Dinosaur Jr. (live in Mannheim, 2010)

Dinosaur Jr. (live in Mannheim, 2010) © René Peschel

Dinosaur Jr. und Built to Spill zusammen auf Tour! Indiemusiklegenden, Gitarrenfeedbackgewitter, Endlosjimmyhendrixgedächtnisgitarrensoli sind da nur die ersten Stichworte, die einem zu diesen Bands einfallen. Und: Alle Erwartungen wurden erfüllt.

{image}Die Großtat der Alten Feuerwache, nämlich Dinosaur Jr. und Built to Spill für einen gemeinsamen Gig nach Mannheim zu holen, muss hier als erstes gebührend erwähnt werden. Doch wer soll bei einem solchen Paket eigentlich der Headliner sein? Beide Bands dienen seit den 80ern als Referenzpunkte für die Entwicklung der Gitarrenmusik. Ihren Einfluss auf die heutige Musik und auf zahlreiche einzelne Bands kann man nicht hoch genug bewerten, wobei beide legendären Acts wiederum auch selbst knietief in den Annalen der Musikgeschichte waten. Am Ende war die Entscheidung über die Spielreihenfolge viellleicht doch gar nicht so schwer: Da es kaum eine lautere Live-Band als Dinosaur Jr. gibt, macht es für die zweite Band eines Gigs eigentlich nur Sinn zuvor zu spielen, es sei denn, das nach Mascis Marshall-Gitarrensalven ertaubte Publikum soll die eigene Musik nur noch als Background zu Rauschen und Fiepen wahrnehmen.

{image}Built to Spill waren an diesem Abend in der Feuerwache also als Vorband an der Reihe und spielten Songs aus fast allen Phasen ihrer 18jährigen Bandhistorie. Die fünf Mannen aus Idaho gaben ihre kantige Musik zum besten, die den Gegenpol zum hellen Gesang Doug Martschs bildet. Viel Feedback, Gitarrensoli und durchdachte Arrangements sind dabei das Markenzeichen der Band, die sich durchaus auch am 70er-Jahre Rock orientiert. Dabei mischte sich auch das ein oder andere poppigere Stück darunter. Built to Spill konnten die Feuerwache damit begeistern, obwohl ihre Entertainmentbemühungen bekanntermaßen auf das Wesentliche reduziert sind: Die politisch links orientierte Band bleibt ihrer demonstrativ lakonischen Anti-Haltung stets treu. Sehr erfreulich und erfrischend in Zeiten der wuchernden Performance-Drills bei Castingformaten. Das wirkte alles schon sehr abgeklärt, vielleicht auch ein wenig wie aus der Zeit gefallen, setzte aber ein entspanntes Gegengewicht zu vielen anderen Bands.

{image}Dinosaur Jr., die nach der Umbaupause, in der die Verstärkerwände angeschaltet wurden, die Bühne betraten, zeigten dagegen ein klare Arbeitsteilung. Lou Barlow war für Unterhaltungen mit den Zuschauern und die Emotionen auf der Bühne zuständig, während J Mascis stoisch die Gitarre bediente und dabei hin und her wippte. Und Murph? Der fehlte, wurde aber von Kyle Spence würdig vertreten. Trotz der unterschiedlichen Aufgaben funktionierten Dinsosaur Jr. wie ein Uhrwerk. So wechselten sich Hits aus fast allen Alben, wie Get Me, Feel The Pain, Just Like Heaven mit neueren Stücken wie Over It, Almost Ready und Imagination Blind ab. Die Band spielte präzise und mit einer kaum aushaltbaren Wucht. Das konnte natürlich auch an der bereits erwähnten unfassbaren Lautstärke liegen, doch das Publikum ließ sich davon nicht am begeisterten Abgehen hindern. Nach ungefähr zwei Stunden hatten Dinosaur Jr. ausgespielt und hinterließen ein sehr zufriedenes Publikum.

 

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