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Avenged Sevenfold (live in Frankfurt, 2017) © Peter H. Bauer

Die offiziell ausverkaufte Frankfurter Festhalle kocht während des Auftritts von Avenged Sevenfold mit ihren Special Guests Disturbed vor Euphorie regelrecht – wäre da nicht der kleine, unschöne Makel, dass der Sound bei der Show des Headliners nicht immer ganz perfekt ist.

Obwohl sie zumindest in den USA schon lange Megastars sind, haben Avenged Sevenfold auch schon einige unschöne Dinge wie den Tod ihres ursprünglichen Drummers ‘The Rev‘ verkraften müssen. Doch der Zirkus hört nie auf, die Show geht weiter. Die ganze Welt ist schließlich eine Bühne, und genau auf die kehren Avenged Sevenfold mit ihrem treffend betitelten neuen Album “The Stage“ im Gepäck gerade zurück.

Eine davon ist die Frankfurter Festhalle, in der sie als Headliner eines Dreierpakets gerade Halt machen. Den Anfang des Abends machen Chevelle, die bereits seit über 20 Jahren im Geschäft und in den Staaten auch nicht völlig unbekannt sind. Im Rahmen dieser Tour präsentiert das Trio aus Illinois eine halbe Stunde lang ihren auf Riffgewitter ausgelegten Alternative Rock, den das Publikum wohlwollend zur Kenntnis nimmt.

Ein Meer aus Flammen und Fäusten

Als besondere Gäste haben Avenged Sevenfold die US-Metalkollegen von Disturbed mitgebracht, die im Vorprogramm etwas mehr als eine Stunde lang Gas geben dürfen. Die Flammen, die als Pyrotechnikeffekte schon beim Opener "Eye Of The Storm" und später noch bei einigen anderen Stücken zum Einsatz kommen, deuten bereits an, was die Zuschauer erwartet. Disturbed arbeiten sich durch ein brachiales Riffgewitter, das an diesem Abend im perfekten Soundgewand erklingt.

Die einzige wirkliche Durchschnaufpause bietet das Simon & Garfunkel-Cover "The Sound Of Silence", mit dem das Quartett aus Chicago einen Hit landete – und das Publikum hängt an jeder Silbe, die von Sänger David Draimans Lippen kommt. Der Auftritt von Disturbed wird frenetisch bejubelt. Selbstverständlich helfen die Zuschauer bei "The Light" mit Feuerzeugen und Handys sowie bei "Ten Thousand Fists" mit nach oben gereckten Armen aus.

Rache wird am besten heiß serviert

Wer jetzt denkt, dass mehr Euphorie als während der Show der Ehrengäste kaum möglich sei, wird eines Besseren belehrt. Als die Headliner schließlich zu den Klängen des Titelsongs ihrer aktuellen Platte die Bühne betreten, explodiert der prall gefüllte Innenraum der Festhalle förmlich. Die tanzenden Marionetten auf dem überdimensionierten Videowürfel oberhalb der Bühne stehen sinnbildlich für das Motto des gesamten Abends, nämlich ganz großes Theater.

Bereits während des Openers geht ein Gekreische durch die Arena, dass man beinahe den Eindruck haben könnte, auf dem Konzert einer Boyband gelandet zu sein. Das ist einer der Gründe, warum man kaum etwas von dem versteht, was Frontmann M. Shadows so von sich gibt. Er geht in der Lautstärke stellenweise vollkommen unter, was teils aber auch der (zumindest in der Anfangsphase) leicht unausgewogenen Soundqualität geschuldet sein könnte.

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Völlig unabhängig davon, was die fünf noch etwas milchbubenartig aussehenden Mittdreißiger an diesem Abend an Songs auffahren – der Jubel nimmt nicht ab. Da ist es dann auch relativ egal, dass Avenged Sevenfold einen Ersatzbassisten mit dabei haben, der kurzfristig eingesprungen und das Programm binnen zwei Tagen einstudiert hat, weil Stammtieftöner Johnny Christ gerade Vater geworden ist.

A7x, wie sie auch kurz genannt werden, wissen, wie man die Live-Energie hochhält. Sie geben weder dem Publikum noch sich selbst groß die Chance, Luft zu holen, während sie sich durch ihre knallharten Stücke arbeiten, die aber mit ihren einprägsamen Refrains à la "Hail To The King" immer wieder dazu einladen, mitzusingen. Die Frankfurter Fans nehmen dieses Angebot dankbar an und sind empfänglich für die Schwingungen, die sowohl von der Bühne als auch dem Hallenboden ausgehen.

Großes Theater

Die Kalifornier haben sich mit ihrer derzeitigen Stage auch gleich mehrere Gimmicks einfallen lassen. Mal schwebt der gigantische Videowürfel zu dröhnenden Sounds, die die gesamte Arena erbeben lassen, über die vorderen Reihen des Publikums und dann wieder zurück über die Band. Dann wiederum taucht während "Planets" ein überdimensionierter Astronaut oberhalb von Drummer Brooks Wackerman auf. Es ist eben nicht die ganze Welt eine Bühne, sondern genau umgekehrt.

Den ersten wirklichen Durchschnaufmoment gönnen Avenged Sevenfold sich und ihren Fans indes, als sie mit dem vergleichsweise melodiösen "Acid Rain" die Halle zunächst verlassen und sich erst einmal eine geraume Weile feiern lassen, bevor sie zu den vielumjubelten Zugaben-Dreierpack "Bat Country", "A Little Piece Of Heaven" und "Unholy Confessions" erneut für ein paar zusätzliche Minuten die Bretter betreten, die die Welt bedeuten.

Gelungenes Dreierpack

Als sich das kalifornische Quintett um den federführenden Saitenhexer Synyster Gates und Rhythmusgitarrist Zacky Vengeance nach etwa zwei Stunden schließlich endgültig verabschiedet, haben die euphorischen Fans ein gelungen zusammengestelltes Triumvirat an Bands der härteren Gangart erlebt.

Lediglich der nicht ganz optimale Sound während der Performance von Avenged Sevenfold war ein Makel, über das viele ob der grandiosen Stimmung vermutlich allerdings gerne hinwegsehen dürften.

Setlist von Disturbed

The Eye Of The Storm / Immortalized / The Game / The Vengeful One / Prayer / Liberate / Voices / Stupify / The Sound Of Silence / Inside The Fire / The Light / Stricken / Indestructible / Ten Thousand Fists / Down With The Sickness

Setlist von Avenged Sevenfold

The Stage / Afterlife / Hail To The King / Paradigm / To End The Rapture / Chapter Four / Buried Alive / Angels / Nightmare / God Damn / Beast & The Harlot / Sunny Disposition / Warmness On The Soul / Planets / Acid Rain // Bat Country / A Little Piece Of Heaven / Unholy Confessions

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