Delay Trees (live in Heidelberg, 2011)

Delay Trees (live in Heidelberg, 2011) © René Peschel

iLiKETRAiNS, die Postrocker aus dem englischen Leeds zelebrierten ihre schweren, düsteren Visionen im Heidelberger Karlstorbahnhof. Die junge finnische Band Delay Trees bot einen überzeugenden Support.

{image}Delay Trees sind eine junge finnische Band aus Helsinki, deren selbstbetiteltes Debütalbum in diesen Tagen in Deutschland erscheint. Ihr Name bedeutet – so die Band – nichts besonderes, sondern wurde lediglich gewählt, weil er gut klang. Ihre Musik wirkt, als sei sie in kalten, dunklen finnischen Winternächten komponiert worden. Sie ist verträumt, melancholisch, manchmal sogar depressiv wie im sehr an Suede erinnernden In February. Am überzeugendsten sind Delay Trees aber, wenn es ihnen gelingt, den gelegentlich etwas eintönigen Dämmerzustand zwischen Tag und Nacht zu verlassen und ihre Pop-Sensibility aufblitzen lassen (Quarantine).

{image}Die Musik von iLiKETRAiNS lässt sich ebenfalls am besten mit Worten wie "düster" und "melancholisch" beschreiben. Während Delay Trees jedoch Anklänge an Dream-Pop erkennen lassen, pflegen iLiKETRAiNS einen härteren, schwereren Sound. Sie verbinden ein kraftvolles Schlagzeug mit einem dichtgewobenen Wall Of Sound aus Gitarren und Bass sowie dem intensiven Barriton von Sänger David Martin. Die Verwandtschaft zu den ebenfalls aus Leeds stammenden Sisters Of Mercy oder zu Joy Division aus dem nicht all zu weit entfernten Salford liegt jedenfalls näher als zu Godspeed You Black Emperor! oder Sigur Ros. 

{image}Songs von einer vergleichbaren Güte wie die zuvor genannten Bands haben iLiKETRAiNS jedoch nur wenige aufzuweisen. So behelfen sie sich mit mächtig aufgetürmten Gitarrenwänden, durchdringenden Crescendos und ähnlichen Variationen der Dynamik. Über allem schwebt ein Gefühl der bombastischen Gleichförmigkeit, das denjenigen entgegenkommt, die im Auge des Orkans "chillen" wollen, aber diejenigen etwas enttäuscht, die sich über neunzig Minuten mehr versprochen hatten als ein Lied, das in Tempo und Ausdruck in nur unwesentlich anderer Form variiert wird. Daran vermögen weder die ungewöhnliche Rhythmik einiger Songs, noch die interessanten Texte, die man live sowieso nicht verstehen kann, etwas zu ändern. Gegen Ende des Konzertes steigert sich die Band, dennoch bleibt der Gesamteindruck im Wesentlichen zwiespältig.

Die rund 120 Zuschauer im eher spärlich gefüllten Karlstorbahnhof sehen sich daher auch nicht genötigt, sich während des Konzerts zu bewegen oder anders als durch bloßes Zuhören Anteil am Konzert zu nehmen. Der Applaus fällt daher eher freundlich aus, nur ganz selten zeigt sich so etwas wie Begeisterung. Aber dazu geben auch weder Band noch Musik Anlass.

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