Royal Republic (live auf dem Trebur Open Air Festival-Freitag 2011)

Royal Republic (live auf dem Trebur Open Air Festival-Freitag 2011) © René Peschel

"Ich geh steil" prangte auf den T-Shirts der rund 150 freiwilligen Helfer und war das Motto des 19. Trebur Open Airs - ein Motto, das wetterbedingt nicht immer auch von den Zuschauern befolgt wurde. Aber wer sich mittags noch im Zelt verkroch oder beim unverhofften Sonnenschein im nebenan gelegenen Freibad erholte, stand gegen Abend vor den Bühnen des Open Airs. Der Freitag hielt die Headliner Callejon und Royal Republic bereit, aber auch das Programm vorher war hörenswert.

{image}Trotz schlechter Wettervorhersage (es war regnerisch und stürmig gemeldet) machte der Himmel vor dem offiziellen Beginn um 17 Uhr einen recht unbewölkten Eindruck. Die Zelte konnten im Trockenen aufgebaut werden und Moop Mama zogen mit Schlagzeug, Bläsern und einem Megaphon über das Außengelände, um die gerade angekommenen Zuschauer zu unterhalten. Aber wie an allen drei Tagen sollte man sich nicht zu schnell auf ein regenloses Festival freuen – innerhalb von wenigen Minuten konnte sich das Klima schlagartig ändern. So auch direkt am Freitag, als Moop Mama schließlich auf die Hauptbühne marschierten und dort noch zwei Lieder zum Besten gaben: Immer mehr Wolken verdrängten die letzten Sonnenstrahlen. Mit dem Satz "Wer früher kommt ist schneller nass" verabschiedeten sich Moop Mama von den ersten wagemutigen Zuschauern.

► Hier gibt es alle Fotos vom Freitag mit Sunclinch, Morning Boy, The Rattlesnake Orchestra, Illectronic Rock, Nukular, Kellerkommando, Callejón, Beat!Beat!Beat! und Royal Republic

{image}Auf der gegenüberliegenden, kleineren Sparkassen-Bühne ging es dann auch nahtlos mit Sunclinch los. Die vier Jungs aus Mainz stiegen mit corigen Klängen ein und zeigten ihre Freude, das Trebur Open Air zu eröffnen, in einer halbstündigen Show vor 50 bis 80 Leuten. Das direkt hinter der Bühne einsetzende Gewitter in der Nachbarschaft bot einen eindrucksvollen Anblick: Blitze erleuchteten den erdunkelnden Himmel und der Bassist von Sunclinch bekam Unterstützung vom stetigen Donner. Doch der Freitag sollte von größeren Regenfällen verschont bleiben, hin und wieder ein bisschen Regen hat ja auch dem geneigten Festivalgänger noch nicht geschadet.

{image}Es folgte ein Wechsel zur Hauptbühne – Morning Boy hatten sich in der Zwischenzeit bereitgemacht –, die nur durch einen Stand in der Mitte von der zweiten Bühne getrennt war. Das Trebur Open Air ist so gestaltet, dass es keine Pause zwischen den Bands gibt. Während der eine Act spielt, wird auf der gegenüberliegenden Seite der Sound gecheckt. Dauerbeschallung für diejenigen, die keine Band verpassen wollen, teilweise Doppelbeschallung für Zuschauer, die in der Mitte des Geländes standen. Auch bei Morning Boy hat man ab und zu Töne von der anderen Bühne gehört, gerade auch weil die Frankfurter Band viele ruhige Passagen in ihren poppigen Melodien hat.

{image}Einmal umdrehen und ein paar Meter zurücklegen, schon stand man vor The Rattlesnake Orchestra. Gerade bei dieser Band hätte ein wenig mehr Sonnenschein gepasst, mit Saxophon und Trompete ausgestattet brachten die acht Mann Tanzstimmung aufs Festival. Im Anschluss gab es Illectronic Rock auf der Hauptbühne zu sehen. Solider Alternative Rock mit teilweise progressiven Einschlägen tönte über das Gelände, nicht zu vergessen die namensgebenden elektronischen Elemente. Sänger Robert Schwarze zeigte, dass man auch vor wenig Publikum eine ordentliche Show abliefern kann. Bis dahin war es ein nettes Programm zum Aufwärmen gewesen, ab diesem Zeitpunkt wusste man: Das Festival wird laut und rockig! Immerhin standen noch für diesen Tag Callejon und Royal Republic auf dem Programm.

