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Erasure (live in Frankfurt 2018) © Torsten Reitz

Mit ihrem neuen Album "World Be Gone" haben sich Erasure ein wenig vom wilden Dance-Pop der letzten Alben weg bewegt. Dieser Stil trifft aber offenbar nicht ganz den Geschmack des Publikums in der Frankfurter Batschkapp. Gefeiert werden neben den Hits vor allem die krachenden Partysongs.

Das Bühnenkonzept von Erasure ist ein stylisches, streng geordnetes System. Oben auf der Kanzel steht Vince Clarke und sorgt für den markanten Synthiepopsound. Rechts und links stehen zwei beleuchtete Rahmen, in denen sich jeweils eine Backgroundsängerin bewegt und singt.

Vorne zieht Andy Bell seine große Show ab, die schließlich damit endet, dass er nur noch im Slip über die Bühne tanzt. Neben der tollen Stimme fasziniert der Brite mit seinen guten Deutschkenntnissen. Nach Jahren in Berlin spricht er fast fließend und an diesem Abend ausschließlich deutsch.

Dancepower

Der krachende, hypnotische Synth-Pop-Sound ist eine akustische Reise in die goldenen 1980er Jahre. Das steigert sich beim Opening bis hin zu "Breathe", als sich die Tanzrhythmen in nahezu jeden Körper bohren und sich der ganze Saal im Rhythmus bewegt. Selbst eine Ballade wie "Mad As We Are", die ohne basslasstige Beats die Stimme von Andy Bell noch stärker ins Zentrum rückt, wird vom Publikum mit viel Bewegung mitgegangen.

Dafür hämmert der Bass dann mächtig ein, als "Just A Little Love" ertönt und sich Andy Bell mit seinen Sängerinnen im Duett singt. Seine helle, hypnotische Stimme dominiert auch "In My Arms".

Alte vs. neue Songs

Die Lieblingssongs des Publikums sind hörbar die alten Songs, die vom schnellen, tanzbaren Sound geprägt sind. So ist "Chains Of Love" der pure, klassische 80er Discosound. Andy Bell, nun im glitzernden Oberteil, treibt das Publikum an. Es wird gezappelt und gesprungen, am Ende gibt es laute Pfiffe und Standing Ovations. Bei "Sacred" wechseln sich die hämmernden Beatschläge mit der Synthiemelodie im Vordergrund ab. Ebenso faszinierend ist "I Love Saturday" mit seinen unterschiedlichen Soundbögen.

Dagegen fallen nahezu alle Songs des neuen Albums in der Begeisterung hörbar ab. Die Idee, nach dem letzten, dancelastigen Album "The Violet Flame" von 2014, wieder etwas ruhiger und nachdenklicher zu werden, trifft in Frankfurt auf mäßige Begeisterung. So ebbt sowohl bei den eher langsamen Songs "Sweet Summer Loving" und "World Be Gone" der Applaus schnell ab. Lediglich das schnelle "Love You To The Sky", der stilistisch in Richtung der Dancehits geht, wird ausgiebig beklatscht.

Kult-Kitsch

Unter den zahlreichen Dancesongs gibt es dennoch einige Songs, die klar hervorstechen. Ein Highlight ist "Victim Of Love". Die treibenden Beats dieses Gute Laune-Songs befeuern das Publikum und als Andy Bell selbst zu tanzen beginnt, entfaltet sich eine ganz besondere Atmosphäre. Das steigert sich nochmal mit "Phantom Bride". Die Show tendiert immer mehr zu einer quietschebunten Party mit leichtem Hang zu Trash und Kitsch – und das Publikum liebt es.

Als Andy Bell sich bei "Blue Savannah" seines Oberteils entledigt und nur noch im Slip über die Bühne tanzt, erreicht die Show ihren optischen Höhepunkt – ob positiv oder negativ, darf jeder für sich selbst entscheiden. 

Die Megahits

Mit den ersten Tönen von "Always" läuten Erasure das große Finale ein. Ab jetzt wird fast nur noch mitgesungen. Die Zuschauer stehen komplett unter Strom, feiern sich und Erasure mit Pfiffen, Gesang und lautem Beifall ab. Der nächste Kracher ist die 80er-Hymne "Sometimes". Den Refrain hat jeder im Ohr und es wird ausgiebig gesungen und getanzt.

Die Zugabe "A Little Respect" ist schließlich der wahre Höhepunkt der Show. Kein Song wird so abgefeiert. Vince Clarke steht nun erstmals unten mit Gitarre, während die Soundcomputer die Melodie liefern. Das Publikum tobt und feiert ein letztes Mal, dann nimmt die Party nach fast zwei Stunden ein glanzvolles Ende.

Setlist

Tales Of The Unexpected / Oh L'Amour / Ship Of Fools / Breathe / Mad As We Are / Just A Little Love / In My Arms / Chains Of Love / Sacred / Sweet Summer Loving / I Love Saturday / Victim Of Love / Phantom Bride / World Be Gone / Who Needs Love Like That / Take Me Out Of Myself / Blue Savannah / Atomic / Drama! / Stop! / Love You To The Sky / Always / Here I Go Impossible Again / Sometimes // A Little Respect

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