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Rise Against Fotos Live in Stuttgart © Dominic Pencz

Bei ihrem Konzert am 12. Oktober in der Stuttgarter Schleyerhalle beweisen die Punk-Größen Rise Against aus Chicago mal wieder, dass sie eine routinierte Liveband sind. Mit einer gelungenen Mischung aus alten und neuen Hits und einer mitreißenden Performance begeistern die Jungs ihr Publikum und lassen sich auch das ein oder andere politische Statement nicht nehmen.

Wer Rise Against schon live gesehen hat, wird nicht enttäuscht: Die US-Amerikaner liefern eine perfekte Liveshow, gespickt mit gewohntem politischen Engagement.

Die Helden von damals als Vorband von heute

Als Support haben Rise Against die Hardcore-Urgesteine Refused aus Schweden dabei. Während Sänger Tim McIllrath vor 20 Jahren selbst noch mit leuchtenden Augen bei Refused in der ersten Reihe stand, wie er später erzählt, hat seine eigene musikalische Karriere mittlerweile derartige Höhenflüge hingelegt, dass die Vorbilder von damals heute seine Show eröffnen.

Das Publikum allerdings steckte vor 20 Jahren zu großen Teilen noch in den Kinderschuhen, dementsprechend fällt die Rezeption der Vorband auch aus. Kenner einer bestimmte Altersklasse feiern ab den ersten Riffs begeistert mit, während die jüngeren Semester erst einmal warm werden müssen.

Auf den unerfahrenen Betrachter wirkt Sänger Dennis Lyxzén zunächst wie ein aufgekratzes Wiesel, das recht unkoordiniert, dafür aber in feinster Rockstar-Manier, über die Bühne fegt. "I never felt very manly as you can tell by my dancemoves" gesteht er und übt anschließend Kritik an der noch immer von Männern dominierten Punkrock- und Hardcoreszene, bevor die Band unter lauten Beifallrufen "Kill The Men" anstimmt. Eingestimmt auf das Gesamtfeeling des Abends ist man spätestens jetzt. Refused haben mittlerweile die Mehrheit des Publikums auf ihrer Seite und es bilden sich die ersten Circlepits.

Alte und neue Hits

Nach einer verhältnismäßig kurzen Umbaupause, in der die letzten Zuschauer in die gut gefüllte Schleyerhalle strömen, betreten die Helden des massentauglichen Punkrocks schließlich die Bühne. Auch die hinteren Reihen können die perfekte Show über zwei Leinwände beobachten.

Rise Against, von ihren Fans bereits sehnlichst erwartet, eröffnen ihr Konzert mit dem kraftvollen "The Great Die-Off", dem Opener ihres aktuellen Albums "The Black Market", das es 2014 direkt auf Platz eins der deutschen Charts schaffte. Die Band hat ihr Publikum vom ersten Ton an fest in der Hand. Mit "The Good Left Undone", dessen prominente Chorusline "All Because Of You" direkt dem Publikum gewidmet wird, schließen sie einen ihrer beliebtesten Songs an. Die Menge kocht und mosht bereits jetzt. Mit "Satellite" und "Give It All" greifen die Jungs weiter in die Hitkiste, sehr zur Freude der eingefleischten Fans, die selbstverständlich auch auch alles geben.

Für die Flüchtlinge und eine bessere Welt

Die Stimmung in der vollen Schleyerhalle ist mittlerweile auf dem Höhepunkt und routinierten Liveprofis wie Rise Against gelingt es, sie den Rest des Abends genau da zu halten. Zeit zum Durchatmen gibt es eigentlich nicht, will aber auch keiner. Außer natürlich, wenn Tim McIllrath zwischen den Songs zu einer besseren Welt aufruft. Unterstützt wird er von Refused Sänger Dennis bei dieser Mission nicht nur im Vorprogramm, gemeinsam spielen sie eine Coverversion des Songs "Screaming At A Wall" der legendären Hardcore-Band Minor Threat.

Politisches Engagement gehört bei Rise Against eben genauso zum Programm wie fetter Punkrock. Dabei kommt der Sänger auch auf die aktuelle Flüchtlingslage zu sprechen und hat für Deutschland nur lobende Worte. Ob er von dem Intoleranzproblem, das sich hierzulande immer hartnäckiger verbreitet nichts weiß, oder es vorzieht, sich auf das Positive zu konzentrieren, bleibt offen. Als Intro zu "Prayer Of The Refugee" eignet sich sein eindringliches Plädoyer für Hilfe und Zusammenhalt bestens. Findet auch das Publikum.

Die Weltverbesserungsstimmung findet ihren Höhepunkt in der ausgedehnten Zugabe. Nachdem die Band kurz von der Bühne verschwindet, kehrt sie mit einem eindrucksvollen Akustikset zurück. "Hero Of War" mag zwar der Song sein, der die zuweilen fast ins Pathetische ausufernde Weltverbesser-Manier der Gruppe auf die Spitze treibt: Als die gesammte Halle ihn aber gemeinsam singt, verfehlen die eindringlichen Lyrics ihre Wirkung dennoch nicht. Für Gänsehaut ist definitiv gesorgt.

Highlight Zugabe

Da Sänger McIllrath mit gebrochener Hand antritt, muss er sich während des Konzerts an der Gitarre vertreten lassen. Für "Swing Life Away", mit dem er das akustische Intermezzo beendet, greift er dann aber doch selbst zum Instrument. "I hope my doctor doesn't watch YouTube" scherzt er.

Bevor das Konzert endgültig vorüber ist, wird dann aber nochmal ordentlich in die Saiten der E-Gitarre gegriffen. Rise Against beenden ihr Set wie gewohnt mit "Savior" und geben dem begeisterten Publikum noch ein letztes Mal die Möglichkeit, in einer rekordverdächtigen Anzahl von Circlepits, so richtig abzurocken.

Damit ist der Spuk zu Ende und man darf hoffen, dass sich die typische Rise Against-Stimmung in der Anzahl der Pfandbecher in der Viva Con Agua Tonne wiederspiegelt.

Setlist

The Great Die Off / Good Left Undone / Satellite / Give It All / The Dirt Whispered / Re-Education (Through Labor) / Survive / I Don't Wanna Be Here Anymore / Collapse (Post-Amerika) / Screaming At A Wall (Minor Threat Cover), Make It Stop (September's Children) / Prayer Of The Refugee / Help Is On The Way / Black Masks & Gasoline / Ready To Fall // Hero Of War // Peop0le Live Here // Swing Life Away // Dancing For Rain // Savior

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