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Alligatoah (live Jahrhunderthalle Frankfurt, 2016) © Akis Konstantinidis

Alligatoah und sein Himmelfahrtskommando stürmen die ausverkaufte Jahrhunderthalle in Frankfurt, immer auf der Suche nach dem einzig wahren Gott. Ob sie ihn am Ende gefunden haben und ob sich die neue Show lohnt, verraten wir euch jetzt.

"Musik ist keine Lösung", aber sie füllt die Portokassse – und die restlos ausverkaufte Jahrhunderthalle in Frankfurt. Die Triebwerke von Blödel-Barde Alligatoah laufen wieder auf Hochtouren.

"Himmelfahrtskommando" heißt die neue Tour und entführt den Zuschauer an einen feuchtfröhlichen Ort, an dem die Freiheit wohl grenzenlos sein muss. Grenzen kennt der feine Herr Gatoah sowieso nicht.

Ich kaufe einen Vokal

Bevor der Himmelsritt startet, sorgt Nachwuchsrapper BRKN (möchte wer lösen?!) mit souligen R&B-Rap-Tracks im Stile von Teesy für gute Laune und trifft mit seinem Digga-alta-läuft-Slang vor allem bei der Generation Selfie-Stick voll ins Schwarze. Da denkt jemand auch an die Kinder. "Ich schwöre beste wars heute". Ja, war nicht übel.

Himmlische Terroristen

"Wir sind das Himmelfahrtskommando", ertönt es von der Bühne. Mit "Narben" beginnt die wilde Fahrt, alle Hände und Handys fliegen hoch und Alligatoah erscheint als Gladiatoah zusammen mit Battle Boi Basti in einem Streitwagen auf einer riesigen Wolke.

Vor ihnen hat sich die vierköpfige Band positioniert, alle als Terror-Engel mit passendem Bombengürtel verkleidet. Klingt komisch, ist aber so – und macht enorm viel aus. Jeder einzelne Song klingt kraftvoller, melodischer, pointierter und besitzt mehr Dynamik als alles, was die Alligatoah-Platten hergeben.

Das Schlagzeug knallt, die Songs grooven, die Elektro-Bässe wummern und die Klarinetten-Klänge sorgen für orientalisches Flair. So gibt es mächtige Breakdowns bei "Lass liegen" oder "Fick ihn doch", Pogo-Party bei "Es ist noch Suppe da" und diverse Soli, auch von Herrn Gatoah selbst an der Gitarre.

Gottlos

Alligatoah und seine explosiven Engel sind auf geheimer Mission: nicht auf der Suche nach den 72 Jungfrauen, sondern nach keinem geringeren als Herr von und zu Gott – und zwar den mit dem längsten, versteht sich.

Aber wie lockt man so einen Gott aus seinem Himmelshäusschen? Vielleicht mit einem absolut ethisch inkorrekten Trailerpark-Medley? Oder einer "Wir sind der Mensch"-Parolen gröhlenden Menge? Nicht einmal bei einem Titanic meets "Namen machen" lässt sich der feine Gott blicken. Stattdessen steht am Ende eine goldene Kuh auf der Wolke. Klingt auch komisch... Da muss sich Alligatoah in Zukunft wohl etwas anderes einfallen lassen.

Ziemlich gute Bekannte

"Frankfurt, ich bin ein bisschen verliebt in euch. Und ihr seid erst die vierte Stadt, der ich das erzähle – ach ne, die fünfte", lässt der Rapper mit der großen Klappe verlauten. Bis der feine Herr im Streitwagen von seiner Wolke 7 steigt, dauert es ein paar Songs. Gute Bekannte halten sich schließlich auf Distanz. Da muss man schon etwas mehr ranzoomen.

Dafür gibt es unterm Strich eine unterhaltsame, witzige Show über zwei Stunden, die Jung, Alt und alles dazwischen anspricht. Denn auch wenn Alligatoah an die Kinder denkt, werden diese viele Anspielungen sowieso nicht verstehen.

Es bleibt also trotzdem augenzwinkernde Erwachsenen-Unterhaltung. Und in Kombination mit der Band ist die Show auch musikalisch eine Empfehlung wert. Das kann selbst Gott nicht verneinen.

Setlist

Narben / Mama, kannst du mich abholen? / Lass liegen / Vor Gericht / Gute Bekannte / Hab ich recht / Mein Gott hat den längsten / Trailerpark-Medley / Rabenväter / Denk an die Kinder / Namen machen / Fick ihn doch / Mama, kannst du mich abholen? / Teamgeist / Amnesie / Doktor spielen / Trostpreis / Du bist schön / Es ist noch Suppe da / Mama, kannst du mich abholen? / Trauerfeier Lied // Willst du? / Musik ist keine Lösung

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