Den Auftakt bilden jedoch erst einmal die beiden Opener Giordana Angi und Jarle Bernhoft. Sowohl die italienische Liedermacherin als auch der norwegische Künstler, dessen Musik sich irgendwo zwischen Soul, Funk, Rock, Pop und Folk bewegt (er selbst bezeichnet sein Genre laut Rolling Stone liebevoll als "Swampy Chocolate Gravel") stellen sich allein, aber ausgestattet mit Loopstationen auf die Bühne.
Diese ermöglicht es den beiden, ihre Songs Stück für Stück auf- und auszubauen. Bernhoft funktioniert seine Gitarre dafür kurzerhand zum Schlaginstrument um und überzeugt mit der ein oder anderen Beatbox-Einlage. Das Publikum spendet für beide Auftritte reichlich Applaus.
Direkt ans Eingemachte
Um zwanzig vor neun betritt schließlich Sting die Bühne. Ohne großes Drumherum finden er und seine Band sich an ihren Plätzen ein und starten mit "Message in a Bottle" direkt mit einem der ganz großen Klassiker aus dem Repertoire von Stings ehemaliger Band The Police.
Das Publikum zeigt sich begeistert – und darf sich an diesem Abend noch auf viele weitere Songs der britischen New-Wave-Band freuen. Nur zehn und damit gerade einmal die Hälfte aller an diesem Abend gespielten Songs stammen tatsächlich aus Stings Soloschaffen.
Wirklich überraschend ist das nicht, bedenkt man, dass Stings Auftritt auf dem Jazzopen Teil seiner "My Songs"-Tour ist, in der der Musiker aus Newcastle seine bisherige Karriere Revue passieren lässt und sich gemeinsam mit seinen Gästen auf eine musikalische Reise durch seine inzwischen fast 50-Jährige Laufbahn begibt.
Inzwischen wird Sting zwar nicht mehr von Andy Summers und Steward Copeland begleitet, mit Dominic Miller an der Gitarre und Chris Maas am Schlagzeug gelingt es der neuen Besetzung an Stings Seite dennoch, das Publikum von sich zu überzeugen. Eine ganz neue Ergänzung stellt auch Gebärdendolmetscherin Cindy dar, die die Auftritte des Jazzopen in diesem Jahr begleitet. Nach dem zweiten Song des Abends unterbricht Sting sein Set kurz, um diese zu begrüßen. Bei einem Händeschütteln bleibt es nicht, am Ende des Konzerts, holt Sting ihr auch ihren ganz eigenen Applaus ein.
Englishman in Stuttgart
Hat sich Sting zunächst noch etwas wortkarg gegeben, richtet er sich jetzt nach "Englishman in New York" und "Every Little Thing She Does Is Magic" an das Publikum. "Guten Abend meine Damen und Herren, wir spielen heute auf dem Jazz Festival zum zweiten Mal!", begrüßt er die Menge vor sich auf flüssigem Deutsch. Zwar hört man doch einen Akzent durch, während er spricht, wie ein Alien scheint sich Sting auf der Stuttgarter Bühne jedoch anders als in seinem großen Hit so ganz und gar nicht zu fühlen.
Lässig an einen Barhocker gelehnt, gibt er den nächsten Song zum Besten, nachdem er diesen – ebenfalls auf Deutsch – eingeleitet hat. Auch sonst scheint Sting seinen Auftritt sichtlich zu genießen. Immer wieder wandelt er seine Songs so ab, dass er noch etwas länger in ihnen schwelgen kann und lädt das Publikum dazu ein mit einzustimmen und es ihm gleich zu tun. Mal soll dieses einzelne Liedzeilen wiederholen, mal gibt es einen Ping-Pong-artigen Austausch von "Eyoos". Das Konzert wird zu einer gemeinsamen Jamsession zwischen Sting, Band und Publikum.
Dass die Hitdichte bei 50 Jahren erfolgreicher Musikkarriere komprimiert auf eine Stunde und vierzig Minuten ziemlich hoch ist, ist naheliegend. Ob "Desert Rose", "Can’t Stand Losing You" oder "Fields of Gold" – Highlights gibt es an diesem Abend definitiv gleich mehrere.
Während letzteres Lied in der späten Abendsonne gespielt wird, gehen ganz unaufgefordert einige Hände in die Höhe, bei "Shape Of My Heart" sind es dann Handytaschenlampen und das ein oder andere Feuerzeug.
Einen weiteren Höhepunkt stellt die Performance des 1978 veröffentlichten Songs "So Lonely" dar, der sich an diesem Abend überhaupt nicht so lonely anfühlt. Im Publikum wird geklatscht, getanzt und lautstark mitgesungen. Die Stimmung könnte besser nicht sein.
Extrarunde für die Fans
Auch der düstere, aber ganz und gar nicht minder beliebte Mega-Hit "Every Breath You Take" wird begeistert aufgenommen und bekommt von Sting sogar eine Extrarunde Refrain angehängt. Danach verlassen er und seine Mitmusiker die Bühne, während der Stuttgarter Ehrenhof in tosenden Applaus ausbricht.
Lange lässt die Gruppe ihre Fans nicht warten, bis sie auf die Bühne zurückkehrt. "I’m not sure which song you want to hear right now", neckt Sting das Publikum, während bereits die ersten Takte von Roxanne erklingen. Auch hier bleibt Sting seiner Vorliebe für "Eyoo"-Einlagen treu und tauft Roxanne zwischendurch zu Roxanneyoo um.
Als letztes Lied des Abends folgt mit "Fragile" noch ein ruhigerer Song, der ein dadurch aber umso deutlicher hörbareres Raunen durch die Menge gehen lässt. Am Ende verbeugt sich die Band Hand in Hand vor dem Publikum. Bevor Sting dann endgültig die Bühne verlässt, sendet er noch einen Luftkuss in die Menge.
Alles in allem bieten Sting und seine Band auf den Jazzopen ein Konzert ohne viel Trara, dafür aber mit einer trotz großem Anlauf doch bemerkenswert persönlichen Atmosphäre und jeder Menge zeitlosen Songs.
Setlist
Message In A Bottle / If I Ever Lose My Faith In You / Englishman In New York / Every Little Thing She Does Is Magic / Fields Of Gold / Never Coming Home / Seven Days / When We Dance / Driven To Tears / Can’t Stand Losing You / I Wrote Your Name / Shape Of My Heart / Walking On The Moon / So Lonely / Desert Rose / King Of Pain / Every Breath You Take / Zugabe: Roxanne / Fragile













