Roboter altern nicht – und Kraftwerk scheinbar auch nicht. In der Frankfurter Jahrhunderthalle demonstrieren die Düsseldorfer eindrucksvoll, wie ihr multimediales Gesamtkunstwerk selbst nach über fünfzig Jahren noch immer neue Funken schlägt.

Wenn es um international bekannte Künstler aus Deutschland geht, führt an Kraftwerk kein Weg vorbei. Seit mehr als fünf Dekaden sind die Düsseldorfer Roboter um Ralf Hütter inzwischen aus der globalen Musikszene kaum noch wegzudenken – und sie sind noch lange nicht am Ende, wie ihre groß angelegte Multimedia-Tour zeigt.

Der Ton macht die Musik

Nachdem "Nummern" und "Computerwelt" das Set eröffnet haben, navigieren Kraftwerk mit gewohnter Präzision durch ihre dreidimensionalen Klangsuiten. Ein wichtiger Teil der Inszenierung sind dabei gelungene Videoanimationen, die die Düsseldorfer bei "Spacelab" sogar mit einem Raumschiff zur Jahrhunderthalle fliegen lassen.

Mehr Bühnenshow gibt es nicht. Denn der Vierer, der neben Mastermind Ralf Hütter mittlerweile aus Henning Schmitz, Falk Grieffenhagen und Georg Bongartz besteht, agiert statisch hinter seinen Pulten. Nicht einmal ihre Gesichter sind ausgeleuchtet. Sie lassen stattdessen lieber ihren "Kling-Klang" für sich sprechen.

Vorweihnachtlicher Roboter-"Tango"

Der beinhaltet an diesem Abend allerdings ein paar kleinere Überraschungen: Bereits recht früh am Abend zaubert das Quartett mit "Tango" ein bislang unveröffentlichtes Stück aus dem Hut, das sich beinahe nahtlos an "Ätherwellen" anschmiegt.

Außerdem gibt es mit "Merry Christmas Mr. Lawrence" aus dem gleichnamigen Film mit David Bowie ein kurzes Ryochi Sakamoto-Cover. Hütter beschreibt den vor zwei Jahren verstorbenen Japaner als lebenslangen Freund – und man spürt, dass es ihm ernst damit ist.

Zeitloser "Techno Pop"

Ansonsten bleiben Kraftwerk sich und ihrem Anspruch als Gesamtkunstwerk treu. Stücke wie "The Man-Machine", "Trans-Europa-Express" und "Boing Boom Tschak" untermauern ihre Rolle als Techno-Pioniere

Klassiker wie "Autobahn", "Computer Liebe", "Das Model" oder "Die Roboter" beweisen hingegen eindrucksvoll, warum die Düsseldorfer bis heute einen unbestrittenen Einfluss auf die Popwelt haben.

Akustische "Tour de France" – oder besser: Tour de Force

Dass das Ganze in Frankfurt druckvoll und glockenklar aus den Boxen tönt, ist nicht zuletzt der fantastischen Raumakustik der Jahrhunderthalle zu verdanken. Sie macht ihrem Ruf als bestklingende Arena in der Mainmetropole an diesem Abend einmal mehr alle Ehre.

Gerade bei Kraftwerk mit ihren Quietsch-, Fiep- und Zirr-Sounds und vielen feinen klanglichen Nuancen macht Transparenz den entscheidenden Unterschied.

"It’s More Fun To Compute"

Nach guten zwei Stunden wummernder Bässe, hupender Autos, schnaufender Radfahrer und stimmungsvoller Animationen verabschieden sich die Düsseldorfer schließlich standesgemäß mit jenem Stück, das ihr Image seit Jahrzehnten prägt: "Die Roboter" sagen ihren begeisternden Fans Lebewohl.

Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Ralf Hütter und seine Mannen sind und bleiben nach all den Jahren weiterhin (ein wahres) Kraftwerk.

Setlist

Nummern – Computerwelt – Computerwelt 2 / It’s More Fun To Compute – Heimcomputer / Spacelab / Ätherwellen / Tango / The Man-Machine / Electric Café / Autobahn / Computer Liebe / Das Model / Neonlicht / Metropolis / Merry Christmas Mr. Lawrence / Geigerzähler / Radioaktivität / Vitamin / Tour de France – Tour de France Étape 3 – Chrono – Tour de France Étape 2 / La Forme / Trans-Europa-Express – Metall auf Metall – Abzug / Planet der Visionen / Boing Boom Tschak – Techno Pop – Musique Non Stop // Die Roboter