Zum ersten Mal standen Tania Giannouli und Nils Petter Molvaer bei Enjoy Jazz 2025 gemeinsam auf der Bühne – und zwar in der fast ausverkauften Friedenskirche in Ludwigshafen. Das Ergebnis war ein ruhiges, abstraktes Konzert, das in seiner Unbestimmtheit stets eine gewisse Distanz wahrte.

Bereits zum zweiten Mal innerhalb einer Woche präsentierte Enjoy Jazz ein Duo aus Klavier und Trompete: Nach Vijay Iyer und Wadada Leo Smith nun also Tania Giannouli und Nils Petter Molvaer. Während Iyer und Smith auf eine jahrzehntelange Zusammenarbeit zurückblicken können, war dieses Konzert der erste gemeinsame Live-Auftritt der griechischen Pianistin und des norwegischen Trompeters.

Die Idee zu dem Projekt entstand offenbar spontan bei einem gemeinsamen Abendessen während einer früheren Ausgabe von Enjoy Jazz. Molvaer äußerte seine Bewunderung für Giannoulis Musik und äußerte den Wunsch nach einem gemeinsamen Projekt. Festivalleiter Rainer Kern ergriff die Gelegenheit beim Schopfe, und so kam es zum Auftritt in der nahezu ausverkauften Friedenskirche.

Der Trompeter

Ein ekstatisches Feuerwerk hatte wohl kaum jemand erwartet – und tatsächlich blieb Molvaer seinem charakteristisch zurückhaltenden Stil treu. Mit leisen, melancholischen Linien und seinen vertrauten elektronischen Texturen schuf er eine dichte, atmosphärische Klanglandschaft.

Im Vergleich zu Wadada Leo Smith fällt der Unterschied deutlich auf: Smiths Ton ist warm und einnehmend, während Molvaer Spiel abstrakter, kühler, sparsamer wirkt – fast wie aus der Ferne kommend.

Die Pianistin

Überraschend war für viele Zuhörerinnen und Zuhörer wohl Tania Giannoulis Klavierspiel. Sie arbeitete intensiv mit dem präparierten Klavier, griff in die Saiten, dämpfte Töne mit der Hand oder ließ sie verhallen. Technisch zweifellos beeindruckend doch diese Klangsprache machte das ohnehin schon ätherische Konzert noch abstrakter, noch schwerer zu greifen.

Während Iyer und Smith in ihrem Duo von einer spürbaren Humanität und Harmonie getragen wurden, blieb bei Giannouli und Molvær eine gewisse emotionale Distanz. Trotz sichtbarer Sympathie zwischen den beiden gelang es ihnen nicht immer, die Brücke zum Publikum zu schlagen – jedenfalls nicht zu mir.

Ein Konzert auf Abstand

Schlecht war es keineswegs. Auch in den leisesten Momenten bewahrte die Musik Spannung und entfaltete mitunter eine cinematische Qualität. Was ihr jedoch fehlte, war ein Hauch von Nahbarkeit – jene Wärme, die aus der Abstraktion eine wirkliche Begegnung werden lässt.

Hinweis: Die Bilder von Manfred Rinderspacher stammen von der Generalprobe des Konzerts.