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Evanescence (live in Köln, 2017) © Beatrix Mutschler

Beim einzigen Deutschlandkonzert in Köln zeigen Evanescence, dass sie noch immer zu den besten Rockbands gehören. Kraftvoll und energetisch im Sound ist Sängerin Amy Lee als Kontrast immer noch eine Powerfrau, die mit ihrer Stimme das melodische Drama gekonnt inszeniert.

Manchmal findet das Warm-up für ein Konzert abseits des geplanten Geschehens statt. Im Kölner Palladium sorgt nicht die Vorband Revolution Eve für beste Unterhaltung. Zwischen Vorband und Hauptact kommt ein Bühnenarbeiter mit einem Bodenstaubsauger auf die Bühne.

Aus der Reinigung wird plötzlich ein kleines Tänzchen mit gekonnten Hüftschwungeinlagen, als er zur Musik von Queen auf "I Want To Break Free" eine kesse Sohle hinlegt. Das Publikum lacht sich kaputt, feuert den Staubsaugertänzer an und klatscht sich so für den Hauptact warm. Von den zahlreich mitgefilmten Videos landen garantiert einige im Netz  

Hammerhart

Als Evanescence schließlich die Bühne betreten, schreit das Publikum im ausverkauften Palladium wie entfesselt los. Angetrieben von den hammerharten Schlägen des Schlagzeugers rockt Sängerin Amy Lee bei "Everybody's Fool" zuerst los, um dann dem Song bei runtergedrehtem Sound einen melodisch, dramatischen Touch zu geben. Dieser faszinierende Kontrast zieht sich durch das gesamte Konzert. 

Der massive Power-Rock von "What You Want" lässt das Publikum gleich noch mehr abgehen. Amy Lee jagt ihre Stimme hoch, Haare wirbeln durch die Luft und die Gitarren rocken, während der Schlagzeuger den Rhythmus auf das Publikum hämmert. Die Fans rasten schon jetzt komplett aus. Den heulenden Gitarrenriffs bei "Going Under" folgt schließlich bei "The Other Side" ein Solo von Amy Lee am Keyboard, bei dem sie ihren melodischen Gesang wieder gekonnt in Szene setzt.

Das Klavier

Für "Lithium" wird ein Klavier auf die Bühne gerollt. Amy setzt sich hin und spielt, während sie stimmlich wieder das ganz große Drama inszeniert. Wie auch bei "Even In Death" füllt ihre Stimme ohne den Sound der Band den ganzen Raum aus. Erst zum Schluss kommen die anderen Musiker wieder dazu und gemeinsam rocken sie den Song bis zum Ende. Der Level an purer Energie bleibt auch bei "My Heart Is Broken" am Limit. Angetrieben von dieser Power schlagen die Zuschauer mit Pommesgabeln ihre Hände rhythmisch nach vorne.

Das Klavier verschwindet und der Sound verschiebt sich bei "Made Of Stone", als erstmals der Leadgitarrist zu einem markanten Solo ansetzt und dafür Riesenapplaus bekommt. Wieder anders ist "Weight Of The World" mit seinem Kontrast zwischen laut und leise, als im leisen Teil ein Glöckchenspiel zu hören ist. Dazu kommt der Sirenengesang von Amy Lee, den das Publikum mit Riesenapplaus feiert. Eine doppelte Premiere ist "Say You Will". Diesen Song spielt Evanescence offenbar erstmals live auf dieser Tour und für diesen Song tauschen Gitarristin Jen Majura und Bassist Tim McCord die Instrumente. Das Publikum klatscht im Rhythmus mit und überall sieht man wippende Körper.

Die große Gefühlsballade

Kein Song von Evanescence berührt so sehr wie "My Immortal". Das Klavier wird wieder reingefahren. Amy fordert das Publikum auf: "Sing with me". Schon mit den ersten Klängen singen alle diese aufwühlende Emotionshymne mit. Mitten im Song schreien einige Fans, die ihre Emotionen nicht mehr zurückhalten können, schon los. Am Ende rastet das Publikum total aus, klatscht und schreit vor Begeisterung.

Von dieser Euphorei getragen rocken sich Evanescence über "Whisper" und "Call Me When You're Sober" hin zu "Imaginary". Der Hauptblock endet schließlich mit "Bring Me To Life". Auch hier singt das Publikum den ganzen Song mit, während Amy Lee ihr Stimmvolumen bis zum Maximum öffnet. Das Schlagzeug hämmert durch den Saal, die Zuschauer klatschen sich heiß und schreien.

Einen für den Heimweg

Als Zugabe - laut Amy: "One for the road" - spielen Evanescence noch "Disappear". Es ist einer der wenigen Songs des ansonsten eher vom Schlagzeug dominierten Konzerts, in dem Leadgitarrist seine Gitarre voll aufdreht und so richtig aufheulen lässt. Die Halle klatscht und springt und feiert Evanescence für dieses großartige Konzert ab.

Leider ist das einzige Deutschlandkonzert nach nur 80 Minuten schon vorbei. Für die Fans in der Halle ist es dennoch ein toller Abend, eine seltene Gelegenheit. Denn inzwischen sieht man Evanescence fast nur noch auf Festivals. Amy Lee begeistert mit ihrer Stimmenvielfalt, sowohl mit rockiger Power als auch mit ihrem melodischen Drama.

Setlist:

Everybody's Fool / What You Want / Going Under / The Other Side / Lithium / Even In Death / My Heart Is Broken / Made Of Stone / Haunted / Weight Of The World / Say You Will / My Immortal / Your Star / Whisper / Call Me When You're Sober / Imaginary / Bring Me To Life // Disappear

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