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Biffy Clyro (live in Frankfurt, 2018) © Peter H. Bauer

Biffy Clyro ziehen den Stecker: In der Alten Oper in Frankfurt präsentieren die rockigen Schotten im Rahmen ihres MTV Unplugged einen Querschnitt ihres musikalischen Schaffens in ungewohntem Akustik-Gewand. Wir haben mitgelauscht.

Was haben Nirvana, Revolverheld und Andreas Gabalier gemeinsam? Richtig, sie alle haben ein MTV Unplugged-Konzert gespielt. Die legendäre TV-Reihe ist mittlerweile so ausgeufert, dass gefühlt jeder Künstler einmal für seine Fans den Stecker ziehen will.

Nicht zu jedem aber passt das Format eines Akustikkonzerts. Interessant wird das Konzert, wenn sich der Sound einer Band dadurch verändert und Songs neu interpretiert und arrangiert werden.

Stimmgewaltig

Wer dem Support des Abends, Andrew Groves, alleine mit seiner Akustikgitarre zuhört, registriert verblüfft, wie druckvoll dieser mit seiner Band Arcane Roots klingt – es wird sogar geshoutet.

Mit einer engelsgleichen Stimme und beeindruckender Treffsicherheit auch in hohen Lagen präsentiert der Frontmann sein Repertoire. Groves bedankt sich artig bei seinen deutschen Fans für die Treue und bei seinen Idolen Biffy Clyro für den langjährigen Support. Allen Rockfans sei hiermit Arcane Roots wärmstens empfohlen.

Willkommen im Wald

"We are Biffy-fucking-Clyro" schallt es in den ausverkauften Saal. Simon Neil und seine Jungs erscheinen schick in Anzug und Hemd, werden mit tosendem Applaus begrüßt und starten ihre Unplugged-Show sitzend mit "The Captain". Wo normalerweise harte Riffs zu hören und unbändige Energie zu spüren ist, wird es ganz gemütlich und gesellig.

Als Kulisse ist ein kleiner Wald mit Büschen und Sträuchern aufgebaut. Im Mittelpunkt steht ein Baum, der dem Cover der Platte "Opposites" ähnelt. Diverse Scheinwerfer und Lichterketten sorgen für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Thematisch passt das alles prima, ist bei weitem aber nicht so spektakulär wie sonst.

Abschalten statt Abzappeln

Für den Akustik-Abend erhalten Biffy Clyro Unterstützung von einem weiteren Gitarristen und einem Pianisten. Auch ein Cello kommt zum Einsatz, wodurch die Balladen einen Klassik-Charakter erhalten. 

Die Songs werden in wechselnder Besetzung präsentiert, mal in Voll-Besetzung, mal reduziert als Trio oder Duo wie die neue Nummer "Adored". Bei solch ruhigen Stücken entfaltet sich die warme Stimme von Frontmann Simon Neil besonders. Schlagzeuger Ben Johnston wechselt hin und wieder zum Xylophon.

Die Arrangements sind schön anzuhören, bergen allerdings keine großen Überraschungen. Dass Biffy Clyro nach so langer Zeit ein eingespieltes Team sind, sei nur nebenbei erwähnt. Der Sound selbst ist allerdings etwas zu zurückhaltend. Das Schlagzeug ist abgedämpft und die Akustikgitarren nehmen jedem Riff die eigentliche Power. Abschalten statt Abzappeln lautet die Devise.

Hardchor

Das Publikum hört zunächst zurückgelehnt zu und genießt die Lagerfeueratmosphäre. Mitgesungen wird allerdings fast jeder Song. Ein Akustik-Konzert ist auch wie ein kollektiver Livekaraoke-Abend. Hymnen wie "Black Chandelier", "Mountains", "Bubbles" oder "Many of Horror" ertönen lauthals aus tausenden Kehlen.

Während der ersten Hälfte staut sich so viel Energie auf, dass sich die Menge bei "Bubbles" nicht mehr auf den Stühlen halten kann. Die erwähnten Hits werden von Jubel und Applaus begleitet und auch die Zugabe wird vehement mit Stampfen, Klatschen und Pfiffen gefordert.

Die Fans sind zufrieden und Biffy Clyro versprechen eine Rückkehr im nächsten Jahr. Dann hoffentlich wieder mit Stecker, fetter Lichtshow und unbändiger Energie - eben in der gewohnten Biffy-fucking-Clyro-Manier.

Setliste

The Captain / Biblical / Saturday Superhouse / Re-Arrange / Drop It / Black Chandelier / As Dust Dances / Folding Stars / Different People / Different Kind of Love / The Rain / Mountains / Adored / Opposite / Justboy / Medicine / Small Wishes / Bubbles / Machines // Friends and Enemies / God & Satan / Many of Horror

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