{image}Doch bis dahin hatte der Festivalgänger noch einiges vor sich. Nukular auf der kleinen Bühne konnten trotz ihres Namens (Homer Sipmson erklärt ihn hier) nicht recht überzeugen, zu unentspannt wirkten sie auf der Bühne, zu eintönig klangen ihre Melodien. Dafür hat sich das Kellerkommando im Anschluss als eine der Überraschungen des Festivals herausgestellt. Mit Akkordeon, Trompete und Posaune sind sie aus Bamberg angereist, um die Zuschauer aufzurütteln. Schunkelmusik allererster Güte könnte man anhand der Instrumente und ihrem oberfränkischen Dialekt meinen. . . wären da nicht der Rapper und Texte über Hühner und Hähne oder verrückte Berliner gewesen. Mit dieser Mischung animierten sie die Leute zu jeder Menge Polonaise tanzen und zum ersten Stimmungshoch. Am Ende stiegen die Mannen von der Bühne und liefen spielend zur gegenüberliegenden Seite, um das Publikum an Captain Planet abzugeben.

{image}Die Hamburger hatten es sichtlich schwer, die Stimmung auf diesem Level zu halten. Zu entspannt, zu sehr nach Tomte oder Kettcar klang der Indierock von Captain Planet. Hier zeigte sich schon ansatzweise, was noch in den nächsten beiden Tagen deutlicher werden sollte: Gerade bei den unbekannteren Bands fanden die Spaßmacher mehr Anklang beim Publikum. Außerdem stand schon über die Hälfte aller Zuschauer vor der Hauptbühne, um auf Callejon zu warten. Bei so einem kleinen Festival (an diesem Abend dürften es um die 1500 Zuschauer gewesen sein) vielleicht nicht unbedingt nötig, verpassen würde man maximal das Intro, wenn man den Weg von der einen Bühne auf die andere antritt. Vielleicht aber auch verständlich, um wenigstens eine kurze Verschnaufpause von der permanenten Beschallung zu bekommmen.

{image}Schon bei Callejon hätte man denken können, sie seien der Headliner und nicht Royal Republic. Die versammelte Menge ging auf den Metalcore ab, pogte alles und jeden um und wer früher am Tag noch nicht vom Regen nass wurde, konnte sich ein Schweißbad in der Menge abholen. Die Wall of Death durfte natürlich auch nicht fehlen und wer bis dahin noch nicht überzeugt war, konnte vielleicht mehr mit dem Schrei nach Liebe-Cover von den Ärzten anfangen. Ob man die ständigen Zwischenansagen über dicke Eier, Penisse oder der Schwanzlänge in dieser Häufigkeit lustig fand sei jedem selbst überlassen, musikalisch lieferten Callejon eine gewaltige Show ab.

{image}Zur Verschnaufpause vor dem eigentlichen Headlinern konnte man zu Beat!Beat!Beat! auf die Sparkassen-Bühne wechseln, und auch diese Jungs konnten eine kochende Stimmung nicht warm halten. Dafür dass sie noch vor zwei Jahren in der Indieszene so gehypt wurden gesellte sich ihr Auftritt zu solchen, die zwar nett anzuhören sind, aber keine wirklichen Überraschungen bereithalten. Da sparte man doch lieber seine Kraft für die aktuell gehypten Schweden von Royal Republic. Eine geballte Ladung Rock'n'Roll ist um kurz vor Mitternacht auf die Bühne gedonnert, der erste ausländische Act des Trebur Open Airs. Vielleicht kam die Stimmung nicht ganz an Callejon ran, dafür hat man mit Sänger Adam Grahn einen symphatischen Entertainer bekommen.

{image}Viel Gerede zwischen den einzelnen Songs machte den Auftritt von Royal Republic aus, inklusive Chuck Norris-Witzen und Anekdoten über ihre vorigen Auftritte. Ihre Begründung: Da sie bisher nur ein Album veröffentlicht haben können sie einfach nicht durch Musik ein einstündiges Set füllen. Aber nicht nur im Reden waren die Schweden gut, auch Songs wie Underwear, Full Steam Spacemachine oder Cry Baby Cry machten sich live fast sogar noch besser als auf Platte.

Der Freitag hat nach einem regnerischen Anfang doch noch ein trockenes Ende genommen – doch das sollte nur die Ruhe vor dem sprichwörtlichen Sturm werden. Viele gute regionale Acts wurden am Samstag und Sonntag noch erwartet, und natürlich durften Headliner wie Skindred, die Rakede, Bakkushan oder Blumentopf nicht verpasst werden – alles dazu in den Berichten von Samstag und Sonntag.

Weitere Berichte und Galerien vom Trebur Open Air 2011:

► Die Fotos vom Freitag mit Sunclinch, Morning Boy, The Rattlesnake Orchestra, Illectronic Rock, Nukular, Kellerkommando, Callejón, Beat!Beat!Beat! und Royal Republic

► Die Fotos vom Samstag mit nungo, Supernova Plasmajets, Shy Guy At The Show, Phrasenmäher, The Jerks, Kiemsa, Die Rakede und Skindred

► Der Samstag ging noch steiler: Der Bericht vom zweiten Tag

► Die Fotos von Sonntag mit Bakkushan, The C-Types, OffLine, Naturlich, Wohnraumhelden, Dear Snowcap, Simeon Soul Charger, Kafkas, Boy Hits Car und Blumentopf

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