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ZZ Top (live in Hamburg, 2019) © Falk Simon

Alle reden nur über die Bärte, aber ZZ Top sind mehr als Gesichtsbehaarung: Auf ihrer Jubiläums-Tour bieten sie ihren Fans in der ausverkauften Barclaycard-Arena ein staubtrockenes, geradliniges Rockkonzert ohne jeden Schnickschnack.

Bärte, Bäuche, Bandanas: Das Publikum wirkt fast wie erfunden. Und es ist zahlreich erschienen: Die Barclaycard Arena in Hamburg ist ausverkauft. Erstaunlich für eine Band, die zuletzt 2012 ein Album veröffentlicht hat.

Aber klar: ZZ Top besitzen Legendenstatus, feiern in diesem Jahr ihr 50. Bandjubiläum – und sind live immer eine Bank. Da ist Hingehen Pflicht. Und soviel vorweg: Auch in Hamburg lieferten Billy Gibbons (69, Gitarre und Vocals), Dusty Hill (70, Bass und Vocals) und Frank Beard (69, Schlagzeug) ab.

Frisch und bleischwer

Los geht es um 20:05 Uhr standesgemäß mit "Got Me Under Pressure". Der Sound ist von Beginn an klar, wuchtig und so wüstentrocken, wie es der Boogie and Blues verlangt. Wer Ermüdungserscheinungen oder eine abgeklärte Routine-Show befürchtet, kann sich schnell entspannen.

Bei aller Eingespieltheit wirken die drei Musiker frisch, verschmitzt und hungrig. Es folgt ein schleppendes, bleischweres "I Thank You", jenes Sam & Dave-Cover, das ZZ Top erstmals 1979 auf "Degüello" veröffentlichten.

In Hamburg klingt der Song rauer und räudiger denn je. Das liegt auch an Gibbons‘ Stimme, die im Verlauf der Jahre dunkler und kratziger geworden ist, was seinen Worten zusätzliche Glaubwürdigkeit verleiht. In "Waitin‘ for The Blues" folgt dann der erste ausführliche Nachweis seiner Gitarrenkünste.

Viele Patronen im Gürtel

Wie die Band groovt sich auch das Publikum immer mehr ein. Der Crowdpleaser "Gimme All Your Lovin‘" kommt relativ früh im Set, ebenso wie "I’m Bad, I’m Nationwide". Aber ZZ Top haben eben einen Waffenschrank voller Hits im Gepäck.

Das Hamburger Publikum erlebt daher eine gesunde Mischung der großen Hits und versteckten Perlen. Besonders stark sind "My Head's in Mississippi" (bzw. in Hamburg, wie Gibbons singt), "Beer Drinkers & Hell Raisers" sowie das ewig junge "Just Got Paid" inklusive Bottleneck-Solo. Lässiger kann man den Boogie einfach nicht spielen. Natürlich spielen ZZ Top auch "La Grange".

Bluesrock ohne Schminke

Wirklich begeisternd ist aber unprätentiöse, pure Auftreten der Band. Gut, ein hin und wieder funkelnder Sternenhimmel im Bühnenhintergrund muss schon sein. Ansonsten aber kein Firlefanz, keine Schminke: Es spricht allein die Musik.

Dass Hill und Gibbons sich nicht nur in den einstudierten Parts synchron bewegen, muss an den 50 Jahren liegen, die die beiden nun nebeneinander musizieren. "Es ist jetzt 50 Jahre her und ich glaube, wir werden allmählich ziemlich gut. Die Bärte sind vielleicht etwas länger, aber alles andere hat sich nicht verändert und wir hoffen, dass es so bleibt", sagte Gibbons neulich in einem Interview.

Das hoffen wir auch. Denn ZZ Top mögen lange Bärte haben. Einen langen Bart aber haben sie noch lange nicht.

Setlist

Got Me Under Pressure / I Thank You / Waitin' for the Bus / Jesus Just Left Chicago / Gimme All Your Lovin' / Pearl Necklace / I'm Bad, I'm Nationwide / I Gotsta Get Paid / My Head's in Mississippi / Sixteen Tons / Beer Drinkers & Hell Raisers / Just Got Paid / Sharp Dressed Man / Legs // La Grange / Tush // Jailhouse Rock

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