Nick Murphy (2017)

Nick Murphy (2017) © Melt Booking

Im Kölner Palladium heißt Nick Murphy sein neues musikalisches Ich willkommen und verabschiedet sich von seinem Pseudonym Chet Faker. Sein Konzert bietet daher jede Menge neue Musik, die aber etwas unfokussiert daherkommt.

Chet Faker macht jetzt Musik unter seinem bürgerlichen Namen. Der Alias war für den Australier nur ein Projekt, das es jetzt an der Zeit war zu beenden. Seit 2016 produziert und veröffentlicht Nicolas James Murphy unter seinem eigenen Namen und die Musik klingt anders, nicht gerade persönlicher, aber anders.

Heathered Pearls heizt der Menge ein

Zu Beginn schallen den Besuchern im Kölner Palladium stark wummernde Bässe entgegen – Heathered Pearls dreht und drückt an den Turntables, dabei kommen tanzbare elektronische Klänge heraus, die mit dicken Bässen unterfüttern sind. Der aus dem US-amerikanischen Detroit stammende DJ versucht der Menge in der Halle gebührend einzuheizen, bevor es richtig losgeht.

Mit einem fast einstündigen Set liefert Heatherd Pearls einige gute Tracks ab, die bei jedem elektronischen Festival hierzulande punkten würden. Das Kölner Publikum hingegen ist sichtlich ungerührt von den Anstrengungen des Künstlers, man merkt, die Kölner sind nicht so zugänglich für elektronische Musik. 

Köln beweist Geduld

Nach Heathered Pearls heißt es warten. Fast eine ganze Stunde dauert die Pause zwischen dem Voract und Nick Murphy. Die Kölner sind ein geduldiges Publikum, das merkt man auch im Verlauf des Abends immer wieder. Als Nick Murphy fka Chet Faker letzendlich die Bühne betritt, wird er von seinen Fans gefeiert. Mit "Gold" liefert er als Opener eine starke Nummer, bei der er die Masse gleich auf seiner Seite hat. Das war es dann aber auch schon mit den Chet Faker-Songs.

Auf die erste Nummer folgen zahlreichen neue Tracks aus dem bisher noch nicht veröffentlichten Werk von Nick Murphy. Im Gegensatz zu den alten Chet Faker-Songs klingen die neuen Stücke weniger soulig, dafür elektronisch-poppiger und ein wenig diffus, da Murphy mit zahlreichen Stilen und Sounds experimentiert. 

Experimentierfreudig ist Nick Murphy durch und durch. So setzt sich der Australier auch gern mal ans Klavier und jammt einfach ein wenig mit seiner Live-Band auf der Bühne herum. Man sieht man ihn an den Synthies, am Klavier, an den Keyboards oder an der Gitarre. In seiner Musik geht der 28-jährige vollkommen auf. Die Songs liegen ihm am Herzen und das merkt man besonders bei langsamen Balladen.

Nick Murphy der Vollblutmusiker

Das Set ist gespickt von Balladen, die Nick Murphy Jahre zuvor schrieb und noch nicht aufgenommen hat, oder auch von Songs, an denen er noch arbeitet, die aber noch nicht veröffentlicht sind. Als Zuhörer erhält man einen klaren Eindruck, wie die neue Musik von Nick Murphy klingen wird: Filigraner Elektro-Pop mit Einschlägen von Jazz und Soul, verspielter als Chet Faker und definitiv  experimenteller, dabei aber auch zugänglicher für den Mainstream.

Bei einem neuen Track, der sich langsam aufbaut und stets wummender und elektronischer wird, haut es auch schon mal alle Sicherung im Palladium raus –und das gerade auf dem Höhepunkt, als Nick Murphy das Publikum vollends in seiner Hand hatte. Aber kein Problem für den Australier, er wirft das Mikrofon hin und setzt sich prompt an das Klavier, wo er in Ruhe weiter vor sich hin jammt, bis die Technik wieder funktioniert. Faszinierend ist auch, dass die Lightshow die Musik visuell perfekt untermalt, vor allem bei den elektronischen Tracks.

Wenig Publikumsbezug

Eine Rampensau ist Nick Murphy nicht, er ist eher eine Naturgewalt auf der Bühne, der in seiner Musik eintaucht und dabei alles um ihn herum vergisst. Das ist faszinierend, aber auch ein wenig schade, zumal die Songauswahl etwas willkürlich erscheint

Immer wenn mal Stimmung im Raum aufkommt, geht mit der nächsten Session an Balladen und ruhigen Songs jedoch wieder ein Downer einher. Jedoch wie schon zu Beginn erwähnt: Die Kölner sind ein geduldiges Publikum, obwohl es hin und wieder unruhig in der Halle wird.

Mit Spannung warten die Besucher darauf , ob noch Chet Faker-Songs folgen. Mit "Talk Is Cheap" beendet Nick Murphy mit anschließender kurzer Jam-Session das Set. Es wird wohl der letzte Chet Faker-Song sein, den das Publikum zu hören bekommt. Die Zugabe enthält auch wieder nur neue Songs und mit "Medicine" ist der Abend endgültig vorbei. 

Verabschiedung von Chet Faker

Mit seinen 28 Jahren ist Nick Murphy ein musikalisches Wunderkind, das geradezu Songs und Melodien aus dem Ärmel schüttelt. Von ihm wird man in nächster Zeit bestimmt noch einiges hören – spätestens nach der Veröffentlichung seines Debüts unter seinem bürgerlichen Namen.

Hingegen schöpft Nick Murphy live leider nicht sein volles Potential aus, die Songs sind zu willkürlich gewählt, er ist zu fokussiert auf seine Musik. Von seinem Alias Chet Faker dürfen wir uns wohl ganz verabschieden. Chet Faker ist tot, lang lebe Nick Murphy.

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