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Sabaton (live in Frankfurt, 2017) © Akis Konstantinidis

Auf ihrer (zumindest dem Namen nach) letzten Tour gastieren die schwedischen Power Metaller von Sabaton in der Frankfurter Jahrhunderthalle und zeigen zusammen mit ihren deutschen Ehrengästen von Accept einem begeisterten Publikum mit einer energiegeladenen Show, wo der nordische Hammer hängt.

Es ist kaum zu glauben, dass Sabaton als Band in diesem Jahr ihre Volljährigkeit zelebrieren. Zumindest gilt dies für Sänger Joakim Brodén und Tieftöner Pär Sundström, die beide von Beginn an mit an Bord waren. Derzeit befinden sich die Schweden mit ihrem aktuellen Hitalbum "The Last Stand" auf großer Europatour, die nur dem Namen nach "The Last Tour" sein wird.

Der Titel ist also mehr ein von der aktuellen Scheibe inspiriertes Gimmick, dennoch fahren die Nordmänner in der Frankfurter Jahrhunderthalle mit den deutschen Stahlkocher-Legenden Accept als Ehrengästen und ihren Landsmännern von Twilight Force ein derart erlesenes Programm auf, als gäbe es kein Morgen.

Fantastischer Einstieg

Die dezent von epischen Fantasy-Metallern wie Rhapsody Of Fire oder Gloryhammer beeinflussten Nachwuchskräfte dürfen das zahlenmäßig bereits gut versammelte Publikum mit einem halbstündigen Programm aus Songs ihrer ersten beiden Platten auf den Rest des Abends einstimmen.

Für ihre gelungene Performance erhalten sie von den Zuschauern dann auch die entsprechende, berechtigte Resonanz. Ein besonderes Feature von Twilight Force ist dabei, dass die Bandmitglieder mit Ausnahme von Sänger Chrileon allesamt kostümierte Fantasygestalten verkörpern.

Große Akzeptanz

Im Anschluss betreten mit Accept die erste bekannte Größe die Bühne der Jahrhunderthalle. Die seit 2009 wieder aktiven Wuppertaler Metal-Legenden lassen sich auch nicht lange bitten und legen zur Freude des Publikums mit "Stampede" gleich das erste Brett vor.

Während ihres einstündigen Programms konzentrieren sich die Veteranen um Gitarrist Wolf Hoffmann und Basser Stefan Baltes primär auf ihre Klassiker wie "Fast As A Shark" inklusive des markanten "Heidi, heido, heida"-Intros oder "Metal Heart", in das die beiden langjährigen Mitglieder Beethovens "Für Elise" als eine Art Instrumentalduett einfließen lassen.

Dazu streuen sie ein paar wenige, ausgewählte Stücke aus jüngeren Jahren wie "Stalingrad" und "Teutonic Terror" ein. Eine ausgedehnte Version des wohl Accept-Songs schlechthin, "Balls To The Wall", beendet das Set, wie die Wuppertaler eben sind – hart und kompromisslos.

Explosiver Beginn

Nach einer kurzen Umbauphase ertönt schließlich eine Passage aus der Sabaton-Version des durch Status Quo bekannten "In The Army Now", bei der die Zuschauer bereits begeistert mit einstimmen. Dann folgt eine kurze pyrotechnische Explosion und schon legen Sabaton mit "Ghost Division" los wie die Feuerwehr.

Wiederholt flammen Feuerwerkssalven auf. Sie sind aber nur eines von etlichen Effektspielereien, die die Schweden auf ihrer aktuellen Tour auffahren. So sind beispielsweise Soldatenhelme in die Mikrofonständer der vier Musiker am vorderen Rand der Bühne integriert, während das Drumkit von Hannes Van Dahl auf einem Panzer in Lebensgröße platziert ist.

"Bier her, Bier her…"

Sabaton sind militärisch bewandert. Nicht umsonst thematisieren sie bereits seit etlichen Jahren oft sehr historisch akkurat Schlachten aller Arten wie Zeiten. Auch Kostüme gehören wahrscheinlich genau aus diesem Grund bei den gegenwärtigen Shows zum Arsenal der kampferprobten Nordmänner. Einmal taucht Frontmann Brodén passend zum Song im Spartanerdress mit mehreren Komparsen auf, dann wiederum bei "Carolus Rex" in der bläulich-güldenen Robe eines früheren Edelmannes.

Immer wieder skandiert das Frankfurter Publikum während der Show "Noch ein Bier!" Zunächst fühlt sich der Sänger dazu bewegt, die Fans zu korrigieren. Seine Band hieße Sabaton. Zu guter Letzt bringt er dem neuen Gitarristen Tommy Johansson einen Gerstensaft, den dieser geradezu verschlingt. Weil die Zuschauer mit den Sprechchören aber nicht aufhören, holt er sich selbst auch noch einen und kippt ihn in einem Zug hinunter.

