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Alice Cooper (live in Mannheim 2019) © Torsten Reitz

Der 71-jährigen Hardrock-Legende Alice Cooper gelingt auf seiner "Ol' Black Eyes Is Back"-Europatournee auch eine halbvolle SAP Arena mit ohrenbetäubenden Versionen seiner Hits und gut abgehangenen Gruseleffekten in Ekstase zu versetzen.

Das erste Deutschlandkonzert der Tournee von Alice Cooper verursacht keinen Massenauflauf vor der Mannheimer SAP Arena.

Beim Eintritt in die Halle müssen die üblichen Verdächtigen der Wacken-Gemeinde und Hardockfans in AC/DC- oder Iron Maiden-Shirts feststellen, dass der Oberrang komplett abgehängt und die restliche Halle nur mäßig gefüllt ist. Die offizielle Zuschauerzahl: 3.000 zahlende Gäste.

Engagierter Support

Dem Support Black Stone Cherry wird dann ein großzügiger Slot von 45 Minuten eingeräumt. Die Mischung aus Stoner/Grunge-Rock (Pearl Jam) mit Southern-Rock-Einflüssen (Black Crowes) erinnert schwer an die 90er, als die USA den Musikmarkt mit ähnlichen Bands fast überfluteten.

Die engagierte Performance und die Wucht der klassischen Rockgitarren werden von der langsam anwachsenden Zuschauermenge aber dankbar angenommen. Ein guter Auftakt für einen langen Konertabend.

Eine lange Karriere

Vincent Damon Furnier, Sohn eines Pastors, Alleinerfinder des Schock-Rocks und personifizierter Bürgerschreck der 70er blickt auf eine wechselvolle 50-jährige Karriere zurück.

Von den kargen Psychedelic-Rock-Anfängen über den Durchbruch mit "Schools Out" und "Billion Dollar Babies" zu Beginn der 70er, endlosen Plattenaufnahmen und Tourneen, Alkoholabsturz und Neudefinition Ende der Achtziger bis hin zur Filmkarriere ("Wayne’s World") und Konservierung des eigenen Kults bis heute.

Ohrenbetäubender Rock von Anfang an

Nach zwei pointierten Intro-Stücken vom Band begrüßt Alice Cooper in schwarz-weißer Robe, mit Zylinder und Taktstock bewaffnet die Menge in seinem "Nightmare Castle".

"Feed My Frankenstein" vom 91er "Hey Stoopid"-Album ist mit übergroßer Frankensteinpuppe und kreischend-eingängigem Refrain auch gleich ganz nach dem Geschmack der Fangemeinde, die sich im Stehbereich dicht drängt und voll mitgeht.

"Million Dollar Babies" als zentraler Teil der Show

"No More Mr. Nice Guy", die brachiale Kampfansage aus dem Jahr 1973 verfehlt als zweiter Song seine Wirkung nicht. Cooper zieht an diesem Abend mit dem feisten "Raped & Freezin", "I Love The Dead" und vor allem dem Titelsong etliche weitere Stücke von seinem besten Studioalbum "Million Dollar Babies" aus dem Zylinder und gibt dabei dem Affen ordentlich Zucker.

Wo Produzent und Entdecker Bob Ezrin zusammen mit der ersten Alice Cooper Band in den 70ern mit differenzierten Arrangements (Bläser, Streicher) für das Außergewöhnliche sorgte, lassen 2019 drei Gitarristen, Bassist und Schlagzeuger keinen Platz zum Verschnaufen.

Band & Sound

Neben Cooper als Zeremoniemeister fällt besonders die blonde Gitarristin Nita Strauss ins Auge. Wie ein Derwisch jagt sie durch das mehretagige Spukschloss.

Die drei anderen Männer an den Saiten kommen wie Slash- und Izzy Stradlin-Lookalikes daher, inklusive Gitarrist Tommy Henriksen, der zugleich Produzent von Coopers Nebenprojekt Hollywood Vampires ist. Schlagzeuger Glen Sobel erhält hingegen für seine enorme Power und Virtuosität mehrfach Szenenapplaus.

