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SSIO (live auf dem KuRT Festival, 2016) © Michael Lamertz

"...denn alle meine Fans sind maskuline Jungs." Diese Aussage des Bonner Rappers SSIO bewahrheitet sich bei seinem Konzert in der Heidelberger halle02 nur zum Teil.

Es lässt sich nicht mehr leugnen: Der Herbst hat angefangen. Das mag einigen Menschen den Blues bescheren, für andere heißt es, dass nach den sommerlichen Festivals die Tour-Saison wieder beginnt.

So auch für SSIO, der bereits im Frühjahr den ersten Teil seiner Nullkommaneun-Tour absolviert hat. Jetzt im zweiten Teil ist auch Heidelberg als eine der Mutterstädte des deutschen Hip-Hops an der Reihe. Die halle02 ist durch einen hohen schwarzen Vorhang geteilt, davor versammeln sich die Fans von SSIO.

Ein Bühnenbild, das sich gewaschen hat

Während die Anwesenden auf den Künstler des Abends warten, unterhält sie ein DJ. Die Fans sind gut durchmischt, es sind nicht ausschließlich "maskuline Jungs" vor Ort. Dennoch oder gerade deswegen ist die Stimmung gut, man konsumiert Bier und anderes und wartet auf SSIO.

Um 20:30 Uhr räumt der DJ dann auch das Feld, der hinter ihm aufgespannte Vorhang wird fallengelassen und es eröffnet sich dem geneigten Zuschauer ein Bühnenbild, das sich gewaschen hat. Angelehnt an das Cover-Artwork seines aktuellen Albums tritt SSIO vor der Comic-Version einer zwielichtigen Seitengasse auf, überbunt und im grellen Scheinwerferlicht.

"Kombination aus Schlagermusik und Schlägermusik"

Zeitgleich setzen die Beats ein. Das Label "Alles oder Nix", auf dem auch Xatar oder Schwesta Ewa vertreten sind, kann sich einiger der besten Kopfnicker-Beats der Szene rühmen. Live entfalten diese ihre Wirkung, es werden fleißig Nacken trainiert. Daneben wird SSIO noch von einem Live-Schlagzeuger und einem Backup-Rapper unterstützt.

SSIO selbst sieht aus, als habe er ein Adidas-Endorsement. Seinem Stil treu, er steht im Neon-Trainingsanzug auf der Bühne und legt auch gleich los. Leider ist seine Stimme nicht richtig abgemischt, klingt gelegentlich blechern und schwer verständlich, was gerade auf einem HipHop-Konzert ärgerlich ist. Dennoch ist die Stimmung im Saal von Beginn an ziemlich weit oben. Die Fans nicken und rappen fleißig mit, während sie nebenbei die Arme auf und ab schwenken.

"Bonn 17"

Die gute Laune wird sodann für Call-and-Response-Spielereien genutzt, die das Publikum willig aufgreift. Überhaupt ist über die gesamten knapp 80 Minuten des Konzerts kein genereller Tiefpunkt festzustellen. Die Fans erhalten hier genau das, weswegen sie gekommen sind. Die Handgriffe sitzen ebenso wie die Lines, das Bühnenbild überzeugt voll und ganz, die Hits werden alle gespielt.

Dennoch kann man das Gefühl nicht ignorieren, dass der Auftritt von SSIO etwas zu routiniert gerät. Sicher, während des Songs "Kanalreiniger" holt er einige weibliche Fans auf die Bühne, aber selbst das erscheint zu eingespielt. Nicht jedes Konzert kann das beste der Welt sein, aber ordentlich abgeliefert hat SSIO in Heidelberg allemal.

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