Waschechte Wikinger

Die verrückten deutschen Fans, für deren jahrelange treue Unterstützung sich Brodén herzlich bedankt, geben jedoch weiterhin keine Ruhe. Schließlich erfüllt sich ihr Wunsch. Sabaton stimmen mit "Gott mit uns" nämlich eines ihrer vielen hymnischen Stücke an, dessen Text im Refrain speziell für das Frankfurter Konzert angepasst wird. Bei dem Song darf Johansson auch gleich seine Künste am Mikrofon unter Beweis stellen. Eine Passage des Liedes überlässt Brodén ihm.

Trinkgelage und epische Gesänge sind wohl gute, alte Wikingersitte – und obwohl sie sich thematisch ebenso mit Schlachten des Zweiten Weltkriegs, des Schottischen Unabhängigkeitskriegs oder der Samurai befassen, scheinen Sabaton genau in dieser Tradition zu stehen. Rein optisch machen der muskulöse, tätowierte kurzhaarige Frontmann und seine langmähnigen, teils bärtigen Mitstreiter jedenfalls den Eindruck, als könnten sie geradezu aus der Serie "Vikings" entsprungen sein.

Ungeahnte, unterhaltsame Vielseitigkeit

Mit dem brachialen, von Flammen und weißen Blitzern auf der orangeroten Bühne begleiteten Speedgewitter “The Lion From The North“ stellt das schwedische Quintett dann aber unter Beweis, dass sie genauso von der schnellen metallischen Gangart beeinflusst sein dürften. Doch auch ruhigere Töne liegen ihnen, wie eine rein akustische Version ihres Frühwerkes “The Final Solution“ mit gekonntem Klavierspiel von Neuling Johansson eindrucksvoll demonstriert.

Bei all dem harten Tobak, den Sabaton thematisch teilweise so auffahren, ist ihnen die Leichtigkeit zwischen den Zeilen und Stücken jedoch keineswegs abhandengekommen. Gerade Brokén stellt seine Qualitäten als Entertainer im Laufe des Abends ein aufs andere Mal unter Beweis. Einmal erzählt er, dass er ja auch zunächst Keyboarder der Band war, diesen Job allerdings eher schlecht als recht ausgeführt habe. Später greift er zur Gitarre und ruft einen einstündigen Michael Jackson-Karaokemarathon aus, zu dessen Zweck er das Riff von "Beat It" anstimmt.

Gelungenes Gesamtpaket

Das gut aufgelegte Publikum in der Jahrhunderthalle nimmt die Vorgänge auf der Bühne begeistert bis belustigt zur Kenntnis. Immer wieder klatschen die Zuschauer in die Hände und singen die hymnischen Texte der streckenweise martialischen Songs der Schweden, wie das stampfende "The Lost Battalion" mit seinem gesprochenen Intro, aus voller Kehle mit. Die Leidenschaft, mit der Sabaton auf der Bühne zu Werke gehen, überträgt sich auch auf den Rest der Arena.

Es ist ein Wechselspiel zwischen Fans und Band, die sich beide anderthalb Stunden lang gegenseitig mit Energie zu befeuern scheinen. Das zeigt sich auch bei den drei Zugaben. Bereits die erste davon, "Primo Victoria", eingeleitet durch markante Videoszenen aus dem Zweiten Weltkrieg inklusive der durch Iron Maiden bekannten, legendären Ansprache von Winston Churchill, verleitet die Zuschauer zu euphorischen Reaktionen.

Als die fünf Schweden zu guter Letzt nach episch anmutenden anderthalb Stunden abtreten, hat das Frankfurter Publikum ein gelungenes Gesamtpaket aus drei spielfreudigen Bands genossen, aus denen sich der Headliner besonders hervorgetan hat. Angesichts der Leistung bleibt für die treuen Anhänger von Sabaton eigentlich nur zu hoffen, dass die Schweden den Namen ihrer aktuellen Tour nicht allzu wörtlich nehmen und in naher Zukunft wieder in den hiesigen Hallen aufschlagen. 

Setlist von Accept

Stampede / Stalingrad / Restless & Wild / London Leatherboys / Final Journey / Princess Of The Dawn / Fast As A Shark / Metal Heart / Teutonic Terror / Balls To The Wall

Setlist von Sabaton

In The Army Now [tape intro] / Ghost Division / Sparta / Blood Of Bannockburn / Swedish Pagans / The Last Stand / Carolus Rex / Union (Slopes Of St. Benedict) / The Lost Battalion / Gott mit uns / The Lion From The North / The Final Solution [acoustic] / Resist & Bite / Night Witches / Winged Hussars // Primo Victoria / Shiroyama / To Hell & Back

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