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Kylie Minogue (live in Brüssel 2018) © Christie Goodwin/Darenote Ltd.

Die erste Tour nach acht Jahren ist wie ein Neustart für Kylie Minogue. Mit neuen Elementen, bei denen die Musik ins Zentrum rückt, peppt sie ihren Sound deutlich auf, ohne jedoch auf kultigen Trash ganz zu verzichten.

Der erste Teil der Show zeigt eine Kylie Minogue, die sich sehr von früheren Live-Auftritten unterscheidet. Schon das Opening ist überraschend unspektakulär.

Musiker und Tänzer sind schon in Aktion, da geht rechts die Doppelflügeltür unterhalb der schrägen Rampe auf und Kylie Minogue spaziert singend in den Saal. Der Titelsong "Golden" des neuen Albums ist ein erster Hinweis darauf, dass die Musik im Vordergrund stehen soll – und nicht die Show.

Rückblick

Die Veränderung ist eine verständliche Reaktion auf kylei der letzen Jahre. Nach dem Megaerfolg des Albums "Fever" 2001 mit über 6 Millionen verkauften Exemplaren und dem Superhit "Can't Get You Out Of My Head" folgten noch einige Hits und durchaus starke Alben. Aber spätestens mit dem Album "Aphrodite" begann der Abwärtstrend.

Das nächste Album "Kiss Me Once" war ein Flop. Dazu sorgte die Insolvenz ihres damaligen Tourveranstalters für die komplette Absage der für 2014 geplanten Deutschlandtour. Seit 2010 hatte sie somit nur den Auftritt als Headliner beim Melt! Festival 2015.

Nach einer so langen Abwesenheit ohne große Hits ist es nur konsequent und richtig, die aktuelle Tour in kleineren Hallen zu spielen als noch Anfang der 2000er Jahre. Die Jahrhunderthalle in Frankfurt ist nicht ausverkauft, aber gut gefüllt. 

Musik im Zentrum

Deutlich mehr als früher steht am Anfang statt der Show die Musik im Vordergrund. Mit engem Kontakt zu ihrem stets treuen Publikum liefert sie zuerst zwei alte Hits mit "Better The The Devil You Know" und "In Your Eyes", die vom Publikum frenetisch mitgesungen werden. Überraschend cool ist der neue Song "A Lifetime To Repair", dessen Melodie sofort ins Ohr geht.

Ein weiterer neuer Song, der mit seinem modernen Country-Stil hervorragend ins Set passt, ist "Stop Me From Falling". Der schnelle Up-Tempo Rhythmus kommt beim Publikum richtig gut an. Viele Zuschauer stehen, klatschen den Rhythmus und tanzen.

Es ist kein Zufall, dass Kylie auf den Country-Zug aufspringt, denn es ist längst kein Geheimnis mehr, wie sehr der moderne Country-Pop in Großbritannien boomt. Das in Nashville produzierte neue Album "Golden" liegt also genau im Trend . Es passt viel besser zu ihr als der gescheiterte Versuch, ihren Gesang auf Elektro-Pop zu trimmen.

Alte Hits im neuen Gewand

In anderen Momenten wird der Sound stellenweise sehr rockig, was gar nicht schlecht zu ihrer Stimme passt. Ein Highlight der Show ist eine neu arrangierte Version von "Slow". Kylie im knallengen Leder-Outfit, das sofort an ihren Spitznamen Geili Kylie erinnert, zeigt sich megasexy und rockt auf den nun fetten, brachialen Sound von Gitarren und Schlagzeug. 

Auch die energetische Version von "Kids" den sie einst mit Robbie Williams gesungen hat, pumpt Energie in die Halle. Die Zuschauer lassen sich miteißen, sorgen für mächtig Lärm. Erstmals rastet das Publikum so richtig aus.

Flitter und Glitter

Je mehr die Show sich der Zielgeraden zuwendet, desto mehr geht es wieder in Richtung des Stils, den man von Kylie seit Jahrzehnten kennt. Anders gesagt: Der von vielen belächelte und von ihren Fans so heiß geliebte Trash, eine Show aus schnulzig schönem Popsound mit viel Tanz, Flitter und Glitter, das muss einfach sein – sonst wäre es kein Kylie Minogue Konzert.

Wunderschöne Melodien wie das Duett "Especially For You", das sie einst mit Jason Donovan sang, werden vom Publikum zelebriert und mitgesungen. Der Sound ist ganz reduziert auf Stimme und Melodie. So wirkt auch "All The Lovers" noch intensiver, als endlich die erste Flitterkanone explodiert.

Studio 54

Im Stil des 1970er Disco-Sounds lebt der pure Kylie Stil nun vollständig auf. Die Kombination aus "New York City" und "Raining Glitter" passt perfekt, leitet perfekt den laut gefeierten Hit "On A Night Like This" ein. Mit leichter Selbstironie tanzen alle auf den "Loco-Motion" und die große Explosion folgt mit "Spinning Around".

Leider lässt Kylie mit "Your Disco Needs You" einen ihrer bekanntesten Songs aus. Nicht nur, dass das Lied thematisch perfekt gepasst hätte und immer für Riesenbegeisterung sorgt – bei anderen Konzerten hat sie den Song gelegentlich auf Publikumswunsch in der Zugabe gespielt.

Es ist schade, dass die Zuschauer in Frankfurt nicht in diesen Genuss kommen. So ist das Finale mit "Love At First Sight" und "Dancing" schön gestaltet, aber es fehlt der letzte emotionale Push, den "Your Disco Needs You" garantiert geliefert hätte. 

Tragfähiges Konzept

Insgesamt schlug Kylie Minogue teilweise überraschend ruhige Töne an – und bot erst im zweiten Teil des Konzerts den gewohnten Disco/Trash-Überschwang.

Die Mischung aus vertrauten und neuen Elementen sollte ihr ein tragfähiges Konzept für die Zukunft geben, mit dem sie auch bei ihren Festivalauftritten im Jahr 2019 (z. B. Rock Werchter) punkten kann.

Setlist

Golden / Better The Devil You Know / In Your Eyes / A Lifetime To Repair / Blue Velvet / Confide In Me / Where The Wild Roses Grow / Shelby '68 / Wow / Can't Get You Out Of My Head / Slow / Kids / The One / Stop Me From Falling / Wouldn't Change A Thing / I'll Still Be Loving You / Especially For You / Lost Without You / All The Lovers / (New York City / Raining Glitter / On A Night Like This) / The Loco-Motion / Spinning Around // Love At First Sight / Dancing

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