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Bring Me The Horizon (live in Frankfurt, 2016) © Manuela Hall

Packt die Regenschirme aus, die Sheffielder Metalcore-Lawine Bring Me The Horizon rollt in Frankfurt an. Mit einer schweißtreibenden Bombast-Show in der Jahrhunderthalle zeigen die Briten, dass sie bereit für die großen Arenen sind.

Böse Zungen könnten behaupten, dass sich Bring Me The Horizon jüngst durch ihren kontroversen Spagat zwischen Melodie und Härte selbst kastriert haben.

Zugegeben ist die neue Platte "That's The Spirit" deutlich melodischer ausgefallen als es sich manch eingefleischter Hardcorefan gewünscht hätte. Live gibt es dennoch das volle Brett, grimmige Shouts und dazu eine spektakuläre Inszenierung.

Keine Schlaflieder

Die erste Messlatte für den Härtegrad legen zunächst allerdings die Sheffield-Kollegen While She Sleeps als Anzeizer des Abends – und das machen die Jungs ziemlich ordentlich. Frontmann Lawrence 'Loz' Taylor schreit sich zu den brachialen Breakdowns die Seele aus dem Leib und schleudert das Mikro durch die Luft, während sich der wilde Mob vor der Bühne warm mosht. Zum Schlafen kommt bei While She Sleeps jedenfalls niemand.

Wie eine Lawine

Schon beim spektakulären Opener "Happy Song" machen Bring Me The Horizon keine halben Sachen, feuern Nebelsäulen und Luftschlangen der jubelnden Menge entgegen und lassen inszenatorisch den gesamten Abend über die Metal-Muskeln spielen.

Dazu wurden mehrere Stufen aufgebaut, auf denen sich die Jungs platzieren und posieren. Diese Erhöhungen zeigen während der Show abgestimmt auf die Songs jeweils unterschiedliche Visuals. Bei "Doomed" sind das erblühende Blumen, die kurz darauf wieder verwelken, pochende Herzen bei "Can You Feel My Heart" oder eine riesige Lawine bei "Avalanche". Wer kann, der kann...

Hart, aber herzlich

Für die Metalheads, denen der neue Sound zu schlaff ist, haben Bring Me The Horizon Klassik-Bretter wie "Shadow Moses", "Chelsea Smile" oder "Antivist" im Gepäck. Wer sich also ordentlich im Moshpit austoben will, hat ausreichend Zeit dazu.

In Kombination mit den neuen Songs meistern die Jungs den Spagat zwischen melodischen und "Auf die Fresse"-Passagen spielend. Das Publikum singt oder schreit ohnehin jede Zeile mit wie beispielsweise bei "Sleepwalking" den ikonischen Mittelteil. Somit bricht auch bei einem balladesken "Follow You" die Stimmung nicht ein.

Sykes Gesang ist in den Refrains ohnehin nicht immer zu hören. Entweder er lässt singen (wahlweise vom Publikum oder Keyboarder Jordan Fish) oder er wird komplett von der Band überlagert. Schreien kann er aber, der Gute. Die Menge hat er so oder so komplett im Griff, wenn er wie ein Prophet auf der obersten Stufe die Arme ausbreitet.

That's The Spirit!

Durch die arenataugliche Inszenierung, den druckvollen Sound und die abwechslungsreiche Mischung aus brachialen Brechern und massentauglichem Pop-Appeal haben Bring Me The Horizon etwas geschafft, das nur Wenigen gelingt: einen Genre-Wechsel ohne die Wurzeln gänzlich zu verlieren. Denn auch wenn die neue Platte im Vergleich zu den alten Songs poppiger geworden ist: Live gibt's noch immer ordentlich auf die Zwölf! That's The Spirit!

Setlist

Happy Song / Go to Hell, for Heaven's Sake / The House of Wolves / Avalanche / The Best Is Yet to Come / Shadow Moses / Chelsea Smile / Follow You / Sleepwalking / Doomed / Can You Feel My Heart / Antivist / Throne // True Friends / Oh No / Drown

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