt haben", kommentiert Meret Becker achselzuckend. Sympathisch und unkompliziert: Sie möchte Meret genannt werden, bittet sie ihren Gesprächspartner. Trotz Drohungen ihres Stiefvaters Otto Sander verließ Meret mit 16 Jahren die Schule. "Da kam aber doch nichts", grinst die 39-Jährige, die in Brösels Comicverfilmung "Werner – Beinhart!" 1990 das Rumpelstilzchen spielte. Meret Becker ist die Punk-Rockerin unter den deutschen Schauspielerinnen – in Berlin wohnt sie um die Ecke des Rockclubs SO36. Bis 2002 war sie mit Bassist Alexander Hacke von den Einstürzenden Neubauten verheiratet.

Aufgrund ihres künstlerischen Berufs müsse sie mit ihrer kleinen Tochter teilweise ein Nomadenleben führen. "Wir sind halb sesshaft, halb Zigeuner. Das macht es ein bisschen kompliziert", erzählt Meret Becker. Zumal ihre Tochter noch schulpflichtig ist.

{image}Im Feuilleton wird Meret Beckers Brünhild zwiespältig rezipiert, die Süddeutsche Zeitung etwa schrieb vor kurzem, ihr fehle das Gespür dafür, wie man jenseits einer Filmkamera agiert. "Jeder Satz gerät ihr zur Deklamation und jede Haltung zur Pose", urteilt das Blatt. Im Wormser Heylshof bekennt Becker, sie lese grundsätzlich keine Kritiken über sich. "Weder die positiven noch die schlechten", berichtet die junge Charakterdarstellerin. "Die haben oft so einen zynischen Tonfall, das nimmt mir mein internes Bild weg, das ich hier habe", erläutert sie. "Ich habe so viel Freude bei diesem Sommerfestival, warum soll ich mir das von einem kaputtmachen lassen?" Und wie bereitet sich Meret Becker auf ihre Rollen vor? Handelt es sich um ein altes langweiliges Buch, lässt sie es sich lieber von jemandem erzählen. "Dieter Wedel kann sehr schön erzählen, das kann ich Ihnen nur empfehlen, sich von ihm mal etwas erzählen zu lassen", schmunzelt Meret Becker. Und das Publikum lacht mit. Die Nibelungen sind eine Sage, die in unzähligen Versionen niedergeschrieben steht. "Der Spaß liegt darin, das immer wieder neu zu interpretieren, ob Shakespeare oder die Nibelungen", begründet Becker, was sie an ihrer aktuellen Rolle so reizt.

{image}Meret stützt das Kinn auf beide Hände, die Ellbogen auf dem Tisch aufgelehnt. Es ist das erste Mal, dass sie Theater als Open Air spielt. Was wegen der Witterung so seine Tücken hat: Eben noch fingert Meret Becker mit dem Kronkorken ihrer Mineralwasserflasche herum, plötzlich springt sie auf, um den Wormsern vorzuführen, wie sie bei regennasser Bühne mit den Füßen tippeln muss, um nicht auszurutschen.

Konzerte hat sie aber schon öfter an der Freiluft gegeben. 1998 veröffentlichte sie das düstere Chanson-Album Nachtmahr, ein collagenhaftes Schauergemälde über menschliche Abgründe. Auf dem Jubiläums-Album Dreimal zehn Jahre von BAP singt sie in dem Song Paar Daach fröher ein Duett mit Wolfgang Niedecken. Für 2009 hat sie ein neues musikalisches Projekt in Planung: Meret Becker möchte ein Album mit Zirkusmusik aufnehmen und dafür ergänzend einen echten Wanderzirkus mit klassischem Zauberer, Jongleuren, Artisten und Varieté-Künstlern gründen, der auf Tournee geht. Ihr liegt das im Blut, denn ihre Oma trat einst mit dem weltberühmten Clown Charlie Rivel auf.

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