Facettenreiches Material

Alice Cooper, der während der Show öfters das Outfit wechselt, gelingt es geschickt seine bekannteren Songs und Hits in das Set und um die Effekte zu drapieren. "Bed Of Nails" und das viel umjubelte "Poison" sind Spätachtziger Sleaze Rock, wie er nur damals entstehen konnte und sein 89-er Album "Trash" millionenfach über die Ladentheke wandern ließen.

Das uralte "I’m Eighteen" plärrt immer noch unwiderstehlich adoleszent aus den Boxen, während der Entertainer an einer überdimensionalen Krücke geht. "Fallen In Love" erweist im Boogie-Stil mit bluesiger Mundharmonika der neuesten Platte "Paranormal" die Ehre.

Schockeffekte aus den 80ern

Es ist ein Manko, dass die Show nicht über Bildschirme auch für die hinteren Ränge besser dargestellt wird. Im kleineren Mannheimer Rosengarten oder in der Frankfurter Jahrhunderthalle hätte das Konzept in Hinblick auf die Dimensionen besser funktioniert. 

Das Bühnenbild mit seinem "Nightmare Castle" ist sinnbildlich für die vielen 80er-Effekte dieses hemmungslosen Nostalgieabends. Bei "Roses on White Laces" läuft der Sänger mit dem Dolch seiner weißen Braut über die Burgmauer hinterher und zu "Billion Dollar Babies" tanzt ein riesiges Baby über die Bühne.

Bei "Steven" sehen wir den Protagonisten natürlich auch wieder in der Zwangsjacke und im Begriff ein Neugeborenes zu töten, was vereitelt werden kann. Zur Strafe endet Alice Cooper auf dem Schafott. 

Alice unsterblich

Aber es wäre keine Alice Cooper Show, wenn er nicht ganz im Sinne seines 75er "Welcome to my Nightmare“ Albums mit "Escape" seine eigene Widerauferstehung inszenieren würde. Die Fans wollen das so und nicht anders. Die Show wird abgefeiert!

Der US-Amerikaner, im Privatleben ein ausgezeichnetr Golfer mit eher konservativen politischen Ansichten, hat die Kunstfigur Alice erschaffen, die ihn Dank unverwüstlichem Augen Make-Up und schwarzer Haarpracht auch heute bei seiner Horrorshow beste Dienste erweist. Doch Cooper sagt selbst, dass dies alles nichts nutzen würde, wenn die Songs alleine nicht gut genug wären.

Ein denkwürdiges Finale

"Teenage Frankenstein" beschließt das reguläre Set bevor als erste Zugabe "Under My Wheels" vom denkwürdigen "Killer"-Album wie ein Tornado über die immer noch begeisterte Menge fegt. Alice Cooper setzt aber natürlich erst mit seinem bekanntesten Hit "School’s Out" den ganz großen Schlusspunkt.

Der Mann aus Detroit, Michigan tänzelt im Konfettigewitter zu Stakkato-Gitarren und donnerndem Schlagzeug wie ein degenerierter Uncle Sam ganz in weiß über die Bühne und wirbelt dabei den Taktstock. Die Menge vor der Bühne tobt.

Brückenschlag am Ende

Die Kunstfigur Alice Cooper ist voll in ihrem Element und hängt gleich noch ein paar Takte von "Another Brick In The Wall Part 2" an. Der Pink Floyd-Klassiker ist der passende Gegenpart zu Coopers Kulthit. Nicht das euphorisch-wilde Schulaus zur Ferienzeit wird gefeiert sondern Lehrerwillkür und verstaubte Erziehungsmethoden angeprangert.

Ein toller Brückenschlag und nach einer ausgiebigen mit Superlativen gespickten Vorstellung der Band verabschiedet sich Alice Cooper mit den treffenden Worten "May All Of Your Nightmares Be Horrific".

Setlist

Years Ago / Nightmare Castle / Feed My Frankenstein / No More Mr. Nice Guy / Bed of Nails / Raped and Freezin' / Fallen in Love / Muscle of Love / I'm Eighteen /Billion Dollar Babies / Poison / Guitar Solo (Nita Strauss) / Roses on White Lace / My Stars / Devil's Food / Black Widow Jam / Steven / Dead Babies / I Love the Dead / Escape / Teenage Frankenstein / Under My Wheels / School's Out

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