Während Vijay Iyer inzwischen zu den jährlichen Gästen des Enjoy Jazz Festivals zählt, tritt Wadada Leo Smith erstmals bei diesem auf, wie Festivalleiter Rainer Kern eingangs betont.
Der 83-jährige Trompeter zählt zu den wichtigsten lebenden afro-amerikanischen Jazzmusikern und verfügt über eine unverwechselbare Stimme und Persönlichkeit.
Große Zurückhaltung
Iyer und Smith machen seit vielen Jahrzehnten gemeinsam Musik und haben jüngst ein Duo-Album mit dem Titel "Defiant Life" veröffentlicht. Wie könne Leben anders sein als "defiant", also trotzig, sein, fragt Iyer und überlässt es den Zuschauern, ihre eigenen Schlüsse zu ziehen.
Diese Offenheit zeigt sich auch in der Musik. Vijay Iyer und Wadada Leo Smith spielen ihre sparsamen Kompositionen mit großer Zurückhaltung. Die Stücke wirken oft wie Meditationen über die Realität, denn wie zupackende Auseinandersetzungen mit ihr.
Leise Töne
Das ist deshalb bemerkenswert, da die Titel der Kompositionen auf dem neuen Album klare Verweise enthalten, beispielsweise auf den 1961 ermordeten kongolesischen Premieminister Patrice Lumumba und auf den palästinensischen Lyriker und Schriftsteller Refaat Alareer, der 2023 bei einem israelischen Luftangriff auf Gaza ums Leben kam.
Dieses Stück trägt den Titel "Kite", eine Anspielung auf das bekannteste Gedicht Alareers mit dem Titel "If I Must Die" und Iyer hat es bereits 2024 bei seinem Konzert im Heidelberger Karlstorbahnhof gespielt. Was damals noch explosiv war, ist nun weitgehend introspektiv und gleicht einer musikalischen Suche, die viel Raum für leise Töne und viel Freiraum lässt.
Wärme und Klarheit
In manchen Stücken wirkt es so, als würde Vijay Iyer sein Klavierspiel bzw. seine elektronischen Klänge hauptsächlich dazu benutzen, eine Basis für Wadada Leo Smiths Trompetenspiel zu schaffen. Dieses ist von herrlicher Wärme und Klarheit und die hervorragende Akustik im Gesellschaftshaus illustriert diese Stärke umso mehr.
Iyer und Smith sind sich offensichtlich in großer Zuneigung verbunden. Diese Verbundenheit spiegelt sich in der Musik wieder, die große Humanität ausstrahlt und stets einladend wirkt. Die Zuschauer sind jedenfalls begeistert und erheben sich zum Ende des etwas mehr als einstündigen Konzerts für Standing Ovations.












