Von Anfang an ist klar: Das legendäre Konzert aus dem Jahr 2018, als Kraftwerk vom Schlossplatz aus mit Astronaut Alexander Gerst auf der ISS musizierten, werden Kraftwerk an diesem Dienstagabend bei den Jazzopen in Stuttgart nicht toppen.
Wer schon einmal ein Kraftwerk-Konzert besucht hat, wird in Stuttgart insgesamt wenig neue, spektakuläre Eindrücke gewonnen haben. Die Setlist hat sich in den letzten 10-15 Jahren nur punktuell verändert. Es gibt einen neuen, wenig spektakulären Song namens Tango, dazu die vertrauten Klassiker von "Computerwelt" bis "Das Model".
Teilweise Rückkehr zum alten Sound
Lohnenswert wurde der Auftritt durch eine gewisse Wiederannäherung an den warmen Sound der analogen Synthesizer der 1970er und 1980er. Während Kraftwerk bei ihren Konzerten vor ca. 10 Jahren noch sehr harte, technoide Klänge verwendeten, klingen sie in Stuttgart offener und zugänglicher.
Das macht sich besonders bei langen Stücken wie "Autobahn" bemerkbar, bei dem die einzelnen Parts klarer erkennbar sind, wodurch ihr Charakter besser hervortritt. Ein weiteres Highlight ist das Tour de France-Medley, das mit eindrucksvollen Bildern das Auf und Ab des Sportevents genial illustriert.
Natürlich dürfen auch die wirklich visionären Songs wie "Computerwelt", "Computer Liebe" oder "Radioaktivität" nicht fehlen. Hier macht sich allerdings ebenso wie bei "Das Model" bemerkbar, dass der Gesang – in Form von Ralf Hütters Stimme – oft unterzugehen droht, und zwar besonders dann, wenn er nicht verfremdet ist. "The Man-Machine" leidet nämlich nicht unter diesen Problemen.
Mensch und Machine
Insgesamt zeigt das Konzert, warum Kraftwerk national und international zu den einflussreichsten Bands der Popgeschichte gezählt werden. Dafür sorgt ihre wirklich beeindruckende Fülle an elektronischen Sounds, die mit dem Mittel der Repetition einen eindrucksvollen Sog erzeugen.
Dass Kraftwerk dennoch stets Distanz zu ihrem Publikum wahren, ist offensichtlich. Obwohl von Menschen gemacht, verschwindet die Individualität in der Musik hinter einem undurchdringlichen Gesamtsound, der nicht einzelnen Personen zugeordnet werden kann.
Stattdessen verschwimmt die Grenze zwischen Mensch und Technik, das musizierende Individuum löst sich auf und zurück bleibt, ein maschinell erzeugter Gesamtsound, der gerade deshalb die menschliche Erfahrung gut repräsentiert.
Setlist
Nummern->Computerwelt->Computerwelt 2 / Heimcomputer -> It's More Fun to Compute / Spacelab / Ätherwellen / Tango / The Man-Machine / Electric Café / Autobahn / Computer Liebe / Das Model / Neonlicht / Geigerzähler / Radioaktivität / Tour de France -> Tour de France Étape 3 -> Chrono -> Tour de France Étape 2 / Trans-Europa Express -> Metall auf Metall -> Abzug / La Forme / Planet der Visionen / Boing Boom Tschak->Techno Pop / Musique Non Stop // Die Roboter












